Pandemie

Giffey will neue Regeln für Kontaktnachverfolgung

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Franziska Giffey (SPD) fordert neue Regeln bei der Kontaktnachverfolgung.

Franziska Giffey (SPD) fordert neue Regeln bei der Kontaktnachverfolgung.

Foto: Berliner Senatskanzlei

Franziska Giffey drängt angesichts der Omikron-Welle und überlasteter Gesundheitsämter auf neue Regeln für die Kontaktnachverfolgung.

Berlin. Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen weiter steil an. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen lag am Sonntag bundesweit bei 806,8, in Berlin sogar bei 1483,7. Am heutigen Montag beraten Bund und Länder erneut über die weitere Strategie in der Pandemie. Vor dem Treffen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und den Regierungschefs der Länder zeichneten sich weder Verschärfungen noch Lockerungen der bestehenden Pandemiemaßnahmen ab.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Vertreter der Länder machten deutlich, dass die im Moment geltenden Regelungen beibehalten werden sollten. Unterstützt wird diese Haltung vom Corona-Expertenrat der Bundesregierung. Das Gremium forderte in einer neuen Stellungnahme aber auch Vorbereitungen für mögliche weitere Schritte angesichts der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante.

Entscheidungen werden in der Bund-Länder-Runde unter anderem zum Thema PCR-Tests erwartet. Am Sonnabend hatten sich die Gesundheitsminister der Länder bereits für eine Priorisierung ausgesprochen: Bestimmte Bevölkerungsgruppen sollen angesichts knapper Laborkapazitäten bevorzugt Anspruch auf die besonders genauen Tests bekommen. Personal in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen sowie Hochrisikopatienten und Personen mit dem Risiko schwerer Krankheitsverläufe sollen dem Beschluss zufolge unbedingt eine PCR-Testung erhalten.

Für alle anderen Personen, die keine Symptome haben und ein positives Antigentest-Ergebnis vorweisen können, soll auf eine Bestätigung per PCR verzichtet werden. Weitere Themen werden die Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter, die sich ebenfalls vorrangig auf Coronafälle im Klinik- und Pflegebereich konzentrieren sollen, und die bald greifende einrichtungsbezogene Impfpflicht sein.

Franziska Giffey fordert neue Regeln für die Kontaktverfolgung

Auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) drängt angesichts der Omikron-Welle und chronisch überlasteter Gesundheitsämter auf neue Regeln für die Kontaktnachverfolgung nach bestätigten Corona-Infektionen. Hier seien einheitliche Regeln sinnvoll, und deshalb werde sie das Thema in der Bund-Länder-Runde ansprechen, betonte Giffey. Bei den hohen Inzidenzen sei es notwendig, sich anzusehen, „in welcher Form die Kontaktnachverfolgung auch mit neuen Ansätzen arbeiten kann“, sagte sie. Geklärt werden müsse, an welchen Stellen eine Kontaktnachverfolgung noch sinnvoll sei, damit Gesundheitsämter „fokussierter arbeiten“ und entlastet werden könnten.

Giffey will mit ihren Länderkolleginnen und -kollegen sowie dem Bund auch über einheitliche Regeln beraten, an welcher Stelle künftig noch welcher Corona-Test nötig sei. Berlin will nach den Worten Giffeys sowie von Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) erreichen, dass qualifizierte Schnelltests dort, wo es sinnvoll und möglich ist, die PCR-Tests ersetzen. Das soll etwa für das Freitesten aus der Isolation für Infizierte und aus der Quarantäne für Kontaktpersonen gelten. Lediglich bei Beschäftigten etwa im Gesundheitswesen und Menschen über 60 soll demnach noch ein PCR-Test fällig werden.


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Ob auch Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte zu der priorisierten Gruppe gehören sollen, ist bislang unklar. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert dies, im Beschluss der Gesundheitsminister der Länder werden sie allerdings nicht erwähnt. Aziz Bozkurt, Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, positioniert sich auf Twitter ganz klar zu dem Thema: „In meiner Welt gehören auch Kinder zu vulnerablen Gruppen.“

Unterdessen bemüht sich Berlin weiter darum, die Impfquote zu erhöhen. Ab Ende Januar sollen auch Apotheken gegen das Coronavirus impfen können. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren, in dieser Woche sollen die ersten Schulungen starten. Die Bereitschaft der Apothekerinnen und Apotheker, bei der Impfkampagne mitzuwirken, sei hoch. Nach einer Umfrage des Berliner Apotheker-Vereins sei etwa die Hälfte der Apotheken gewollt, mit zu impfen. Eine der größten Herausforderungen sei, dass auch genügend Impfstoff zur Verfügung stehe. „Nur dann macht das Ganze auch Sinn“, sagt Kerstin Kemmritz, Präsidentin der Apothekenkammer Berlin. Die Kassenärztliche Vereinigung kritisiert, dass es nicht mal genug Impfstoff für die Arztpraxen gebe.