Gesundheitsämter

Bezirke geben vollständige Nachverfolgung auf

Jens Anker und Dennis Meischen
Corona-Pandemie: Sieben-Tage-Inzidenz erreicht neuen Höchstwert

Corona-Pandemie: Sieben-Tage-Inzidenz erreicht neuen Höchstwert

Der Inzidenzwert und die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland haben die nächsten Höchstwerte erreicht: Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland nun mit rund 706 an.

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Die Berliner Gesundheitsstadträte erklären: Nur noch die Kontakte besonders gefährdeter Gruppen werden künftig noch nachverfolgt.

Berlin. Die Gesundheitsämter geben die Kontaktverfolgung bei Corona-Infizierten weitgehend auf. Wegen des starken Anstiegs der Infektionszahlen werden künftig nur noch die Kontakte vulnerabler Gruppen nachverfolgt. Das erklärten die zwölf Gesundheitsstadträte in einer gemeinsamen Erklärung am Freitag. „Vor dem Hintergrund der Masse an Vorgängen, die in den Ämtern aktuell täglich bewältigt werden muss, müssen Aufgabenstellungen erneut und verstärkt priorisiert werden“, heißt es in der Erklärung.

Da die Inkubationszeit bei Omikron kürzer ausfällt als bei bisherigen Virusvarianten, müsste auch die Nachverfolgung schneller erfolgen, um einen Effekt zu erzielen. Das sei jedoch angesichts der rasanten Entwicklung der aktuellen Lage unmöglich. Zudem ist nach Überzeugung der Gesundheitsstadträte davon auszugehen, dass viele Menschen inzwischen infiziert sind, aber keinerlei Symptome aufweisen und daher die Krankheit unwissentlich weitertragen.


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Flächendeckende Nachverfolgung ist nicht mehr sinnvoll

Aus Sicht der Stadträte ist daher ein neues Vorgehen notwendig. „Bei einer endemischen Verbreitung des Erregers ist ein sehr hoher Anteil der Bevölkerung dem Erreger unwissentlich ausgesetzt“, heißt es weiter. „Dieser Anteil ist angesichts aktueller Inzidenz (die aufgrund vieler Ursachen falsch niedrig ist) plus der Dunkelziffer so hoch, dass auch eine Unterbrechung von Infektionsketten bei optimalen Bearbeitungsvoraussetzungen bevölkerungsmedizinisch keinen Unterschied, allenfalls einen zu vernachlässigenden Unterschied ausmacht.“

Es ist deshalb nach Auffassung der Stadträte sinnvoll, dort, wo besonders gefährdete Personen auf eine schnelle Ermittlung angewiesen sind, prioritär in den Gesundheitsämtern tätig zu werden. Die Erklärung ist von allen zwölf Gesundheitsstadträten und mehreren Amtsärzten unterschrieben.