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9-Euro-Ticket: Was Fahrgäste in Berlin dazu wissen müssen

| Lesedauer: 10 Minuten
Dominik Bath und Jessica Hanack
Das kann das 9-Euro-Ticket

Das kann das 9-Euro-Ticket

Mit dem 9-Euro-Ticket kann man zwischen Juni und August in ganz Deutschland mit dem Nahverkehr fahren. Was das Angebot bringt und was beachtet werden sollte, zeigt das Video.

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Wo bekommt man das 9-Euro-Ticket? Kann ich jemanden mitnehmen? Was ist mit Firmentickets? Alle Informationen zum 9-Euro-Ticket.

Berlin. Einmal quer durch Deutschland im Nahverkehr fahren oder mit U- und S-Bahn sowie mit dem Bus durch Berlin – und das alles für nur 9 Euro im Monat. Möglich wird das drei Monate lang ab Juni. Am Freitag (20. Mai) müssen die Bundesländer noch im Bundesrat die Regeln für das 9-Euro-Ticket beschließen. Noch immer wird zwischen Bund und Ländern um die Details der Finanzierung gerungen. Der Bund hat dafür 2,5 Milliarden Euro zugesagt, nicht alle Länder halten das für ausreichend.

Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) glaubt jedoch nicht an ein Scheitern des Projektes: „Wir sind an einem Punkt, wo niemand ein Interesse daran haben kann, dass das scheitert“, sagte Giffey.

Die Morgenpost klärt mit Blick auf die Region Berlin-Brandenburg die wichtigsten Fragen und Antworten zum 9-Euro-Ticket.

Was ist das 9-Euro-Ticket?

Das 9-Euro-Ticket soll drei Monate lang alle Deutschen günstig mit dem Nahverkehr durch Deutschland bringen. Start der Aktion ist am 1. Juni. Für den gesamten Aktionszeitraum bis Ende August müssten Interessierte somit 27 Euro aufbringen. Möglich ist aber auch, das Ticket nur für ausgewählte Monate zu erwerben. Das verbilligte ÖPNV-Ticket geht auf das von der Bundesregierung aufgrund der hohen Energiepreise beschlossene Entlastungspaket zurück.

Welche Dauer hat das 9-Euro-Ticket?

Start der Aktion ist am 1. Juni 2022, Ende am 31. August 2022. In diesem Zeitraum gilt es rund um die Uhr.

Gibt es nur eine begrenzte Anzahl von 9-Euro-Tickets?

Nein, im Zeitraum ist das Ticket unbegrenzt verfügbar.

Wie lange gilt das 9-Euro-Ticket?

Das 9-Euro-Ticket gilt immer für einen Kalendermonat. Für den gesamten Zeitraum bis 31. August müsste man also drei 9-Euro-Tickets kaufen für insgesamt 27 Euro. Das 9-Euro-Ticket gilt nicht gleitend. Wer es also erst am 14. Juni kauft, kann trotzdem damit nur bis 30. Juni fahren und muss sich für den Juli ein neues kaufen.

Kann ich das 9-Euro-Ticket gleich für alle drei Monate kaufen?

Ja, dann müssen drei einzelne 9-Euro-Tickets gekauft werden, auf denen der jeweils gültige Monat steht.

Kann ich das 9-Euro-Ticket stornieren?

Nein, eine Stornierung oder ein Umtausch ist nicht möglich.

Wo gilt das 9-Euro-Ticket?

Das 9-Euro-Ticket kann deutschlandweit im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt werden, ausgenommen sind Züge des Fernverkehrs wie zum Beispiel ICEs.

Nutzbar mit dem 9-Euro-Ticket sind:

  • U-Bahnen
  • Straßenbahnen
  • S-Bahnen
  • Linienbusse
  • Fähren (zum Teil)
  • Regionalbahn
  • Regionalexpress

Das 9-Euro-Ticket gilt NICHT für:

  • IC
  • ICE
  • EC
  • Flixtrain
  • Flixbus
  • Eurolines

Muss ich für Kinder auch ein 9-Euro-Ticket kaufen?

Kinder unter 6 Jahren fahren im VBB kostenlos, sind sie älter, brauchen sie auch ein 9-Euro-Ticket. Ein eigenes Kinderticket gibt es nicht.

Gibt es Ermäßigungen beim 9-Euro-Ticket?

Nein, Ermäßigungen gibt es nicht. Auch Inhaber einer BahnCard zahlen 9 Euro für das Ticket.

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Wo bekomme ich das 9-Euro-Ticket in Berlin?

