Invalidenstraße

SUV-Prozess: Streit um Patientenakte des Angeklagten

| Lesedauer: 2 Minuten
Der zwei Tonnen schwere SUV überschlug sich mehrfach und riss dabei vier Menschen mit, bevor er auf einer Brache zum Stehen kam.

Der zwei Tonnen schwere SUV überschlug sich mehrfach und riss dabei vier Menschen mit, bevor er auf einer Brache zum Stehen kam.

Foto: Morris Pudwell

Im Prozess um den SUV-Unfall mit vier Toten auf der Invalidenstraße äußerte die Verteidigung Zweifel am Arzt des Angeklagten.

Berlin. Im Prozess um einen SUV-Unfall mit vier Toten zieht die Verteidigung die Aussage eines Arztes des Angeklagten in Zweifel. Der Mediziner habe die Patientenakte des 44-Jährigen im Nachhinein um eine angebliche Risiko- und Sicherheitsaufklärung ergänzt, sagte seine Verteidigung am Mittwoch vor dem Berliner Landgericht. Der Arzt hatte zuvor im Zeugenstand eingeräumt, erst nach dem Unfall Protokolle der Patientengespräche angefertigt zu haben.

Michael M. muss sich seit Oktober vor der 42. Strafkammer des Berliner Landgerichts verantworten. Er soll am Abend des 6. September 2019 infolge eines epileptischen Anfalls auf der Invalidenstraße in Mitte die Kontrolle über seinen zwei Tonnen schweren SUV verloren haben und auf den Bürgersteig gerast sein. Vier Menschen starben – darunter ein Kleinkind. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung.

Unfall an der Invalidenstraße: Musste Michael M. mit zweitem Anfall rechnen?

Im Prozess geht es vor allem um die Frage, ob der Anfall für Michael M. vorhersehbar war. Laut Anklage hätte er erkennen müssen, dass er zum Zeitpunkt des Unfalls nicht in der Lage war, sicher ein Fahrzeug zu führen.

Der Unternehmer sagte hingegen zu Prozessbeginn aus, dafür im Vorfeld keine Anhaltspunkte gesehen zu haben. Er sei sicher gewesen, dass mit einer Hirn-OP die Ursache für seinen ersten und bis dahin einzigen epileptischen Anfall im Mai 2019 beseitigt sei. Ein explizites Fahrverbot sei ihm nach der Operation von seinem Arzt nicht erteilt worden. Das ihm davon aber zumindest abgeraten wurde, scheint unstrittig.

Nebenklage: Angeklagter soll Schuld anerkennen

„Die Angehörigen der Getöteten finden das ganze Vorgehen der Verteidigung höchst bedauerlich“, sagte Rechtsanwalt Lukas Theune, der einige der Hinterbliebenen der Todesopfer vertritt. Der Angeklagte habe selbst zugegeben, dass er darauf hingewiesen wurde, kein Auto fahren zu dürfen. „Es stünde jetzt an, die eigene Schuld anzuerkennen, anstatt immer nur die Schuld bei anderen zu suchen.“

Bei dem Unfall starben zwei 28 und 29 Jahre alte Männer, eine 64-Jährige und ihr dreijähriger Enkel. Die Mutter des Jungen, die gleichzeitig ihr Kind und ihre Mutter verlor, ist im Prozess Nebenklägerin. „Wir sind jetzt alle krank“, verlas die Anwältin der heute 38 Jahre alten Mutter am Mittwoch eine Erklärung ihrer Mandantin.

Der Schmerz sei übermächtig. Der Unfall geschah damals vor den Augen der Mutter und ihres älteren Sohnes. Sie nahm bislang an keinem der 17 Verhandlungstage teil. Der Prozess soll am 19. Januar fortgesetzt werden. Dann sind die ersten Plädoyers geplant.

( mit dpa )