Polizei Berlin

Super Recognizer: Polizei sucht perfekte Gesichtserkenner

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Super Recognizer Michael Aschenbrenner betrachtet Fahndungsfotos. Er arbeitet für die Polizei Stuttgart (Archivbild).

Super Recognizer Michael Aschenbrenner betrachtet Fahndungsfotos. Er arbeitet für die Polizei Stuttgart (Archivbild).

Foto: Marijan Murat / picture alliance/dpa

Die Berliner Polizei sucht weiter Menschen, die über perfekte Fähigkeiten der Gesichtserkennung verfügen, sogenannte Super Recognizer.

Berlin. Sie können fast jede Person wiedererkennen – egal ob sie auf einem verschwommenen Video zu sehen ist, die Begegnung schon Jahre zurückliegt, der Betreffende vermummt war, inzwischen gealtert ist oder sich sonst verändert hat. Nach Schätzungen der Wissenschaft verfügen zwischen ein und zwei Prozent aller Menschen über die Fähigkeit, sich überdurchschnittlich gut Gesichter einzuprägen und das Erinnerte nach Belieben wieder abzurufen. Nicht zuletzt für Ermittlungsbehörden sind die sogenannten „Super Recognizer“ von großem Nutzen – so auch für die Berliner Polizei.

Seit vergangenem Sommer versucht die Behörde, Super Recognizer in den eigenen Reihen zu identifizieren. Allerdings lässt das Ergebnis eines entsprechenden Testlaufs weiter auf sich warten. Ursprünglich sollte das bereits im September 2021 vorliegen. „Die differenzierte wissenschaftliche Analyse der Testdaten ist noch nicht abgeschlossen“, teilte ein Polizeisprecher nun auf Anfrage mit.

Die Beamtinnen und Beamten scheinen dabei aber auch eher zurückhaltend zu sein. Denn von den insgesamt rund 18.500 Vollzugskräften, die im Juni zur Teilnahme an einem extra erstellten Testverfahren aufgerufen wurden, machten nur 1400 mit. Bei ein bis zwei Prozent dürften allerdings auch nur zwischen 185 und 370 Vollzugskräfte die Fähigkeit besitzen.

Super Recognizer vor allem bei „herausragenden Lagen“ hilfreich

Für die Polizei können Super Recognizer überall dort von Wert sein, wo Gesichtserkennung eine Rolle spielt. Besonders hilfreich seien sie auch in „herausragende Lagen wie terroristische Anschlagsfälle“ und dabei „Serienstraftaten effektiver zusammenzuführen“, sagt der Polizeisprecher. Auch Taschendiebstahl wird dabei immer wieder als Deliktfeld benannt.

Laut der Gewerkschaft der Polizei (GdP) wurden bislang nur drei Einsatzkräfte als Super Recognizer identifiziert. Eine eigene Einheit, wie von der GdP gefordert, bilden sie nicht. Sie versehen vielmehr ihren normalen Dienst und helfen mit ihren Fähigkeiten auf Nachfrage. „Wir konnten in einzelnen Deliktbereichen jedoch schon Erfolge erzielen“, so der Polizeisprecher weiter. Statistiken gebe es aber nicht.

Das Fähigkeit der Super Recognizer wurde 2009 eher zufällig entdeckt, als sich Wissenschaftler der Universität Harvard mit sogenannten „Gesichtsblinden“ befassten. Bei der Untersuchung von Menschen, die sich Gesichter besonders schlecht merken können, stießen sie auch auf das gegenteilige Phänomen. Klar ist bislang, dass diese Fähigkeit angeboren ist und nicht erlernt werden kann.

Nur Polizeiangehörige dürfen am Super Recognizer-Test teilnehmen

Seither werden Super Recognizer von mehreren Sicherheitsbehörden eingesetzt – etwa der Polizei in München, Frankfurt am Main, in Nordrhein-Westfalen und bereits seit 2015 in London. Zumindest in Berlin dürfen nur Polizeiangehörige am Testverfahren teilnehmen – „aus Gründen des Datenschutzes“, wie es heißt.