Von der BVG hieß es, man werde schon ab Sonnabend, 21. Mai, das verbilligte Ticket an Fahrscheinautomaten, in Fahrgastzentren und in der BVG-App verkaufen. Auch die S-Bahn will das Ticket ab Sonnabend in den Kundenzentren und allen weiteren Verkaufsstellen anbieten. An den Automaten der S-Bahn wird es allerdings erst ab Montag, 23. Mai, verfügbar sein.

Das 9-Euro-Ticket gib es außerdem als Handyticket und direkt beim Fahrpersonal im Bus (außer bei BVG-Bussen). Zudem kann man es bei den Vorverkaufsstellen sowie Kundenzentren kaufen. Auch im Zug kann man noch ein 9-Euro-Ticket lösen, wenn der Kauf am Bahnhof nicht möglich war.

Ist das 9-Euro-Ticket personengebunden?

Ja, ist es. Zudem ist es nur gültig, wenn Vor- und Zuname des Reisenden eingetragen sind. Es ist nicht übertragbar.

Kann ich mit dem 9-Euro-Ticket jemanden mitnehmen?

Nein, es gilt nur für die Person, für die es ausgestellt wurde. Kostenfrei mitnehmen kann man Kinder unter 6 Jahren, einen Kinderwagen und Gepäck. Es gilt nicht für weitere Personen, Hunde oder Fahrräder.

Ich möchte ein Fahrrad mitnehmen. Welches Ticket brauche ich?

Zusätzlich zum 9-Euro-Ticket benötigt man einen Fahrausweis Fahrrad beim VBB. Bundesweit ist eine Fahrradtageskarte Nahverkehr erforderlich. Diese gilt ausnahmsweise im VBB-Gebiet.

Ich habe ein 9-Euro-Ticket und möchte meinen Hund mitnehmen?

Für jeden Hund Hund ist ein Ermäßigungsfahrschein notwendig, zumindest beim VBB. Bei anderen Verkehrsunternehmen können andere Regeln gelten.

Kann ich mit dem 9-Euro-Ticket in die 1. Klasse?

Nein, das 9-Euro-Ticket gilt nur in der 2. Klasse.

Was müssen Fahrgäste tun, die bereits ein Abo bei BVG oder VBB haben?

Folgende VBB-Abonnements nehmen am 9-Euro-Ticket teil:

  • Abonnements VBB-Umweltkarten mit monatlicher und jährlicher Abbuchung
  • Abonnements Ausbildung und Schüler (inklusive Schülerticket Potsdam) mit monatlicher und jährlicher Abbuchung gemäß VBB-Tarif Anlage 4 Tabellen 1.2.1 und 1.2.2 (Information zum kostenlosen Schülerticket Berlin s.u.)
  • Schüler-Fahrausweise im Land Brandenburg
  • VBB-Abo Azubi mit monatlicher und jährlicher Abbuchung
  • Abonnements 8-/9-/10-Uhr-Karten mit monatlicher und jährlicher Abbuchung
  • VBB-Abo 65plus mit monatlicher und jährlicher Abbuchung
  • VBB-Abo 65vorOrt
  • VBB-Firmentickets mit monatlicher und jährlicher Abbuchung

Abonnenten müssen nichts unternehmen. Bei ihnen wird automatisch der Fahrpreis auf 9 Euro reduziert. Die Verrechnung gilt automatisch.

Ich habe eine 8-Uhr-, 9-Uhr oder 10-Uhr-Karte. Gilt die zeitliche Einschränkung weiter?

Nein. Die Sperrzeiten entfallen.

Wie ist die Regelung bei Firmentickets?

Auch Inhaber von Firmentickets können ihre Fahrkarte während der drei Aktionsmonate einfach bundesweit nutzen. In welcher Form es den Rabatt gibt, hängt auch hier von der Art der Bezahlung ab. Zieht das Verkehrsunternehmen die Firmenticketkosten direkt beim Arbeitnehmer ab, wird der Betrag automatisch reduziert. Anders ist es, wenn die Firmenticketkosten über das Gehalt verrechnet werden. In diesem Fall legt das jeweilige Verkehrsunternehmen, also etwa die BVG, beim Arbeitgeber eine Rechnung über den Gesamtbetrag aller Firmentickets vor. Dieser wird während des Aktionszeitraums entsprechend reduziert, erklärt der VBB. Dass die geringeren Kosten auch beim Arbeitnehmer ankommen, muss durch den Arbeitgeber geregelt werden.

Werden Busse und Bahnen durch das 9-Euro-Ticket wesentlich voller?

