Berliner Halbmarathon

Partystimmung und Streckenrekord beim Berliner Halbmarathon

| Lesedauer: 10 Minuten
Alexander Rothe

Tausende laufen am Sonntag trotz Kälte den Berliner Halbmarathon. Vom Straßenrand werden sie angefeuert. Alle Infos und die Sieger.

Berlin. 
  • Der Berliner Halbmarathon 2022 ist erfolgreich beendet.
  • Die Straßensperrungen sind überwiegend aufgehoben.
  • Mehr als 30.000 Teilnehmende aus 121 Nationen waren dabei.
  • Franziska Giffey: "Ein wunderschönes Zeichen für unsere Stadt und für die Freiheit"
  • Die Kenianerin Sheila Kiprotich siegte mit einem Streckenrekord bei den Damen, bei den Männern gewann der ebenfalls aus Kenia stammende Alex Kibet.
  • Bester Deutscher wurde Johannes Motschmann vom Marathon Team Berlin. Katharina Steinruck schnitt unter den deutschen Frauen als beste ab.

Eng anliegende Thermohosen, Mütze und eine Tüte mit warmer Kleidung für danach: Tausende Läuferinnen und Läufer treffen am Sonntagvormittag auf der Wiese vor dem Bundestag ein, um am Berliner Halbmarathon teilzunehmen. Zwischen Dehnübung und Schuhwechsel nutzen einige die Möglichkeit, ein Foto vom Reichstag zu machen. Viele sind auf E-Rollern angereist, andere haben bereits die Anfahrt als Aufwärmübung genutzt und sind zum Startpunkt gejoggt.

So wie Jim Heylin aus Waterford in Irland. Weit hatte er es aber nicht: Sein Hotel liegt an der Friedrichstraße. Es sei sein erster Besuch in Berlin, erzählt er. Bisher habe er nur das Brandenburger Tor und die Siegessäule gesehen – den Startpunkt des Laufs. „Ich bin schon mehrere Halbmarathons gelaufen, unter anderem in London und New York.“ Wie er sich vorbereitet hat? „Ich war gestern früh im Bett und nicht unterwegs“, erzählt er lachend. Ansonsten bestehe seine Vorbereitung aus täglich fünf Kilometern joggen. Heute sei ein guter Tag für den Lauf: „So lange es nicht regnet und es keinen Wind gibt, ist das Wetter perfekt.“ Die Kälte mache ihm nichts aus.

Markus Niedersetz ist da anderer Meinung: „Wenn man Mütze und Handschuhe tragen muss, ist es zu kalt zum Laufen“, sagt der Berliner, während vereinzelte Schneeflocken auf seiner Mütze hängenbleiben. Es ist der erste Halbmarathon, den er offiziell mitläuft. „Ich war zwar letztes Jahr auch dabei, bin allerdings nur nebenher mitgelaufen.“ Mit schrittweisen Tempo- und Distanzsteigerungen habe er sich auf den Tag vorbereitet. „Zuletzt waren es 17 Kilometer. Die restlichen drei Kilometer sollte ich auch noch schaffen.“ Sein Ziel: Weniger als zwei Stunden.

Berliner Halbmarathon 2022: Dudelsackspieler und Kochtöpfe

Der Halbmarathon beginnt um 9.25 Uhr für Inlineskater, im Anschluss starten Rollstuhlfahrer und Handbiker, bevor kurz nach 10 Uhr die Läufer auf die etwas mehr als 21 Kilometer lange Strecke gehen. Die Stimmung unter den Teilnehmenden ist ausgelassen. Es wird viel Englisch gesprochen – der Lauf zieht Menschen aus verschiedensten Ländern an, die teilweise mit Freunden und Familien gekommen sind, die sie mental unterstützen.

Dann geht es durch die Schleuse auf das Gelände, in Richtung Straße des 17. Juni, von wo aus die Massen den Lauf in vier Wellen antreten. Um 10.05 Uhr ist der Startschuss für die erste Gruppe. Tausende umlaufen die Siegessäule, an der sich Schaulustige eingefunden haben und das Spektakel mit Vuvuzela und Trillerpfeife anfeuern. Freunde und Familie stehen am Straßenrand und warten auf ihre laufenden Angehörigen – die Kamera immer bereit, um den Moment festzuhalten.

