Geboostert und getestet

Gastronomie in Berlin drohen höhere Hürden

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Joachim Fahrun
In der Gastronomie müssen Gäste wohl bald geboostert und getestet sein.

In der Gastronomie müssen Gäste wohl bald geboostert und getestet sein.

Foto: Martin Schutt / dpa

Berlins Gesundheitssenatorin Ulrike Gote will Zugang nur noch für Geboosterte oder zusätzlich Getestete erlauben.

Berlins neue Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) setzt den Kurs ihrer Vorgängerin Dilek Kalayci (SPD) fort und dringt auf schärfere Kontaktbeschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie. „Wir sehen, dass jetzt die Zahlen der Omikron-Infizierten sehr, sehr stark ansteigen“, sagte die Grünen-Politikerin am Mittwoch auf ntv. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen in der Stadt lag bei 4226 und damit fast doppelt so hoch wie vor zwei Wochen. Die Inzidenz stieg auf 336.

Deshalb müsse man sich die Berliner Maßnahmen „noch mal anschauen“, sagte Gote. Neben einer im Senat weitgehend unumstrittenen FFP2-Maskenpflicht im ÖPNV und Einzelhandel nannte sie neue Regeln für Gaststätten. „Dann müssen wir darüber reden, wie es generell in der Gastronomie weitergeht, ob wir eine Zulassung nur noch für Geboosterte erlauben oder mit Test“, so die Senatorin. Vollständig geimpft sei man bei Omikron eigentlich nur mit der dritten Impfung.

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Karl Lauterbach: Verschärfungen werden leider notwendig sein

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnet vor dem Bund-Länder-Gipfel am Freitag mit weiteren Eingriffen der Politik gegen die Omikron-Welle. „Verschärfungen werden leider notwendig sein, um der schweren Welle, die auf uns zukommt, zu begegnen“, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er werde dazu Vorschläge machen. In Berlin werden eventuelle Maßnahmen aber wohl frühestens bei der nächsten Senatssitzung am Dienstag beschlossen. Ob es dazu kommt, ist aber noch nicht ausgemacht. Eine Runde der Staatssekretäre hat sich am Mittwoch nur zum Ziel gesetzt, die Corona-Verordnung des Senats zu überarbeiten und vorhandene Widersprüche herauszustreichen.

Berlins Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos, für SPD) zeigte sich zurückhaltend, was neue Auflagen für die Gastronomie betrifft. „Wir haben uns am Dienstag im Senat darauf verständigt, dass wir erst die Empfehlungen des RKI und der Expertenkommission abwarten und uns – wenn nötig – im nächsten Schritt gemeinsam auf neue, verhältnismäßige Maßnahmen verständigen“, sagte Schwarz der Morgenpost.


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Gesundheitsminister fordern neue Quarantäneregeln

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Berlin befürchtet, dass weitere Einschränkungen für die Gäste die Situation für viele Wirte noch schwieriger machen könnten. „Ich finde das aus wirtschaftlicher Sicht bedenklich“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, Gerrit Buchhorn. „Wenn sich die Politik dazu entscheiden sollte, solche Maßnahmen einzuführen, um den Gesundheitsschutz zu gewährleisten, dann muss es auch einen finanziellen Ausgleich für die Verluste der Betriebe geben.“

Die Gesundheitsminister der Länder schlagen angesichts der Ausbreitung der Omikron-Variante Änderungen der Quarantäneregeln vor, wie Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Mittwoch nach einer Schaltkonferenz mitteilte. Geimpfte Beschäftigte der kritischen Infrastruktur etwa in Kliniken und Pflegeheimen sollen demnach eine Isolation wegen einer Infektion bereits nach fünf Tagen mit negativem PCR-Test beenden können. Die Quarantänedauer für symptomfreie enge Kontaktpersonen von Infizierten soll sieben Tage betragen. Geboosterte sollen als enge Kontaktpersonen nicht mehr in Quarantäne geschickt werden. Ungeimpfte sollen die Quarantäne nach sieben Tagen mit einem negativen PCR-Test und Beschäftigte der kritischen Infrastruktur bereits nach fünf Tagen mit negativem PCR-Test beenden können.

An Berlins Schulen ist die große Omikron-Welle bisher nicht angekommen, die Inzidenzen steigen derzeit eher in der Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen besonders steil an. In den ersten zwei Tagen seit dem Schulstart sind laut Bildungsverwaltung von 336.633 Berliner Schülerinnen und Schülern der öffentlichen allgemeinbildenden Schulen rund 1100 positiv auf das Coronavirus getestet worden. Beim pädagogischen Personal gab es rund 200 Fälle.