Winterschlaf

Igel im Winter: So helfen Sie den Tieren richtig

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Nikolija Korzanovic
In der Igelstation Berlin-Hermsdorf kümmern sich Ehrenamtliche liebevoll um die Versorgung kranker und verletzter Tiere.

In der Igelstation Berlin-Hermsdorf kümmern sich Ehrenamtliche liebevoll um die Versorgung kranker und verletzter Tiere.

Foto: Ingolf König-Jablonski / dpa

Viele Igel befinden sich im Winterschlaf. Einige Jungtiere suchen jedoch weiter nach Futter. So helfen Sie den Tieren durch den Winter.

Berlin. Langsam streckt Fritz seine kleine Schnauze aus dem stacheligen Körper hervor. Es folgen drei kleine Pfoten – die vierte hat er bei einem Krähenangriff verloren. Fritz ist ein Igel, er wird zurzeit in der Igelauffangstation in Berlin-Hermsdorf versorgt. „Er wiegt gerade einmal 330 Gramm“, stellt Gabriele Gaede vom Verein Arbeitskreis Igelschutz Berlin fest. Normalerweise sollte ein Igel zurzeit zwischen 500 und 700 Gramm wiegen. Nur so überleben die kleinen Vierbeiner den Winterschlaf.

Eigentlich sollte Fritz auch Winterschlaf halten, doch er ist zu dünn und war daher noch auf Futtersuche. Dabei begab er sich in Gefahr. „Wenn die Igel jetzt noch draußen unterwegs sind, sind sie hilfsbedürftig“, erklärt Gaede. Im Dezember finden sie nämlich in der Regel kein Futter mehr. Doch auch im Herbst sah die Futtersuche für viele Tiere ziemlich knapp aus.

Dass die Tiere sich nicht richtig ernähren können, liegt auch am Klimawandel. Derk Ehlert, Wildtierexperte bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, erklärt: „Igel sind keine Vegetarier. Sie ernähren sich von Würmern, Käfern und Nacktschnecken.“ Diese Kleintiere mögen es feucht. Gab es über den Sommer eine längere Trockenphase, so können sich Würmer und Co. nicht vermehren und dem Igel nicht als Nahrung dienen. Trockenheit beeinflusst auch die Bodenstruktur. Ist der Boden nicht feucht und locker, kann der Igel sich nicht zu seiner Nahrung durchwühlen. Die Folge ist oftmals, dass der Igel sich dann nicht genügend Fettreserven angefressen hat, um heil durch den Winter zu kommen.

Etwa 80 Tiere werden in der Igelauffangstation Hermsdorf versorgt. Die meisten von ihnen sind krank und werden hier den ganzen Winter über versorgt. Wenn Spaziergängerinnen und -gänger jetzt noch einen Igel entdecken, der sich durch das Laub kämpft, dann sollten sie ihn zur Auffangstation bringen oder bei sich zu Hause überwintern lassen.

Zur Futterarmut kommt nämlich hinzu, dass der Igel oftmals keinen neuen Schlafplatz findet. Der natürliche Lebensraum des Igels verkleinert sich. Zunehmende Baumaßnahmen und aufgeräumte Gärten führen dazu, dass Igel im Winter keinen Unterschlupf finden.

Igel mögen besonders gern unordentliche Gärten

Durch die Zerschneidung der Natur, also der Trennung von Tieren und ihrem natürlichen Lebensraum, sind Igel vermehrt auf private Gärten in den Städten angewiesen, erklärt Ehlert von der Senatsumweltverwaltung. Diese sind jedoch oftmals zu ordentlich. Um einen Lebensraum für den Igel zu schaffen, sollten Gärtnerinnen und Gärtner Laub und Totholz liegen lassen und Zufluchtsorte in Hecken und Büschen schaffen. Außerdem ist es wichtig, dem Igel einen Zugang zum eigenen Garten und zu anderen Gärten zu ermöglichen.

Katrin Koch, Wildtierberaterin bei Naturschutzbund Deutschland (NABU) erklärt, worauf Gartenbesitzerinnen und -besitzer noch achten sollten: „Es ist empfehlenswert ein Igelfenster – etwa zehn Mal zehn Zentimeter groß – in den Zaun zu schneiden. Außerdem sollte man die Anwendung von Chemikalien im Garten meiden und keine Rasenmähroboter einsetzen.“ Diese sorgen nämlich für viele Verletzungen bei Igeln.

Grundsätzlich gilt, dass man den Igel nicht aus seinem natürlichen Lebensraum entfernen darf. Im Herbst sollten gesunde Tiere also in Ruhe gelassen werden. Verletzte Lebewesen sollten immer zum Tierarzt oder zu einer Auffangstelle gebracht werden.

Wenn ein Igel im Winter noch nicht schläft, sind seine Überlebenschancen gering. In diesem Fall sollte er auch zu einer entsprechenden Einrichtung gebracht oder mit nach Hause genommen werden. Aber auch für die Überwinterung im eigenem Heim ist der Kontakt zu Fachkundigen empfehlenswert. Igel fressen nämlich ausschließlich Fleisch. Obst, Salat und andere Essensreste sind für sie schädlich. Hochwertiges Katzenfutter ist eine gute Alternative zu Schnecken und Würmern.

Zur Überwinterung eignensich Schuppen oder Keller

Bei der Versorgung zu Hause sollten die Tiere bei acht bis zwölf Grad gehalten werden. Keller oder Schuppen mit regelmäßiger Lichtzufuhr sind gute Orte für die Überwinterung. Beim Aussetzen im Frühjahr sollte unbedingt darauf geachtet werden, den Igel dort freizulassen, wo er eingesammelt wurde. Die meisten Tiere der Igelauffangstation in Hermsdorf werden im April oder im Mai wieder in die Natur gelassen – vorausgesetzt sie befinden sich in einer guten Verfassung. Einige Igel mit schweren Verletzungen werden für immer betreuungsbedürftig bleiben. Diese kommen dann zu Pflegepartnern, die den Tieren ein neues Zuhause geben können.

Der Igelschutzverein arbeitet außerdem mit Patenschaften. Wer die Patenschaft für einen bedürftigen Igel übernehmen möchte, kann sich auf der Webseite des Vereins informieren unter igelschutzberlin.com. Die ehrenamtliche Auffangstation sucht außerdem immer nach freiwilligen Helferinnen und Helfern.