Berlin-Lichterfelde

Rettungskräfte suchten lange nach blutendem Opfer

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Philipp Siebert
Am Montagmittag kamen junge Männer zu dem Ort am S-Bahnhof Lichterfelde Süd, an dem Kaan Ö. starb, und zündeten Kerzen an.

Am Montagmittag kamen junge Männer zu dem Ort am S-Bahnhof Lichterfelde Süd, an dem Kaan Ö. starb, und zündeten Kerzen an.

Foto: Katrin Lange

Mehr als 15 Minuten musste Kaan Ö. auf den Krankenwagen warten, nachdem er niedergestochen wurde. Es hätte schneller gehen können.

Berlin. Knapp drei Kilometer liegt die Feuerwache Lichterfelde vom südlichen Ende der Thermometersiedlung entfernt. Mit dem Auto braucht man im Schnitt acht bis neun Minuten für die Strecke, bei angeschaltetem Blaulicht in der Nacht dürften es deutlich weniger sein. Dennoch dauerte es am frühen Sonntagmorgen mehr als eine Viertelstunde vom Notruf bis zum Eintreffen an der Tischtennisplatte an der Réaumurstraße, auf der Kaan Ö. mit seinen Freunden saß, wartete und um sein junges Leben bangte. Der 18-Jährige erlag später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen durch einen Messerstich in die Brust.

Um 1.16 Uhr ging der Notruf ein, sagte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr. Um 1.31 habe die Besetzung des Rettungswagens angegeben, den als Einsatzort benannten S-Bahnhof Lichterfelde Süd erreicht zu haben. Den verletzten Kaan Ö. fanden sie allerdings nicht. Konnten sie auch nicht, weil der nicht auf der West- sondern auf der Ostseite des Bahnhofs an der Celciusstraße saß.

Kaan Ö. saß nur knapp 400 Meter Luftlinie entfernt

Obwohl das nur ein paar Hundert Meter Luftlinie entfernt liegt, müsste man mit dem Auto weitere drei Kilometer zurücklegen, um auf die andere Seite der Gleise zu gelangen. Ob die Besatzung fuhr oder die den mit 400 Metern deutlich kürzeren Fußweg nahm, war am Dienstag unklar. Klar ist, dass es mindestens weitere fünf Minuten gedauert haben dürfte, bis die Hilfe endlich bei Kaan Ö. ankam.

Ziel der Feuerwehr ist in der Regel, binnen acht Minuten nach Notruf vor Ort zu sein, was nicht immer funktioniert und in diesem Fall offensichtlich nicht funktioniert hat.

Warum der Rettungswagen zuerst auf die falsche Seite des Bahnhofs fuhr, war am Dienstag unklar. „Erst als der Wagen angekommen ist, gab es einen erneuten Anruf, in dem auch die Celsiusstraße benannt wurde“, so der Feuerwehrsprecher weiter. Kaan Ö. sei um 2.23 Uhr im Krankenhaus abgeliefert worden.

Ein 20-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft. Es soll um ein Mädchen gegangen sein. Freunde und Verwandte haben derweil im Internet eine Spendenaktion für den Bau eines Brunnens in Gedenken an Kaan gestartet. Bis Dienstagabend kamen fast 11.000 Euro zusammen.