Zwei Dudelsackspieler sorgen für die extra Portion Motivation unter den Teilnehmenden. Neben Personen in Sportkleidung sind unter den Laufenden hin und wieder auch unübliche Laufmonturen zu beobachten: Ein Feuerwehrmann mit Anzug und Helm läuft in der vierten Welle mit und jubelt den Menschen an der Seitenlinie zu. Einer nutzt den Lauf, um im Kostüm für Hygieneartikel zu werben.

Berliner Halbmarathon 2022: Läufer sind dankbar für die Einheizer

Entlang der Strecke feuern die Zuschauenden die Laufenden an. Ungefähr auf der Hälfte des Halbmarathons heizt eine Trommelgruppe den vorbeiziehenden Sportlern ein, die sichtlich amüsiert sind. Sie zeigen sich dankbar und klatschen im Takt der Rhythmen. Auch an anderen Stellen der Strecke haben sich Gruppen versammelt, um die Schwitzenden und teils Keuchenden anzufeuern. Trotz der großen Anzahl der Teilnehmenden kommt es kaum zu Vorfällen: Bislang habe eine Läuferin wegen Kreislaufproblemen behandelt werden, heißt es in einer Durchsage am Brandenburger Tor.

Marieke Van Hoorn, Anwohnerin an der Kleiststraße, und ihre Nachbarn haben es sich an der Straße mit alkoholfreiem Bier gemütlich gemacht und sich mit Töpfen und anderen Küchenutensilien ausgestattet, um für ihre Freundin Maren Lärm zu machen. „Wir feuern aber auch andere Leute an und rufen ihre Namen, da diese sichtbar auf ihren T-Shirts kleben.“

Auf Höhe des Potsdamer Platzes – sechs Kilometer vor dem Ziel – herrscht Partystimmung. „Ihr seid die Fittesten der Fitten“ ruft ein in der Mitte der Laufstrecke stehender Einheizer den Laufenden zu elektronischer Musik entgegen. „Arme hoch!“ Manche lassen sich von ihm mitreißen, andere konzentrieren sich lieber auf eine regelmäßige Atmung und den letzten Abschnitt.

„Die Stimmung ist genial“

Am Ende erreichen Laufende aus über 20 Ländern das Ziel auf der Straße des 17. Juni. Auf dem Weg durch das Brandenburger Tor werden sie noch mal kräftig bejubelt, was manch einen zu einem Sprint auf den letzten Metern animiert. Ein Läufer hält eine Ukraine-Flagge in die Luft und erhält Applaus von der Seitenlinie. Die 21 Kilometer sind den meisten ins Gesicht geschrieben. Trotzdem schaffen es einige ein letztes Mal, ihre Arme zum Jubel des Publikums hochzureißen.

Am Ende gibt es für alle Teilnehmende eine Medaille, eine weiße Plane als Wärmeschutz und vor allem einen Grund zum Feiern: „Ich bin ein ganzes Stück unter zwei Stunden geblieben, was mich sehr glücklich macht“, erklärt Benjamin Krupke aus Dresden. Er ist Marathon-erfahren, hat aber erstmals in Berlin teilgenommen. „Die Stimmung ist genial. Ständig haben mich Leute mit meinem Namen angefeuert, den sie auf meiner Hose gelesen haben. Das war schon ein starker Antrieb.“

Auch für Claire Steinbrück war es der erste Halbmarathon in Berlin. Sie ist schon in Köln und in Frankfurt gelaufen und ebenfalls begeistert von der Atmosphäre und der Strecke. „Man hat gemerkt, dass die Leute nach langer Zeit wieder Lust haben, am Halbmarathon teilzunehmen.“ Ihre persönliche Bestzeit von unter zwei Stunden hat sie verpasst – sie hat zwei Stunden und eine Minute gebraucht. Vielleicht dann im nächsten Jahr? „Mal schauen. Zunächst setze ich einen Haken an die absolvierte Strecke.“

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Berliner Halbmarathon: Sheila Kiprotich läuft Streckenrekord - Alex Kibet gewinnt bei den Männern

Sheila Kiprotich hat beim 41. Berliner Halbmarathon einen Streckenrekord aufgestellt. Die Kenianerin unterbot die bisherige Bestzeit am Sonntag um 14 Sekunden. Bei den Männern gewann der ebenfalls aus Kenia stammende Alex Kibet - er verpasste aber den Streckenrekord.

