Corona-Pandemie in Berlin

Zahl der infizierten Berliner Schüler verdoppelt

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Jens Anker
App Luca: Gesundheitsämter greifen nur selten auf Daten zurück

App Luca: Gesundheitsämter greifen nur selten auf Daten zurück

Die deutschen Gesundheitsämter greifen offenbar nur selten auf Daten der Luca-App zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zurück. Das ergab eine Umfrage des Magazins "Spiegel" unter den 380 Ämtern.

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Die Corona-Fälle an Berlins Schulen haben sich innerhalb einer Woche verdoppelt. Berlin hält dennoch am Präsenzunterricht fest.

Berlin. Die Corona-Fälle an Berlins Schulen haben sich innerhalb einer Woche verdoppelt. Gab es in der vergangenen Woche noch 6911 Schüler, die nach einem positiven Test in Quarantäne mussten, so sind es derzeit schon 13.571. Das geht aus den Daten hervor, die die Bildungsverwaltung jeweils am Freitag veröffentlicht. Auch die Zahl der Schulen, die betroffen sind, hat zugenommen. Meldeten vor einer Woche noch 821 öffentliche Schulen Corona-Ausbrüche, so sind es aktuell bereits 869.

Die Zahl der Schulen, bei denen nicht nur Einzelfälle registriert wurden und die deshalb bei der Warnampel auf Gelb springen, hat sich mehr als verdoppelt – von 15 auf 35. Demzufolge ist auch die Zahl der Klassen und Schulgruppen, die geschlossen wurden, gestiegen – von 207 auf 397.

Berlin hält am Präsenzunterricht fest

Eine Woche vor dem Beginn der Winterferien hält Berlin dennoch am Präsenzunterricht fest. „Präsenzunterricht ist wichtig“, sagte der Sprecher der Bildungsverwaltung, Martin Klesmann, am Freitag. Dort, wo ein Infektionsgeschehen registriert wird, werde mit der Teilung von Lerngruppen und einer Verschärfung der Hygieneregeln reagiert. Nach den Winterferien werde auch wieder das Testen verstärkt, statt bislang drei Mal wird dann zunächst wieder fünf Mal in der Woche getestet.

Die Berliner Grünen unterstützen die Haltung der Bildungsverwaltung. „Insgesamt überwiegt das Interesse, die Schulen für die Kinder und Jugendlichen offen zu halten“, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Marianne Burkert-Eulitz. Auch die Präsenzpflicht müsse bleiben. „Momentan sehen wir nicht, dass man an die Präsenzpflicht heran muss“, so Burkert-Eulitz. Berlin sei durch das Ampelsystem und dem damit einhergehenden Stufenplan gut aufgestellt.

Kontaktverfolgung bei Corona-Infizierten wird weitgehend aufgegeben

Am Freitag haben die zwölf Gesundheitsämter der Stadt bekannt gegeben, dass künftig die Kontaktverfolgung bei Corona-Infizierten weitgehend aufgegeben werde. Wegen des starken Anstiegs der Infektionszahlen werden künftig nur noch die Kontakte vulnerabler Gruppen nachverfolgt. Das erklärten die Gesundheitsstadträte in einer gemeinsamen Erklärung. „Vor dem Hintergrund der Masse an Vorgängen, die in den Ämtern aktuell täglich bewältigt werden muss, müssen Aufgabenstellungen erneut und verstärkt priorisiert werden“, heißt es.

Da die Inkubationszeit bei Omikron kürzer ausfalle als bei bisherigen Virusvarianten, müsste auch die Nachverfolgung schneller erfolgen, um einen Effekt zu erzielen. Das sei jedoch angesichts der rasanten aktuellen Entwicklung unmöglich. Zudem ist nach Überzeugung der Gesundheitsstadträte davon auszugehen, dass viele Menschen inzwischen infiziert sind, aber keinerlei Symptome aufweisen und daher die Krankheit unwissentlich weitertragen.

Aus ihrer Sicht ist daher ein neues Vorgehen notwendig. „Bei einer endemischen Verbreitung ist ein sehr hoher Anteil der Bevölkerung dem Erreger unwissentlich ausgesetzt“, heißt es in der Erklärung der Stadträte. „Dieser Anteil ist angesichts der aktuellen Inzidenz – die aufgrund vieler Ursachen falsch niedrig ist – plus der Dunkelziffer so hoch, dass auch eine Unterbrechung von Infektionsketten bei optimalen Bearbeitungsvoraussetzungen bevölkerungsmedizinisch keinen Unterschied, allenfalls einen zu vernachlässigenden Unterschied ausmacht.“


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Berlins Gesundheitsämter greifen Entscheidung der Gesundheitsminister vor

Es ist deshalb nach Auffassung der Stadträte sinnvoll, dort, wo besonders gefährdete Personen auf eine schnelle Ermittlung angewiesen sind, tätig zu werden. Die Erklärung wurde von allen zwölf Gesundheitsstadträten und mehreren Amtsärzten unterschrieben.

Berlins Gesundheitsämter greifen damit einer Entscheidung der Gesundheitsminister vor, die am heutigen Sonnabend über das weitere Vorgehen beraten und eine Empfehlung an die für Montag vorgesehene Ministerpräsidentenkonferenz abgeben. In den Bundesländern besteht Einigkeit darüber, wegen der hohen Infektionszahlen PCR-Tests nur noch bestimmten Gruppen zur Verfügung zu stellen. Zwar werden die Laborkapazitäten deutschlandweit ausgebaut, angesichts der steigenden Fallzahlen reichten sie aber dennoch nicht aus, um den Testbedarf zu decken.

Neue Warnampel für kritische Infrastruktur zeigt schon auf Gelb

Unterdessen gibt es bei Berlins kritischer Infrastruktur durch Personalausfälle wegen Corona zunehmend Beeinträchtigungen. Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) wies auf die aktuellen Abfragen für das neue Ampelsystem hin, mit dem der Senat die kritische Infrastruktur von Polizei und Feuerwehr bis zu Kliniken, Wasserwerken und Gasversorgung besser im Blick behalten will. „Die Ampel steht auf Grün, wenn es keine Beeinträchtigung gibt“, so Giffey. „Das haben wir in keinem Bereich mehr.“ Die Ampel stehe fast überall auf Gelb – und bei einem Bereich, dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, bereits auf Rot.