Degewo, Gesobau, Gewobag

Mieterhöhung für 200.000 Berliner Haushalte

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Isabell Jürgens und Julian Würzer
Wohnungen der Degewo in Berlin-Marzahn: Auf viele Berliner Mieter kommen im Jahr 2022 Mietererhöhungen zu.

Wohnungen der Degewo in Berlin-Marzahn: Auf viele Berliner Mieter kommen im Jahr 2022 Mietererhöhungen zu.

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / dpa

Zum Jahresbeginn ist für die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften der Mietendeckel gefallen. Nun kommt es zu Mieterhöhungen.

Berlin. 
  • Viele Berliner Mieter erhalten 2022 eine Mieterhöhung.
  • Betroffen sind mehr als 330.000 Haushalte, die eine Wohnung bei den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land sowie WBM mieten.
  • Hintergrund ist der Wegfall des Mietendeckels in Berlin.
  • Die Mieten steigen moderat.

Auf die Mieter bei den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften kommen mit Beginn des Jahres 2022 erstmals seit zwei Jahren wieder Mieterhöhungen zu. Hintergrund ist der Wegfall des Berliner Mietendeckels vor einem Jahr.

Um die Folgen zumindest für mehr als 330.000 Haushalte bei Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land sowie WBM abzufedern, hatte der frühere rot-rot-grüne Senat den Gesellschaften auferlegt, die abgesenkten Mieten frühestens ab 1. Januar 2022 schrittweise bis maximal zur Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete anzuheben.

Die Hoffnung, der neue rot-grün-rote Senat werde den Mietendeckel für die Bestände der Landeseigenen noch einmal verlängern, hat sich zumindest für rund 200.000 Haushalte nicht erfüllt.

Degewo, Gesobau, Gewobag & Co.: Mieten steigen im Durchschnitt um acht Cent pro Quadratmeter

„Für 2022 sind bei rund 200.000 Wohnungen der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Mietanpassungen vorgesehen“, beantwortet der BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen eine entsprechende Anfrage der Berliner Morgenpost. „Mit der Versendung der ersten Schreiben wurde bereits begonnen“, informiert der Verband, in dem die sechs kommunalen Unternehmen Mitglied sind.

Das Gros der Anpassungen werde zum 1. April 2022 wirksam. „Die Mietanpassung ist sehr moderat und beträgt durchschnittlich 4,81 Euro je Wohnung und Monat, beziehungsweise 0,08 Euro je Quadratmeter und Monat“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Die vergleichsweise hohe Zahl der Anpassungen begründen die Unternehmen damit, dass nunmehr die Mietanpassungen vorgenommen werden, die normalerweise über den zurückliegenden Zeitraum von mehr als zwei Jahren verteilt ergangen wären. Diese Anpassungen seien jedoch aufgrund diverser Beschlüsse und Absprachen der Unternehmen mit dem Senat damals nicht durchgeführt worden.

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Mieterhöhungen nach Unternehmensangaben „unverzichtbar“

Die Mietanpassungen sind nach Darstellung der Unternehmen ein wesentlicher Bestandteil der durch die Aufsichtsgremien der Unternehmen freigegebenen Wirtschaftspläne für 2022. „Sie sind unverzichtbar, um die Liquiditätsentwicklung der Unternehmen sicherzustellen, insbesondere mit Blick auf die Investitionsanforderungen aus dem Neubau in den kommenden Jahren, sowie der gleichzeitig umzusetzenden energetischen Maßnahmen im Bestand“, schreibt er BBU.

Bausenator hält Mieterhöhungen für moderat

Berlins neuer Bausenator Andreas Geisel (SPD) sieht in der Mieterhöhungen ein moderates Vorgehen, wie er der Berliner Morgenpost sagte. „Ich halte es für wirtschaftlich sinnvoll, dass man nach zwei Jahren nun zu einem moderaten Verfahren kommt, das unterhalb der Inflationsrate liegt“, sagte Geisel. „Wenn ich mich wegducken wollte, würde ich sagen, das ist eine Entscheidung der alten Regierung. Ich will mich aber nicht wegducken“, sagte er weiter.

Das Gros der Anpassungen soll zum 1. April 2022 wirksam werden. Dabei betragen die Mietanpassungen acht Cent je Quadratmeter und Monat. Es gehe auch darum, die Leistungsfähigkeit der Wohnungsbaugesellschaften zu erhalten, so der Bausenator. „Wenn die Wohnungsbaugesellschaften das nicht täten, käme es zu einem entsprechenden Substanzverlust“. Man wolle neben der Aufgaben für Neubau in der Stadt eben auch die Wohnqualität der bestehenden Wohnungen aufrechterhalten, so der Senator.

Der Berliner Mieterverein (BMV) stellte gerade in den vergangenen Monaten bei den kommunalen Wohnungsunternehmen vermehrt eine schleppende Mängelbeseitigung fest. Dennoch hält der BMV die zwischen Senat und Wohnungsunternehmen vereinbarten Mieterhöhungen für sozial vertretbar. „Im Vergleich zu vielen privaten Anbietern bieten kommunale Wohnungsunternehmen einen deutlich besseren Schutz“, sagte BMV-Geschäftsführer Reiner Wild.

Mieterverein rät Betroffenen zu Prüfung der Forderungen

Wild rät Mietern zur Prüfung der angekündigten Mieterhöhungen. Wegen des Mietendeckels abgesenkte Mieten können frühestens mit Ankündigung ab dem 1. Januar 2022 schrittweise bis zur Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete angehoben werden. Dabei darf die Mietanhebung nicht mehr als 2,5 Prozent jährlich betragen. Die übrigen Bestandsmieten dürfen maximal bis zu ein Prozent jährlich erhöht werden können, aber auch nur bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete. Auch diese entsprechenden Mieterhöhungen könnten frühestens mit dem 1. Januar 2022 angekündigt werden. Ab 2025 können dann jedoch Mieterhöhungen in Höhe der Inflationsrate erfolgen.

Als dritten Punkt nennt Wild, dass bei Wiedervermietungen maximal die ortsübliche Vergleichsmiete abzüglich zehn Prozent angesetzt werden kann. Allerdings müsse die Miete mindestens der Höhe der Vormiete entsprechen. Von dieser Regelung könne nur in Ausnahmefällen abgewichen werden. Darüber hinaus könnten auch in Ausnahmefällen, etwa bei der Nutzung von Vorkaufsrechten, einvernehmlich auch andere Regelungen getroffen werden.