Prominente in Berlin

Spranger, Fischer und Co: Diese Personen werden 2022 wichtig

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Joachim Fahrun, Felix Müller, Dominik Bath und Marcel Stein

Foto: dpa/Montage BM

Welche Personen in Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport im Jahr 2022 wichtig werden. Die Berliner Morgenpost gibt einen Überblick.

Mario Czaja: Soll die CDU wieder beleben

Lange Jahre spielten Berliner Politiker im Machtgefüge der CDU so gut wie keine Rolle. Nun aber rückt ein Berliner in die erste Reihe der Bundes-CDU. Mario Czaja wird im Januar an der Seite des von den Mitgliedern gewählten Parteichefs Friedrich Merz den einflussreichen Posten des Generalsekretärs übernehmen. Der frühere Berliner Sozial- und Gesundheitssenator soll neben dem Wirtschaftsexperten Merz die sozialpolitische Flanke der CDU schließen und dafür sorgen, dass die Interessen der Ostdeutschen in der Neuausrichtung der CDU nicht zu kurz kommen. Denn darum wird es für Czaja gehen: Die ausgelaugte Partei muss wieder mit Debatten und Diskussionen um Inhalte belebt werden, um für junge Menschen, Großstädter und Frauen attraktiver zu sein. Es wird auch an Czaja liegen, ob die CDU sich in ihre neue Rolle als größte Oppositionspartei einfindet.

Thomas Hoff Anderson: Stabilisiert den Flughafen

Für den Berliner Flughafen BER wird 2022 das Schicksalsjahr. Die Betreibergesellschaft braucht Milliarden-Zusagen von den öffentlichen Eigentümern, um die Pleite zu vermeiden. Und sie muss es schaffen, den zuletzt wackeligen Betrieb zu stabilisieren. Diese Aufgabe soll Thomas Hoff Anderson übernehmen, der im April am BER als Chief Operation Officer einsteigt und dafür sorgen soll, dass die Prozesse am Flughafen ordentlich laufen, vom Check-in über die langsamen Sicherheitskontrollen bis zur Abfertigung auf dem Rollfeld. Am Flughafen Kopenhagen hat er das gut gemacht.

Kristen Stewart: Hat Chancen auf den Oscar

Als Pablo Larrains Princess-Diana-Film „Spencer“ bei den Filmfestspielen in Venedig seine Premiere feierte, erhielt Hauptdarstellerin Kristen Stewart drei Minuten lang stehende Ovationen. Der Film spielt in den frühen 1990er-Jahren während der Weihnachtsfeiertage auf dem Landsitz Sandringhouse und erzählt von der Entscheidung Dianas, sich von Prince Charles scheiden zu lassen. Die 1990 in Los Angeles geborene Kristin Stewart erhielt auch in der Presse für ihre Darbietung viele rühmende Kritiken. Nun gilt sie bei den Oscars im März 2022 als heiße Anwärterin für den Oscar als beste Schauspielerin. Es wäre die Krönung einer erstaunlichen Karriere, in der Stewart auch schon den César und zahlreiche Filmfestpreise erhielt – von den Nominierungen für einen Golden Globe und andere abgesehen.

Klaus Biesenbach: Übernimmt die Nationalgalerie

Kein Berliner Kulturstandort wird in den kommenden Jahren so unter Beobachtung und Erwartungsdruck stehen wie das Kulturforum in Tiergarten. Zwischen Ikonen der Architektur von Ludwig Mies van der Rohe und Hans Scharoun entsteht hier das Museum des 20. Jahrhunderts, das zusammen mit der Neuen Nationalgalerie die einzigartige Sammlung zur Klassischen Moderne präsentieren soll, die Berlin zu bieten hat. Keine kleine Aufgabe, die hier auf Klaus Biesenbach zukommt, der sein Amt als Direktor beider Häuser zum 1. Januar 2022 antreten wird. Aber die Voraussetzungen stimmen: Als Direktor des Museum of Contemporary Art in Los Angeles und Gründungsdirektor der Berliner Kunst-Werke sowie der Berlin-Biennale vereint Biesenbach internationale Vernetzung mit Gefühl für den Standort.

