Polizei Berlin

Wechselt Polizeipräsidentin Slowik zur Bundespolizei?

| Lesedauer: 5 Minuten
Barbara Slowik, Polizeipräsidentin von Berlin

Barbara Slowik, Polizeipräsidentin von Berlin

Foto: Reto Klar

Polizeipräsidentin Slowik könnte an die Spitze der Bundespolizei wechseln, heißt es. Sie sagt, kein Angebot erhalten zu haben.

Berlin. Als Barbara Slowik im April 2018 ihr Amt als Berliner Polizeipräsidentin antrat, spielte das für die Zeremonie angeheuerte Streichquartett den Song „Viva la Vida“ der Band Coldplay. Der Text des Popklassikers mutet mysteriös an. Es geht um einen König, der seiner Macht verlustig geht, um Revolutionäre, die den Kopf des Herrschers gerne auf einem Silbertablett sähen. Im Internet finden sich Interpretationen, die in den Zeilen den Niedergang der Kirche beschrieben sehen. Andere meinen Bezüge zu französischer Revolution und dem Tod Napoleons zu erkennen.

Dass Barbara Slowik den Song auswählte, um die Gäste ihrer Inthronisierungszeremonie zum Rätseln zu animieren, darf als unwahrscheinlich gelten. Zu dem Punkt, an dem sich die Karriere der 51 Jahre alten Juristin befindet, scheint das Mysteriöse aber ganz gut zu passen. Denn was Slowiks Zukunft betrifft, schießen derzeit Spekulationen ins Kraut. Die Gerüchte klingen plausibel, in der Medienlandschaft und in sicherheitspolitischen Kreisen werden sie begierig aufgesogen. Es scheint aber auch möglich, dass sie über das Stadium der Spekulation nie hinauskommen werden.

Barbara Slowik: Gerüchte im Bundesinnenministerium

Die Quelle der Gerüchte, die nicht nur, aber eben auch Barbara Slowik betreffen, sitzt offenbar irgendwo im Bundesinnenministerium. Die neue Chefin des Hauses, die Sozialdemokratin Nancy Faeser, wolle den Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, austauschen, munkelt man dort. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete darüber.

Das wirkt schlüssig. Denn Romann gilt als Hardliner und Kritiker der aus seiner Sicht zu laschen Merkelschen Flüchtlingspolitik. Kurz: Als jemand, mit dem die Sozialdemokratin Faeser kaum kooperieren wolle. Neue Kräfte müssten her, so die anonyme Quelle aus dem Innenministerium in dem Zeitungsbericht. Am besten wäre natürlich eine Frau mit den notwendigen Qualifikationen. Viele Namen drängen sich im traditionell männlich dominierten Bereich der Sicherheitspolitik nicht auf. Zwei wusste die anonyme Quelle aber doch zu nennen: zum einen die Abteilungsleiterin im Innenministerium, Dagmar Busch. Oder auch: Barbara Slowik.

Slowik käme in Frage, das hört man im Bund, das hört man in Berlin. Allzu weit aus dem Fenster lehnen will sich in der Personalfrage aber niemand. Klar sei, dass Frauen in der Sicherheitspolitik in Bund und Ländern mehr Verantwortung übernehmen müssten, sagt etwa der innenpolitische Sprecher der SPD, Tom Schreiber. An den Wechselgerüchten wolle er sich aber nicht beteiligen.

Einig sind sich die meisten Beobachter, dass Slowik ihren Job in der personell wie materiell noch immer schwach aufgestellten Hauptstadt-Polizei ordentlich erledigt habe. Wer die Polizei in der Hauptstadt der Kriminalität gemanagt habe, könne auch die Bundespolizei auf Kurs halten, heißt es. „Es ist keine Überraschung, dass unsere Polizeipräsidentin als eine der Personalien gilt, die für derartige Posten in Frage kommt“, sagt denn auch der Vorsitzende der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), Norbert Cioma. Slowik erfülle die Charakteristika, die im Bundesinnenministerium gesucht würden. Man habe mit ihr „eine ordentliche Grundlage für die Zusammenarbeit aufgebaut“. Slowiks Zukunft habe man „aber nicht in der Hand“.

Zu den Personen, die die Entscheidung sehr wohl in der Hand haben, gehört Bundesinnenministerin Faeser. Angesprochen auf eine mögliche Ablösung von Bundespolizei-Chef Romann, sagte ihr Sprecher allerdings lediglich, dass man die Medienberichte kenne. Man könne sie aber „nicht bestätigen“. Personalentscheidungen seien „bislang“ nicht getroffen worden, versicherte der Sprecher . Ein Dementi formulierte er nicht.

Polizei Berlin: "Kein Angebot für ein anderes Amt"

Eindeutiger liest sich die Stellungnahme der Berliner Polizei. „Nach wie vor liegt der Polizeipräsidentin kein Angebot für ein anderes Amt, wie aktuell diskutiert, vor“, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz.

Soll heißen: Der Chef der Bundespolizei steht womöglich tatsächlich vor der Abberufung. Im Bundesinnenministerium mag es auch Überlegungen geben, dass Slowik eine geeignete Nachfolgerin sein könnte. An sie selbst sind diese Überlegungen aber nicht herangetragen worden – zumindest bisher nicht.

Innensenatorin Spranger dürfte Slowik halten wollen

In der Innenverwaltung dürfte man froh sein, wenn es so bleibt. Denn Iris Spranger (SPD), die neue Berliner Innensenatorin, wäre wohl kaum erfreut, sich wenige Wochen nach Amtsantritt eine neue Polizeipräsidentin suchen zu müssen. Ein Abwerben ihrer wohl wichtigsten Mitarbeiterin durch das ebenfalls sozialdemokratisch geführte Bundesinnenministerium dürfte Spranger zudem als unfreundlichen Akt betrachten.

Ob es vielleicht trotzdem so kommt? Ausschließen lässt sich das nicht. Und so bleiben die Gerüchte um die Personalrochade so mysteriös wie der Text des Liedes, den die gebürtige Berlinern sich vor vier Jahren zum Amtsantritt wünschte. „Der alte König ist tot“, heißt es darin. „Es lebe der König!“ Was auch immer das nun wieder zu bedeuten hat.

( mit ag )