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Berliner auf dem Weg zum Mond

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Lea-Sophie Cramer (l.) und Irene Selvanathan von Neurospace am Donnerstag beim VBKI.

Lea-Sophie Cramer (l.) und Irene Selvanathan von Neurospace am Donnerstag beim VBKI.

Foto: Reto Klar/FUNKE Foto Services

In drei Jahren will das Berliner Start-up Neurospace mit einem eigenen Rover auf dem Mond sein.

Berlin. Höher, schneller, weiter – das ist nicht der Weg, den Irene Selvanathan mit ihrer Firma Neurospace einschlagen will. Das Berliner Start-up arbeitet seit 2020 an der Entwicklung eines Mond-Rovers. Die Arbeit an der Technik geht die gebürtige Sri Lankerin eher kooperativ an. „Wir wollen, dass so viele wie möglich dabei mitmachen“, sagte Selvanathan am Donnerstag beim Unternehmertreffen des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) und der Berliner Morgenpost.

Neurospace arbeitet an einem kleineren Mondfahrzeug. Der Rover entsteht im Baukastenprinzip. Dadurch soll es möglich werden, das Gerät individuell auf unterschiedliche Forschungsinteressen anzupassen. Das Fahrzeug könnte dann auf der Mondoberfläche zum Beispiel Experimente durchführen oder auch Proben des dortigen Gesteins und der vielen Rohstoffe nehmen, erklärte Gründerin Irene Selvanathan im Gespräch mit Lea-Sophie Cramer, selbst Investorin und Unternehmerin.

Die Bedingungen auf dem Mond sind eine Herausforderung für die Technik

Der Mond sei noch immer vergleichsweise unbekannt, so Selvanathan. Doch, wenn perspektivisch möglicherweise Menschen dort leben sollen, müsste man den Erdtrabanten noch besser erforschen. Gleichzeitig habe die Raumfahrt auch schon in den vergangenen Jahrzehnten viele Fortschritte auch für das Leben auf der Erde gebracht. Die Mondmission der US-Raumfahrtbehörde Nasa in den 1960er-Jahren seien gewissermaßen die Basis für die Entstehung des Silicon Valleys gewesen, sagte Lea-Sophie Cramer. Viele spätere Tech-Firmen hätten Ingenieure bei den Mondmissionen dabei gehabt.

Neurospace-Gründerin Selvanathan hält vor allem die Energieversorgung des Rovers auf dem Mond noch für eine Herausforderung. Angesichts der im Zwei-Wochen-Rhythmus wechselnden Tag-und-Nacht-Phasen sei es zum Beispiel nicht möglich, den Rover ausschließlich mit Solarenergie zu betreiben. Eine weitere Hürde seien die „extremen“ Temperaturen. Bis zu 80 Grad werde es auf dem Mond heiß. Neurospace ist derzeit dabei, die bereits entwickelte Technik des Rovers weiter zu testen. Hierfür arbeite man mit der Technischen Universität (TU) Berlin und anderen Unternehmen aus der New-Space-Branche der Stadt zusammen. An der TU etwa werde Selvanathan zufolge derzeit die bereits bestehende Mondlandschaft weiter ausgebaut. Dort gebe es auch künstliches Regolith, das dem tatsächlichen Mondstaub sehr nahe komme.

Ein Start des Berliner Mond-Rovers soll 500.000 Euro kosten

Bis die Neurospace-Technik soweit ist, um ins All geschossen zu werden, sollen der Gründerin zufolge nur noch drei Jahre vergehen. Mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen, die den Rover dann für ihre Missionen nutzen könnten, ist die junge Berliner Firma bereits im Gespräch. Ein Start solle gut eine halbe Million Euro kosten, kündigte Neurospace-Chefin Selvanathan an.

Dass so ein Forschungsgerät vergleichsweise günstig zu haben ist, hängt auch mit der Entwicklung und den schnellen Fortschritten im Bereich Satellitentechnologie aus den vergangenen Jahren zusammen. Teile, die im Bereich Satellitenbau verwendet werden, seien die Basis für den Rover, hieß es.

Berlin ist eines der Zentren der deutschen New-Space-Branche

Der Standort Berlin ist dabei zuletzt immer stärker zu einem der Zentren der deutschen New-Space-Industrie geworden: In der Hauptstadtregion sind nach Angaben der Berliner Wirtschaftsverwaltung gut 17.000 Beschäftigte in 120 Unternehmen in dem Themenfeld tätig. Dazu kommen Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Adlershof oder eben die TU in Charlottenburg, die seit Anfang der 1990er-Jahre fast 30 Satellitenmissionen erfolgreich gestartet hat.

Irene Selvanathan hat an der Technischen Universität Elektrotechnik studiert. Das Kind von Einwanderern aus Sri Lanka kam im Alter von fünf Jahren nach Deutschland. Sie arbeitete in den vergangenen Jahren auch schon auf dem Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. Dort habe es eine ziemlich toughe Cheftechnikerin gegeben, erzählte sie. Bei Neurospace ist es nun Selvanathan selbst, die den Weg vorgibt – und der soll das Start-up am besten direkt ins All führen.