Severin Fischer: Leitet die Senatskanzlei

Wer in einer Regierungszentrale die Fäden zusammenhalten muss, hat einen der wichtigsten politischen Jobs überhaupt. Severin Fischer ist der Mann, der als Chef der Senatskanzlei (CdS) das operative Geschäft im Roten Rathaus steuert und der Regierenden Bürgermeisterin den Rücken freihalten soll. Die Aufgabe für den Politikwissenschaftler, der seit Neuköllner Zeiten ein Vertrauter Franziska Giffeys ist und auch im Familienministerium den Leitungsstab führte, wird nicht ganz einfach. Seine Vorgesetzte hat sich ausbedungen, sich um alle wichtigen Themen auch persönlich zu kümmern und sie nicht ihren Fachsenatorinnen und -senatoren zu überlassen. Was theoretisch einfach und vernünftig klingt, kann im echten Leben leicht zu Konflikten um Zuständigkeit und Einfluss führen. Da braucht der CdS Fingerspitzengefühl.

Iris Spranger: Sorgt für Sicherheit

Als erste Frau in der Geschichte Berlins ist Iris Spranger (SPD) als Innensenatorin für die Sicherheit der Stadt zuständig. Die Politikerin aus Marzahn-Hellersdorf hat sich bisher eher der Finanz- und Baupolitik gewidmet als den vielen komplexen Themen in ihrem neuen Amt. Aber der neue Blick bietet auch Chancen. Spranger wird nichts anderes übrig bleiben, als auf den Rat der Experten in ihrem Haus oder im Abgeordnetenhaus zu hören. Sie hat bereits angekündigt, einen weiblichen Blick auf die Sicherheitslage zu werfen und sich besonders um die Sorgen und Ängste von Mädchen und Frauen zu kümmern.

Dass die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende dicht an der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey und an Fraktionschef Raed Saleh dran ist, wird ihr helfen, wenn es darum geht, Geld und Stellen für Polizei und Feuerwehr zu besorgen. Den Sanierungsstau in vielen Wachen muss sie zumindest angehen. Aber auch Spranger wird an den harten Zahlen und Zuständen gemessen werden. Bringt sie endlich Ruhe in den Konflikt um die Rigaer Straße 94? Entschärft sie die Lage des Drogen-Schwerpunkts Görlitzer Park und den anderen gefährlichen Orten? Steigert sie die Aufklärungsquote? Geht sie energisch gegen rechte Umtriebe in der Polizei vor? Findet sie einen adäquaten Umgang mit den Corona-Protesten? Und wird es ihr gelingen, die Stadt vor weiteren Terroranschlägen zu bewahren? Eine Schonfrist gibt es jedenfalls keine für die Innenpolitik-Novizin.

Daniel-Jan Girl: Unterstützt die Wirtschaft

Ein wahrlicher Paukenschlag war die Wahl von Daniel-Jan Girl als Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) in diesem Jahr. 2022 wird er sich nun als neue Stimme der Wirtschaft für die Belange der Unternehmen einsetzen müssen. Das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Berliner Landespolitik kann zuletzt durchaus als angespannt bezeichnet werden. Über Enteignungsdiskussionen, eine mitunter fehlende Willkommenskultur für Investoren und mangelnde Unterstützung beim Werben um die Automobilmesse IAA konnten viele Unternehmer nur den Kopf schütteln. Hinzu kommt Berlins bisher schleppendes Vorgehen bei der Verwaltungsmodernisierung. Girl kann nun einen neuen Anlauf dabei wagen, politisch die richtigen Entscheidungen für die Wirtschaft herbeizuführen. Eine Hilfe kann dabei sein, dass in Stephan Schwarz (parteilos, für die SPD) ein neuer Wirtschaftssenator im Amt ist, der die unternehmerische Seite sehr gut kennt.

Ulrike Gote: Kämpft gegen die Pandemie

Sie hat wahrscheinlich den härtesten Job im neuen Berliner Senat angetreten. Mitten in der sich ausbreitenden Omikron-Welle und einer verbreiteten Unsicherheit über die weitere Entwicklung muss Ulrike Gote als Gesundheitssenatorin die Führung im Kampf gegen die Corona-Pandemie übernehmen. Zwar kennt die Grünen-Politikerin die Herausforderungen aus ihrer Zeit als Gesundheitsdezernentin in Kassel. Doch im Stadtstaat Berlin sind die Aufgaben komplexer und die Zahlen viel größer. Gote muss sich in einer neuen Stadt zurechtfinden und zunächst den Verlust von Martin Matz ausgleichen, der als Chef des Krisenstabes ihrer Vorgängerin wichtige Dienste leistete. Bei ihren wenigen öffentlichen Auftritten vermittelte sie einen sachlichen, kompetenten Eindruck. Man kann ihr nur Glück wünschen.