Pünktlich um 10.05 Uhr startete das Läuferfeld in der Straße des 17. Juni. Bei den Männern setzte sich von Beginn an eine kenianische Gruppe ab, die mit viel Tempo voran lief. Favorit Abel Kipchumba kam als Dritter ins Ziel, Kibet gewann mit deutlichem Vorsprung und einer Zeit von 58:54 Minuten. Den Streckenrekord verpasste er um 13 Sekunden.

Bester Deutscher wurde Johannes Motschmann vom Marathon Team Berlin. Der gebürtige Magdeburger lief in 1:01:44 Stunden persönliche Bestzeit.

Schnell starteten auch die Frauen, wo sich Sheila Kiprotich früh als Erste positionierte und den Rest des Feldes auf Abstand hielt. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt kam die 31-Jährige nach 1:05:02 Stunden ins Ziel. Beste deutsche Teilnehmerin war Katharina Steinruck, die mit einer Zeit unter 70 Minuten ebenfalls persönliche Bestzeit lief.

Berliner Halbmarathon 2022: Mehr als 30.000 Teilnehmende aus 121 Nationen

Insgesamt hatten sich 33.336 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 121 Nationen beim Berliner Halbmarathon angemeldet. „Es ist ein wunderschönes Zeichen für unsere Stadt und für die Freiheit“, sagte Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey, die den Startschuss gegeben hatte. Unter den Teilnehmenden waren auch Menschen aus der Ukraine.

Die meisten Straßensperrungen rund um den Berliner Halbmarathon waren am Sonntagnachmittag wieder aufgehoben. Bis zum Leipziger Platz war laut Polizei alles wieder frei. Die Straße des 17. Juni und der Bereich im Regierungsviertel sind nach Informationen der Verkehrsinformationszentrale noch bis Montag früh ca. 6 Uhr gesperrt. Größere Verkehrsprobleme habe es nicht gegeben, teilte ein Sprecher der Polizei mit.

Berliner Halbmarathon 2022: Das war die Strecke

Straße des 17. Juni – Ernst-Reuter-Platz – Otto-Suhr-Allee – Spandauer Damm (Gegenfahrbahn) – Schloßstraße – Kaiserdamm (Gegenfahrbahn) – Sophie-Charlotten-Straße – Wundtstraße – Neue Kantstraße – Kantstraße – Windscheidstraße – Droysenstraße – Nestorstraße – Kurfürstendamm (in Richtung Joachim-Friedrich-Straße) – WENDE (Kurfürstendamm/Johann-Sigismund-Straße) Kurfürstendamm – ab Nestorstraße (Gegenfahrbahn - nördliche Fahrbahn) – Tauentzienstraße (Gegenfahrbahn) – Wittenbergplatz (Gegenfahrbahn) - Kleiststraße (Gegenfahrbahn) – Nollendorfplatz (Gegenfahrbahn) – Bülowstraße (Gegenfahrbahn) - Potsdamer Straße – Potsdamer Platz – Leipziger Straße – Wilhelmstraße – Kochstraße – Friedrichstraße – Leipziger Straße (erst Gegenfahrbahn, ab Axel-Springer-Straße beidseitig) – Breite Straße (Gegenfahrbahn) – Schloßplatz – Werderscher Markt – Französische Straße– Markgrafenstraße – Mohrenstraße – Charlottenstraße – Französische Straße – Glinkastraße – Unter den Linden (Gegenfahrbahn) – Pariser Platz (Gegenfahrbahn) – Brandenburger Tor – Platz des 18. März – Straße des 17. Juni