Deutsche Bahn

Neues Design: So sieht der ICE der Zukunft aus

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Die Deutsche Bahn hat ein neues Innendesign für ihre ICE vorgestellt. Verändert wurden etwa Sitze, das Licht und das Bordrestaurant.

Berlin. Nach stark zurückgegangenen Fahrgastzahlen seit Beginn der Corona-Pandemie befindet sich die Deutsche Bahn derzeit wieder im Aufschwung. „Im Privatreisenden-Verkehr hatten wir seit Ostern an jedem einzelnen Tag mehr Reisende in den Zügen als vor der Corona-Zeit“, sagte Fernverkehrschef Michael Peterson.

Bei den Geschäftsreisenden gebe es derzeit zweistellige Wachstumsraten. Und um in Zukunft weitere Fahrgäste zu gewinnen, soll der ICE in Zukunft mit einem neuen Innendesign überzeugen. Dazu zählen veränderte Sitze, eine wärmere Beleuchtung oder ein Bordrestaurant mit Barbereich.

Ende 2019, berichtete Peterson bei der Vorstellung eines ICE-Modells am Mittwoch, habe das Team begonnen, an dem Design zu arbeiten. Mit Blick auf die lange Einsatzzeit eines Zuges werde bei der Gestaltung in Dekaden gedacht, sagte der Fernverkehrschef. Das Design soll demnach nicht nur modern, sondern auch zeitlos sein. „Der Zug wird eine ganze Generation begleiten, und wir wollen, dass sich die Menschen auch in 30 Jahren noch in diesem ICE wohlfühlen“, so Peterson. Entscheidend ist deshalb auch eine Langlebigkeit der Materialien.

ICE: Eine durchgehende Rückenlehne als Sichtschutz

Verändert wurden unter den Materialien etwa die Stoffe der Sitze, die durch einen hohen Wollanteil auch mehr Komfort bieten sollen. Und überhaupt gibt es an den Sitzen mehrere Veränderungen, die – so sagte es Bahn-Chef Richard Lutz – als „Rückzugsorte“ gestaltet worden seien.

So gibt es zwischen Doppelsitzen keine Lücke mehr, sondern stattdessen eine durchgehende Rückwand. Wer an seinem Laptop arbeitet oder auf dem Handy tippt, muss also nicht fürchten, dass die Reisenden aus der Sitzreihe dahinter auf den Bildschirm schauen können. Und Personen, die die Arbeit am Tablet bevorzugen, finden dafür künftig eine spezielle Halterung über dem Klapptisch vor.

Reisende bekommen auch in der zweiten Klasse künftig mehr Verstellmöglichkeiten für ihre Sitze, einmal für die Sitztiefe und einmal für die Neigung der Rückenlehne. Und auch die Position der Kopfstütze passt sich beim Verstellen des Sitzes an. „Das war bisher nicht der Fall“, sagte Peterson. Die Sitzschale, erklärte der Fernverkehrschef, verändere sich dagegen nicht.

Das heißt: Egal, in welcher Position sich der Sitz befindet, für den dahinter sitzenden Fahrgast gibt es keine Einschränkung. Zudem gibt es auch der zweiten Klasse künftig für jeden Sitz eine Steckdose, bislang war es eine Steckdose pro Doppelsitz. Insgesamt, berichtete Peterson, hätten rund 900 Probandinnen und Probanden die Entwicklung der Sitze begleitet.

Fühlen wie im eigenen Wohnzimmer

Die erste Klasse soll erwartungsgemäß noch etwas mehr Komfort bieten. Die Sitze sind dort etwa vier Zentimeter breiter, es gibt mehr Abstellflächen und beispielsweise eine zusätzliche Becherhalterung. Auch die Polsterung ist eine etwas andere. Insgesamt wird bei der Innengestaltung auf Holz als Material gesetzt, zum Beispiel an den Seitenwänden oder der Rückseite der Sitze, was für eine wohnliche Atmosphäre sorgen soll.

Das ist auch der Anspruch, den die Deutsche Bahn für ihr neues ICE-Design ausgegeben hat: Fahrgäste sollen sich fühlen wie im eigenen Wohnzimmer. Dazu soll auch ein verändertes Licht beitragen. „Durch die Deckenbeleuchtung gibt es ein neues Raumgefühl, und wir haben viel wärmere Farben, wodurch der Innenraum größer wirkt“, sagte Peterson.

Neues ICE-Design: Bordrestaurant in Weinrot und mit Barbereich

Anpassungen gibt es auch im Bordrestaurant. Während die Sitze in der zweiten Klasse in dunkelblau und in der ersten Klasse in grau gehalten sind, wird im Bordrestaurant „Burgundy“, also ein Weinrot, verwendet, das angelehnt ist an die Kleidung der Mitarbeitenden. Auffällig ist außerdem der neue Barbereich mit Hockern, von denen aus Reisende nicht nur von der Seite – wie auf normalen Sitzplätzen –, sondern geradeaus aus dem Fenster schauen können.

Das neue Design soll für Reisende ab Dezember 2023 im ICE 3 neo zu erleben sein und ab 2024 auch im ICE L, der vom spanischen Unternehmen Talgo gebaut wird. Diese Züge, hieß es, sollen dann unter anderem auch auf der Strecke zwischen Berlin und Amsterdam fahren, auf der bislang noch ältere IC-Züge unterwegs sind.

Bereits im kommenden Herbst sollen die ersten Waggons mit neuem Design der Öffentlichkeit präsentiert werden, kündigte Peterson an. Die Bestandsflotte wird dagegen erst einmal nicht umgerüstet. Peterson nannte das eine „bewusste Entscheidung“ und verwies auch auf den Aspekt der Nachhaltigkeit. Auch der ICE 4 werde sein bisheriges Design behalten, zumindest bis zu einem „Refit“. Dieses stehe in der Regel nach 15 Jahren an.

Deutsche Bahn will Reservierungssystem für Sitzplätze verbessern

Neben dem neuen Design kündigte die Bahn aber auch an, ein verbessertes Sitzplatz-Reservierungssystem zu entwickeln. „Das wird es uns ermöglichen, Menschen besser nach ihren Bedürfnissen in verschiedenen Zonen zu platzieren“, sagte Peterson. Dabei geht es beispielsweise um die Ruhe-, Familien- oder Unterhaltungsbereiche, die es auch in den neuen Zügen weiter geben wird. Das neue Design soll aber eine flexiblere Nutzung der Zonen möglich machen, die sich an der Nachfrage der Reisenden orientiert.

Die Bahn plant zudem, die ICE-Flotte in den kommenden Jahren weiter aufzustocken, von 360 auf 450 Züge bis zum Ende des Jahrzehnts. Das hat auch den Hintergrund, dass sich die Fahrgastzahlen im Fernverkehr bis 2030 verdoppeln sollen. „Die Wachstumsziele sind erreichbar“, sagte Bahn-Chef Lutz. Der entscheidende Faktor dabei würden aber nicht die Züge oder das Personal, sondern die Infrastruktur sein.