Amy Gutmann: Vertritt die USA in Berlin

Geht es nach US-Präsident Joe Biden, soll Amy Gutmann höchste politische Repräsentantin seines Landes in Deutschland werden und nach Berlin kommen: Biden hat Gutmann, die derzeit noch Präsidentin der University of Pennsylvania ist, als neue US-Botschafterin vorgeschlagen. Der Senat muss aber noch zustimmen. Das zieht sich, weil viele US-Republikaner schärfere Sanktionen gegen Russland verlangen, um eine Inbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream 2 zu verhindern. Nicht nur die Bestätigung Gutmanns als neue Botschafterin wird deswegen blockiert. Die 72-Jährige hatte sich zuletzt bei ihrer Anhörung im US-Senat deutlich positioniert: Die Pipeline sei ein „schlechter Deal“ für Deutschland, sagte sie. Gutmann wird nicht nur in dieser Sache in ihrem wohl neuen Amt die richtigen Worte finden müssen. Denn unter Donald Trumps nach Berlin entsandten Botschafter Richard Grenell waren die deutsch-amerikanischen Beziehungen merklich abgekühlt.

Ralf Kleindiek: Neue Impulse fürs Digitale

Es ist ein Vorhaben, an dem sich schon einige kluge Köpfe abgemüht haben. Nun soll Ralf Kleindiek (SPD) als neuer Chief Digital Officer den gordischen Knoten durchschlagen und Berlins Verwaltung endlich digital fit machen. Drängende Baustellen gibt es viele: Noch immer sind zu wenige Verwaltungsprozesse und Bürgerdienste in Berlin überhaupt digitalisiert. Verfahren und Prozesse dauern vielfach zu lange, was auch an den Zuständigkeiten liegt. Klar ist, nicht nur die Landesverwaltung braucht eine Digitalisierungsoffensive, sondern auch die Bezirksämter. Kleindiek, der zuvor unter anderem Staatssekretär im Bundesfamilienministerium war, ist nun erstmals in zentraler Position zuständig. Noch in der letzten Legislaturperiode hatte die digitale Transformation bei drei Verwaltungen gelegen – mit überschaubarem Erfolg.

Claudia Pechstein: Moment für die Ewigkeit

Der Augenblick, in dem Claudia Pechstein Mitte Februar in Peking an den Start geht und ihr Rennen aufnimmt, wird einer für die Ewigkeit werden. Als erste Frau der Welt bestreitet die Eisschnellläuferin aus Berlin dann ihre achten Olympischen Winterspiele – wenige Tage vor ihrem 50. Geburtstag. Gegen alle Widerstände kämpfte sie für dieses Ziel, für das sie sich im letzten Moment qualifizierte. Erstmals geht Deutschlands erfolgreichste Winterolympionikin ohne den Traum von Edelmetall auf ihre Runden. Doch einen der größten Siege ihrer Karriere, in der sie bereits 1992 im Zeichen der Ringe unterwegs war, errang Pechstein mit dem Lösen des Tickets nach China. Im Reich der Mitte wird sie eines ihrer letzten Rennen absolvieren. Vielleicht sogar das allerletzte.

Hansi Flick: Bei der WM in Katar liefern

Der Sehnsuchtsort von Hansi Flick liegt mitten in der Wüste. Im 80.000 Zuschauer fassenden Lusail Stadium im Emirat Katar wird am 18. Dezember der nächste Fußball-Weltmeister gekürt. Das WM-Finale ist das Ziel des Bundestrainers – acht Jahre nach seinem ersten Titelgewinn mit der Nationalmannschaft in Rio de Janeiro, damals noch als Assistent von Joachim Löw. „Liefern dann, wenn es zählt“ – diesen Leitsatz wird Flick den Nationalspielern im neuen Jahr bei jeder Zusammenkunft einimpfen. Eine verschworene Einheit will der 56-Jährige formen, Teamgeist vorleben: „Erfolg hast du nur gemeinsam. Und so agiere ich auch.“ Als Trainer steht Flick seit dem ruhmreichen Wirken beim FC Bayern für attraktiven Fußball, Siege und Titel. Und als Bundestrainer legte er mit sieben Siegen in sieben Länderspielen gleich einen Rekordstart hin. Bei der Gruppen-Auslosung am 1. April erfährt Flick, gegen wen es in Katar geht. Er weiß aber schon jetzt: „Wer am besten vorbereitet ist, wird auch die beste WM spielen.“