Wohnen

Was sich für Berlins Mieter 2022 ändert

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Isabell Jürgens
Speziell für die Mieter bei den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften können zudem in diesem Jahr die Mieten wieder steigen.

Speziell für die Mieter bei den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften können zudem in diesem Jahr die Mieten wieder steigen.

Foto: Jens Kalaene / ZB

Das neue Jahr hält viele Änderungen bereit. Bei den landeseigenen Gesellschaften Degewo, Howoge & Co. können die Mieten wieder steigen.

Berlin. Das neue Jahr wird für alle Mieter in Berlin vor allem eines mit sich bringen: Das Wohnen wird teurer – vor allem durch gestiegene Energiekosten und durch die CO2-Bepreisung, die mit Jahresbeginn in die zweite Stufe gestartet ist. Es gibt jedoch auch Änderungen, die nur bestimmte Mieter betreffen – einige davon sind durchaus erfreulich.

„Der aktuell massive Preisanstieg bei den fossilen Energieträgern Öl und Gas wird das Heizen in diesem Winter massiv verteuern. Hinzu kommt zum 1. Januar die zweite Stufe der CO2-Bepreisung“, erklärte der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins (BMV), Reiner Wild, bereits Ende letzten Jahres. Dann werde der Aufschlag um 20 Prozent steigen und circa 9,5 Cent pro Liter Heizöl, beziehungsweise 0,72 Cent pro Kilowattstunde Gas ausmachen. Das wird nach Einschätzung des Mietervereins zu deutlichen Heizkosten-Nachzahlungen im nächsten Jahr führen und Mieter mit niedrigem Einkommen erheblich belasten.

Laut Mikrozensus 2018 werden in Berlin 203.200 vermietete Wohnungen mit Öl beheizt, 492.000 vermietete Wohnungen mit Gas. Heizungen auf Grundlage erneuerbarer Energien sind Mangelware. Doch nur, wer beim Stromanbieter vollständig auf Ökostrom setzt, ist laut BEHG (Brennstoffemissionshandelsgesetz) von der CO2-Steuer befreit.

Ursprünglich hatte die große Koalition aus CDU und SPD auf Bundesebene im Rahmen eines Klimapakts im vergangenen Mai beschlossen, dass künftig der Vermieter zur Hälfte an der Steuer beteiligt werden soll. Der Beschluss wurde aber im Juni wieder kassiert, sodass weiterhin allein die Mieter zahlen.

„Als einen ersten Schritt verlangen wir das sofortige Ende der Abwälzbarkeit der CO2-Bepreisung auf die Mieterinnen und Mieter. Die CO2-Bepreisung für fossile Energieträger taugt in vermieteten Wohngebäuden nichts für den Klimaschutz“, so Wild. Der Mieterverein verweist darauf, dass Mieter schon heute im Rahmen der verbrauchsabhängigen Heizkostenabrechnung zum Energiesparen angehalten werden. Die neue Ampelkoalition auf Bundesebene hatte bereits angekündigt, die Kosten zwischen Mietern und Vermietern aufteilen zu wollen.

Degewo, Howoge & Co.: Bei den Landeseigenen fällt der Mietendeckel

Speziell für die Mieter bei den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften können zudem in diesem Jahr die Mieten wieder steigen. Hintergrund ist der Wegfall des Mietendeckels vor einem Jahr. Um die Folgen zumindest für mehr als 330.000 Haushalte bei Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land sowie WBM abzufedern, hatte der Senat den Gesellschaften auferlegt, die abgesenkten Mieten frühestens ab 1. Januar 2022 schrittweise bis maximal zur Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete anzuheben.

Dabei darf die Mietanhebung nicht mehr als 2,5 Prozent jährlich betragen. „Die Mieterinnen und Mieter werden frühzeitig und umfassend durch die landeseigenen Wohnungsunternehmen informiert“, heißt es dazu in dem Beschluss. Die Bestandsmieten können zudem maximal bis zu einem Prozent jährlich erhöht werden. Entsprechende Mieterhöhungen können frühestens am 1. Januar 2022 angekündigt werden. Ab dem Jahr 2025 können Mieterhöhungen in Höhe der Inflationsrate erfolgen. Die Anfrage der Berliner Morgenpost bei den sechs Gesellschaften, ob sie den gewährten Spielraum ausschöpfen werden, bleib am Dienstag unbeantwortet.

Landeseigene Gesellschaften begrüßen 30.000 neue Mieter

2021 hatte der Berliner Senat im Zuge der Fusion der beiden Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen das Angebot zum Kauf von Wohnungsbeständen im gesamten Berliner Stadtgebiet bekommen. Im September 2021 erwarben die drei landeseigenen Unternehmen Howoge, Degewo und Berlinovo schließlich für rund 2,46 Milliarden Euro 14.750 Wohnungen, in denen rund 30.000 Berliner leben. Zum 1. Januar 2022 sind diese Wohneinheiten nun in den Bestand der landeseigenen Gesellschaften übergegangen.