Fundsachen

Wie meine Tochter ihren Rucksack verlor – mit teurem Inhalt

| Lesedauer: 3 Minuten
In der S-Bahn ging der Rucksack mit Handy, iPad und Spielkonsole verloren.

In der S-Bahn ging der Rucksack mit Handy, iPad und Spielkonsole verloren.

Foto: Iris Hesse

Die Suche auf Twitter brachte nichts. Dann gab ich beim Fundbüro der BVG und S-Bahn eine Suchanzeige mit detaillierter Beschreibung auf.

Berlin. Im Oktober 2021 flog ich mit meinem zwölfjährigen Sohn und meiner zehnjährigen Tochter von Treviso nach Berlin. Wir hatten eine Woche in einem kleinen Ort unweit von Padua verbracht, wo wir seit Jahren Urlaub machen. Meine Frau hatte uns drei als Vorhut vorausgeschickt, weil sie sich noch um ihren betagten Vater kümmern wollte. So waren wir also in einer ungewöhnlicher Konstellation unterwegs, die Stimmung war ausgelassen. Vielleicht zu ausgelassen.

Zunächst war noch alles gut gegangen. Die Corona-Testprozeduren in Italien verliefen routiniert, auch die Einreise nach Deutschland gestaltete sich problemlos. Wir absolvierten zu Fuß gefühlte Kilometer im BER-Terminal und stiegen schließlich in die S-Bahnlinie 42. Eigentlich wollten wir bis zur Greifswalder Straße fahren, aber an diesem Tag war Schienenersatzverkehr, weshalb wir am Südkreuz in den Bus umsteigen mussten. Es war mein Fehler, dass ich, am Südkreuz angekommen, sofort nach den Hinweisschildern für die Busse Ausschau zu halten begann. Deshalb unterließ ich, was ich mir schon vor Jahrzehnten im Berliner Nahverkehr antrainiert habe, nämlich beim Aussteigen immer noch einen Schulterblick nach hinten zu werfen, um zu schauen, ob auch wirklich nichts liegengeblieben ist.

Wir befanden uns auf den Treppen nach unten, als mir auffiel, dass meine Tochter irgendwie anders aussah.

– „Sag mal, Süße, wo ist eigentlich Dein Rucksack?“

– „Oh nein! Oh Gott! Papa!“

Sie hatte ihn tatsächlich in der S-Bahn liegen gelassen.

Sein Inhalt: ein Handy, ein iPad und eine Spielekonsole. Sie verlor vollkommen die Fassung und weinte, während ich am Horizont die S-Bahn mit ihrem Rucksack an Bord verschwinden sah. Ich war so damit beschäftigt, sie zu trösten, dass ich das Naheliegende übersah: Ich hätte gleich zu einem Mitarbeiter am Südkreuz gehen und den Verlust melden können. Stattdessen saßen wir kurz darauf im Bus und waren auf dem Weg nach Hause.

Der verlorene Rucksack in der S-Bahn wurde zum Erfolg bei Twitter

Was tun? Ich ging zunächst auf Twitter und schrieb dort, was gerade geschehen war, verbunden mit der Frage, ob jemand den Rucksack gesehen habe. Es wurde innerhalb der nächsten Stunden der erfolgreichste Tweet meines Lebens, er wurde über 200.000 Mal gesehen. Fremde Menschen meldeten sich bei mir und boten mir an, meine Suchanzeige in Telegram-Gruppen mit Millionen Followern zu posten. „Ich bin ein Star“, dachte ich. Meine Tochter war immer noch fertig.

Die Twitter-Suche brachte nichts ein. Ich gab beim Fundbüro der BVG und beim Fundbüro der S-Bahn online eine Suchanzeige mit detaillierter Beschreibung des Inhalts auf, machte mir aber keine großen Hoffnungen. Ich versuchte mich mit dem Gedanken zu trösten, das Zeug sei vielleicht bei einem Kind gelandet, das Freude daran habe. Ein Freund schrieb mir, ich würde das alles nie wiedersehen. So kann man sich täuschen.

Denn drei Tage nach der Suchanzeige erhielt ich tatsächlich eine Mail des Fundbüros an der Warschauer Straße. Den Rucksack konnte ich dort sofort abholen, alles war noch da. Niemand dort konnte mir sagen, wer ihn abgegeben hatte. Das fand ich schade. Ich hätte diesem Menschen gern gedankt.

Mehr zum Thema lesen Sie hier: