Polizei

Schießstandaffäre: Mehr Polizisten werden entschädigt

Jens Anker
Wegen mangelnden Gesundheitsschutzes an Schieständen der Polizei erkrankten viele Beamte.

Wegen mangelnden Gesundheitsschutzes an Schieständen der Polizei erkrankten viele Beamte.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Polizisten erlitten gesundheitliche Beeinträchtigungen wegen mangelhafter Schießstände. Nun erhalten mehr Beamte eine Entschädigung.

Deutlich mehr Polizisten als bislang bekannt erhalten vom Land Berlin eine Entschädigung dafür, dass sie gesundheitliche Beeinträchtigungen wegen mangelhafter Schießstände erlitten haben. Das geht aus den Empfehlungen der Schiedskommission hervor, die die Widersprüche der Beamten geprüft hat. Die Kommission war vor einem Jahr eingesetzt worden und hat jetzt ihren Bericht vorgelegt. Insgesamt hatten 750 Betroffene Anträge auf Entschädigung gestellt, 450 Polizistinnen und Polizisten erhielten Zahlungen, 250 beschwerten sich, weil ihre Anträge abgelehnt oder die Entschädigungen nicht nachvollziehbar waren. Von denen, die Beschwerde einlegten, stimmten 178 einer Überprüfung ihrer Bescheide zu. Die Kommission hält die Widersprüche der Kollegen für gerechtfertigt.

Die beiden Polizeigewerkschaften GdP und DPolG begrüßten am Freitag das Votum der Kommission. „Die Entscheidung, dranzubleiben und sich alles noch mal von unabhängiger Seite aus anzuschauen, war richtig und wichtig, damit Betroffene eine faire Chance auf Entschädigungszahlungen für jahrelange Behördenversäumnisse und die folgenden gesundheitlichen Schäden erhalten“, sagte GdP-Landeschef Norbert Cioma. „Unsere Kolleginnen und Kollegen sowie ihre Familien verdienen eine vollständige Aufarbeitung und Berücksichtigung der Belastung“, sagte DPolG-Chef Bodo Pfalzgraf.

Vor sechs Jahren war die Berliner Schießstandaffäre bekannt geworden. Untersuchungen von Schießtrainern der Polizei hatten ergeben, dass sich in den Blutbahnen von zahlreichen Beamten Giftstoffe und Schwermetalle in nicht geringen Mengen befunden haben. Einige Beamte sind in der Folge an Krebserkrankungen gestorben.