Ukraine-Krieg

Stadtmission: Ehrenamtliche Hilfe für Geflüchtete lässt nach

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dpa
Ein Plakat mit Informationen für Geflüchtete aus der Ukraine am Berliner Hauptbahnhof.

Ein Plakat mit Informationen für Geflüchtete aus der Ukraine am Berliner Hauptbahnhof.

Foto: dpa

Berlin. Mehr als zwei Monate nach Kriegsbeginn in der Ukraine lässt aus Sicht von Berliner Hilfsorganisationen die ehrenamtliche Hilfe nach. Im Willkommenszelt am Hauptbahnhof standen am Dienstag nur 8 von eigentlich 18 benötigten Freiwilligen bereit, sagte Barbara Breuer, Sprecherin der Berliner Stadtmission. Auch in einer Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge in Friedrichshain sei bei einer Schicht kürzlich nur ein Helfer vor Ort gewesen - obwohl fünf gebraucht wurden. "Wir haben von Anfang an gesagt: Das wird ein Langstreckenlauf, kein Sprint", betonte Breuer.

Seit Ostern beobachtet die Stadtmission diesen Rückgang. Breuer führte dies darauf zurück, dass viele Menschen nun wieder in ihrem regulären Job arbeiteten und sich nicht mehr freinehmen könnten. Studierende müssten zurück an die Unis. Dies sei auch verständlich, ehrenamtliche Hilfe werde aber weiter gebraucht.

Auch bei der Spendenbrücke Ukraine macht sich dieser Rückgang laut Angaben einer Sprecherin seit etwa zwei Wochen bemerkbar: "In den ersten vier Wochen hatten wir täglich über 100 Helfende". Nun seien in einigen Schichten nur noch fünf bis sechs Freiwillige vor Ort. Bislang habe man es immer geschafft, genügend Leute für die Arbeit zu finden.

Die Sprecherin appellierte aber: Selbst durch kleine Einsätze könne man einen Beitrag leisten. Anfang März hatte die Initiative damit begonnen, Spenden an die Menschen in den Kriegsgebieten zu schicken und Hilfsstellen in Berlin wie etwa das Willkommenszelt am Hauptbahnhof zu unterstützen. Bislang wurden den Angaben zufolge 108 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine gebracht.

Bei dem Verein "Moabit hilft" seien derzeit im Durchschnitt insgesamt mehr als 60 Helfer an zwei Standorten im Einsatz, sagte die Sprecherin Diana Henniges. Potentiell könne man 600 Freiwillige anschreiben. Auch der Verein beobachtet, dass sich weniger von ihnen meldeten. "Viele Menschen haben sich maximal verausgabt", begründete Henniges diese Entwicklung. Ein weiteres Problem seien die Spenden: "Die Spendenbereitschaft befindet sich im freien Fall".

Schätzungsweise 90 Prozent weniger Sach- und Geldspenden bekämen die Helfer momentan im Vergleich zu vor einem Monat. Henniges führte diesen Rückgang auf das Handeln der Politik zurück: Der Bund und das Land Berlin suggerierten, dass alles im Griff sei, weil sie Infrastrukturen für die ankommenden Flüchtlinge geschaffen hätten. "Das ist in vielen Fällen leider nicht so", sagte Henniges. Viele Menschen seien daher der Ansicht, dass keine Spenden mehr benötigt werden. Nach wie vor gebe es jedoch einen großen Bedarf an Lebensmitteln und Hygieneartikeln.

© dpa-infocom, dpa:220505-99-164120/2

( dpa )