Das ist anzunehmen, und auch die Verkehrsunternehmen selbst gehen ebenfalls davon aus. „Wir rechnen mit reger Nutzung des 9-Euro-Tickets und mehr Fahrgästen im ÖPNV“, sagte VBB-Sprecher Joachim Radünz auf Morgenpost-Nachfrage. Der Sprecher appellierte gleichzeitig an die Fahrgäste, Reiserouten vorab sorgfältig zu planen, in die aktuellen Fahrinfos zu schauen, möglichst nicht zu Stoßzeiten zu fahren und eventuell auch mal weniger frequentierte Ziele auszusuchen.

„Es muss vielleicht nicht jeder gleich am ersten Wochenende an die Ostsee fahren“, regte er an. Kapazitätsengpässe erwartet man beim VBB dennoch vor allem bei Verbindungen in die beliebten Ausflugsregionen Ostsee, Spreewald sowie Elbsandsteingebirge/Dresden. Auch von der BVG hieß es, man gehe von einer stärkeren Nachfrage auf den „klassischen Ausflugsstrecken“ aus.

Wie reagieren die Verkehrsunternehmen auf die zusätzliche Nachfrage?

Man tue, was man kann, heißt es von vielen Verkehrsunternehmen. Der VBB, der für die Anbieter in der Region spricht und auch in Absprache mit den Ländern zusätzliches Angebot bei Deutsche Bahn, Odeg & Co. bestellt, teilte mit, dass sich alle Verkehrsunternehmen in der Region „nach allen Kräften bemühen, das 9-Euro-Ticket-Projekt im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Kapazitäten umzusetzen“.

Konkret ist bereits, dass es mehr Züge an die Ostsee geben wird. Der Spielraum für Kapazitätserhöhungen sei jedoch begrenzt, sagte VBB-Sprecher Radünz. Fahrzeuge und Personal fehlten jetzt schon, und auch die Infrastruktur sei vor allem in den Hauptreisezeiten bereits „relativ dicht ausgereizt“. Der Sommer sei generell sowohl Reisezeit als auch Baustellenzeit. Der VBB erwartet deshalb auch Engpässe durch Bautätigkeiten.

Was fordern Fahrgastvertreter?

Der Fahrgastverband Pro Bahn Berlin-Brandenburg forderte die Länder bereits auf, schleunigst zusätzliche Zugleistungen zu bestellen, um so Frust und Enttäuschung bei den Reisenden zu vermeiden. Züge und Personal müssten bei privaten Anbietern unter Vertrag genommen werden. DB Regio und Odeg sollten mit ihren Reserven aus dem Berufsverkehr für Zusatzzüge zu Ausflugszielen am Wochenende sorgen.

Pro Bahn erwartet, dass das 9-Euro-Ticket rege angenommen wird. Deshalb sollte langfristig darüber nachgedacht werden, wie ein attraktives Dauer-Angebot geschaffen werden könne. Als Beispiel nannte der Verband das „Klimaticket“ in Österreich.

Für 1095 Euro ist damit das Nutzen des gesamten öffentlichen Verkehrs inklusive Fernverkehrszüge möglich. Möglicherweise sei diese Variante an deutsche Verhältnisse anzupassen: „Vielleicht vier Bundesländer für 1095 Euro, inklusive ICE/IC in den gewählten Ländern?“, schlug Pro Bahn vor.

Was bedeutet das günstige Nahverkehrsangebot für andere Mobilitätsdienste?

Auch andere Mobilitätsunternehmen wie Car-Sharing-Firmen oder auch die Fernbusbranche beobachten die Vorbereitungen auf den Start des Neun-Euro-Tickets. Von der Plattform Free Now, die neben Car-, Bike- und E-Scooter-Sharing auch Fahrten in Taxen und Mietwagen vermittelt, hieß es, man werde Nutzern zum Start des 9-Euro-Tickets nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten Deutschlands besondere Angebote in der App machen. Das 9-Euro-Ticket erhöhe aus Sicht der Firma „generell die Aufmerksamkeit für alternative Formen der Mobilität“.

Der Anbieter Flixtrain, der mit seinen Zügen vom 9-Euro-Ticket ausgenommen ist, sieht bereits Kapazitätsengpässe auf ÖPNV und Regionalbahnen zukommen. „Hier werden FlixBus und FlixTrain mit garantierten Sitzplätzen immer einen Mehrwert bieten“, sagte ein Sprecher.

Gleichzeitig appellierte die Firma an die Politik, langfristige Lösungen zu finden, die Menschen auch auf Dauer für umweltfreundliche Verkehrsmittel zu begeistern. Sinnvoll seien hier mehr Investitionen in die Schieneninfrastruktur. Derzeit stelle sich das Neun-Euro-Ticket lediglich als milliardenschweres Strohfeuer und teurer Ein-Mal-Effekt dar.