Inflation

Weiter steigende Preise in Berlin und Brandenburg

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Fast acht Prozent Inflation zählten die Statistiker im April dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Fast acht Prozent Inflation zählten die Statistiker im April dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Foto: Fabian Sommer / dpa

Mehl, Hackfleisch, aber auch Hotelübernachtungen: Alles ist teuer geworden. In Berlin lag die Inflationsrate im April bei 7,9 Prozent.

Berlin. Verbraucherinnen und Verbraucher in Berlin und Brandenburg mussten im April erneut deutlich mehr Geld für Dinge des täglichen Bedarfs ausgeben als noch vor einem Jahr. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im Jahresvergleich in der deutschen Hauptstadt um 7,9 Prozent und in Brandenburg um 7,4 Prozent. Damit habe die Teuerungsrate weiterhin auf einem hohen Niveau gelegen, teilte das Amt für Statistik am Montag mit.

Preistreiber seien weiterhin überdurchschnittlich steigende Preise für Energie gewesen. Aber auch die Nahrungsmittelpreise seien dem Statistikamt zufolge nochmals deutlich angestiegen. „Ohne Energie und Nahrungsmittel betrug die Teuerung in Berlin 4,0 Prozent und in Brandenburg 3,7 Prozent“, hieß es von den Statistikern. Die Inflationsrate im April lag damit in Berlin auch über dem Bundesdurchschnitt von 7,4 Prozent. Bundesweit war die jährliche Teuerungsrate schon im März mit 7,3 Prozent auf den höchsten Stand seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 geschnellt.

Krieg in der Ukraine und Lockdown in China treiben die Preise auch in Berlin

Experten führen die Preissteigerungen vor allem auf die aktuell unsichere geopolitische Lage zurück. „Die Inflation wird in erster Linie durch Wladimir Putin bestimmt“, sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter in der Abteilung Konjunkturpolitik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Guido Baldi, am Montag der Berliner Morgenpost. Druck auf die Preise gebe es wegen des Kriegs in der Ukraine und auch wegen dem neuerlichen Corona-Lockdown im chinesischen Shanghai. Dies führe zu steigenden Preisen in den Lieferketten und Engpässen durch Lieferschwierigkeiten, so der Wissenschaftler.

In Berlin kosteten Speiseöl und Mehl zum Teil über die Hälfte mehr als noch vor einem Jahr. Auch bei Rinder- und Schweinehackfleisch, Butter, Eiern sowie Gurken und Tomaten stellten die Statistiker zweistellige Zuwachsraten fest. Deutlich weniger musste hingegen für Blumenkohl, Paprika und Möhren ausgegeben werden. Für Nahrungsmittel insgesamt mussten Verbraucher in Berlin gut neun Prozent mehr als noch vor einem Jahr ausgeben, in Brandenburg lag die Steigerung sogar bei 10,1 Prozent.

Touristen müssen deutlich mehr Geld für Hotelübernachtungen in Berlin ausgeben

Deutliche Preisunterschiede bemerken auch Berlin-Besucher: Touristen mussten für Hotels und andere Übernachtungsangebote 18,2 Prozent mehr Geld ausgeben als noch im April 2021. Während des damaligen Corona-Lockdowns waren die Zimmerpreise allerdings auch deutlich unter Druck geraten. Im April dieses Jahres wurde auch Essengehen wieder deutlich teurer: Bei Gaststättendienstleistungen lag die Inflationsrate im Jahresvergleich bei 8,7 Prozent. Ebenso mehr Geld musste für das Reisen an sich ausgegeben werden: Die Preissteigerung für Pauschalreisen lag im Jahresvergleich bei 14,4 Prozent. Für Kleidung und Schuhe mussten die Kundinnen und Kunden hingegen in etwa noch so viel wie vor einem Jahr zahlen: Preise für diese Güter sanken im Jahresvergleich um 0,2 Prozent.

Etwas Entspannung gab es im April auch auf den Energiemärkten: Gegenüber dem Vormonat März 2022 waren bei leichtem Heizöl (-13,9 Prozent) und Kraftstoffen (-2,6 Prozent) sogar Preisrückgänge zu beobachten.

DIW-Experte: Hohes Inflationsniveau wird 2022 anhalten

DIW-Experte Baldi geht davon aus, dass sich die Inflationsrate allmählich reduzieren wird. Ein schneller Rückgang sei jedoch nicht zu erwarten. Eine Rolle spiele dabei sicher, wie es mit dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine weitergehe. Aber auch bei einer Entspannung sehe er keine schnelle Erleichterung, so Baldi. Auf das Jahr 2022 gerechnet, geht das DIW inzwischen von einer bundesweiten Inflation in Höhe von mehr als sechs Prozent aus. Erst 2023 könnte sich das Inflationsniveau wieder bei unter drei Prozent einpendeln, sagte er. Angesichts der Preisentwicklung steigt aber auch der Druck auf die Europäische Zentralbank, die Geldentwertung zu stoppen. Baldi erklärte, er rechne mit einer ersten Zinserhöhung im zweiten Halbjahr. Die Zentralbank müsse einen Mittelweg finden, die Konjunktur am Laufen zu halten und gleichzeitig die Preisspirale zu bremsen.

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