Coronawelle

Berlin könnte Zenit der Omikron-Welle schneller erreichen

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Jens Anker
Omikron-Subtyp: auch Berlin ist betroffen

Omikron-Subtyp: auch Berlin ist betroffen

Untersuchungen zufolge gibt es einen Subtypen der Omikron-Variante, der noch ansteckender sein könnte als das Original. Auch in Berlin verbreitet sich der Subtyp.

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Weil die vierte Corona-Welle Berlin gerade besonders hart trifft, könnte es auch früher besser werden als anderswo.

Berlin kommt möglicherweise früher als andere Bundesländer in eine endemische Lage der Corona-Pandemie. „Wir liegen ein stückweit vor den anderen Ländern“, sagte Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) am Mittwoch im Gesundheitsausschuss. „Deswegen können wir davon ausgehen, dass wir auch den Höhepunkt früher erreichen.“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und andere Experten prognostizieren den Höhepunkt der vierten Welle für Mitte Februar. Danach werden den Annahmen zufolge die Zahlen wieder sinken und sich die Lage im Lauf des Frühjahrs derart beruhigen, dass auf Einschränkungen weitgehend verzichtet werden könnte – wenn keine neue Wendung in der Pandemie eintritt.

In Berlin könnte der Höhepunkt der Infektionslage nun schon bald erreicht sein, da die Zahlen hier bereits höher liegen als in anderen Regionen Deutschlands. Gesundheitssenatorin Gote vermutet zudem, dass die Inzidenz in der Stadt bereits weit über den angegebenen Werten liegt. Zum einen, weil 29.000 Infektionsmeldungen noch gar nicht in den entsprechenden Systemen registriert sind, zum anderen, weil die Dunkelziffer bei den weitgehend milde verlaufenden Omikron-Erkrankungen sehr hoch ist.


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Corona Berlin: Die Inzidenz bei Fünf- bis 14-Jährigen beträgt 4500

Ein verlässliches Bild ergebe sich lediglich bei den Schülerinnen und Schülern, so die Gesundheitssenatorin, weil sie flächendeckend regelmäßig getestet werden. Doch gerade hier liegt die Inzidenz deutlich über dem Durchschnitt. Während die Sieben-Tage-Inzidenz in der ganzen Stadt aktuell bei 1800 liegt, beträgt sie bei den Fünf- bis 14-Jährigen mehr als 4500. „Das bildet die Situation wohl realistischer ab“, sagte Gote. „Wir gehen von vielen Infektionen in der Bevölkerung aus.“

Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht Gotes kaum möglich, das Ausbruchsgeschehen zu kontrollieren. „Wir sollten nicht den Eindruck erwecken, wir könnten das stoppen“, sagte die Gesundheitssenatorin. „Das ist keine Kapitulation, aber es hilft nicht, es sich schön zu reden.“ Es bestehe die Gefahr, wie von Virologen vorausgesagt, dass sich früher oder später alle Menschen mit Omikron infizieren. „Das ist die Faktenlage.“

Corona: Infektionsketten lassen sich nicht mehr nachverfolgen

Gote rechtfertigte deshalb den von den Gesundheitsministern beschlossenen Strategiewandel beim Testen, den Quarantäneregeln und dem weitgehenden Verzicht auf die Kontaktnachverfolgung. „Die Kontaktnachverfolgung hat nicht mehr die Bedeutung, die sie hatte“, sagte Gote. Sie war ursprünglich eingeführt worden, um mögliche Massen-Infektionsherde zu entdecken. Wenn aber ein flächendeckendes Infektionsgeschehen herrscht, können dadurch keine Infektionsketten mehr nachverfolgt werden. So hatten auch die Amtsärzte den Verzicht auf Kontaktnachverfolgung begründet.

Weil Berlin bereits besonders hart von der vierten Welle getroffen ist, hätte sich die Gesundheitssenatorin auch konkretere Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz gewünscht. Sie hatte am Montag keine konkreten Vorschläge zur Verkürzung der Quarantäne auf fünf Tage und die Möglichkeit des Freitestens durch Schnelltests vorgelegt. „Weil Berlin weiter ist, brauchen wir die neuen Regeln schon jetzt“, sagte Gote.

Genesene: Gesundheitsminister erwarten Klärung durch den Bund

Denn es sei immer noch unklar, wie genau die Möglichkeit des Freitestens nach fünf Tagen ausgestaltet wird und wer gültige Zertifikate darüber ausstellt. Das sollen die Gesundheitsminister am kommenden Montag klären. Verärgert ist Gote auch über die Entscheidung Lauterbachs, Genesene nur noch drei Monate lang als geschützt anzusehen, während das für Geimpfte weiter sechs Monate lang gilt. „Das ist eine sehr unbefriedigende Situation.“ Die Gesundheitsminister hätten den Bund aufgefordert, schnell eine Klärung herbeizuführen.

Gote räumte ein, dass es insgesamt schwer nachvollziehbar ist, wer unter welchen Umständen unter die 2G-Regelung fällt. Dabei gehe es um die Frage, wer nach wie vielen Impfungen mit welchem Impfstoff und eventuell einer Erkrankung als vollständig geschützt gilt und wer nicht. Dazu habe Lauterbach zwar ein Schaubild vorgestellt, das aber selbst die Gesundheitsminister nicht verstanden hätten. „Das ist nicht handhabbar und nicht gerecht.“ Der Bund habe zugesagt, alle entsprechenden Impfkombinationen in die Corona-Warn-App einzubauen. Das soll in der ersten Februarwoche geschehen sein. „Bis dahin halten wir die Unsicherheit und die Ungerechtigkeit aus“, sagte Gote.