Kriminalität

Razzia gegen Koks-Lieferservice von Clan-Mitgliedern

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dpa
Kriminalpolizisten in Zivil stehen am Morgen im Hinterhof eines Mietshauses und sichern Beweismittel in einer Wohnung.

Kriminalpolizisten in Zivil stehen am Morgen im Hinterhof eines Mietshauses und sichern Beweismittel in einer Wohnung.

Foto: dpa

Corona hin oder her - Drogenkonsum und Drogenhandel boomen in Berlin. Der Vertrieb läuft über Internetbestellungen, die Dealerbanden sind oft gut organisiert. Nun schlug die Polizei mit einer Razzia zu.

Berlin. Mit zahlreichen Durchsuchungen von Wohnungen, Autos und zwei Gefängniszellen ist die Berliner Polizei am Dienstag gegen organisierten Drogenhandel vorgegangen. Vier Verdächtige, gegen die Haftbefehle vorlagen, seien gefasst worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Ein weiterer Verdächtiger werde noch gesucht. Der Einsatz richtete sich gegen eine Bande, die Rauschgift mit sogenannten Koks-Taxis auslieferte. Dabei bestellen die Käufer ihre Ware über Messengerdienste und lassen sie von Boten anliefern.

Beschuldigt sind neun Verdächtige, viele davon aus dem Bereich der arabischstämmigen Clans in Berlin. Es geht um den Verdacht des bandenmäßigen Rauschgifthandels. Ein Teil der Verdächtigen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren war bereits wegen früherer ähnlicher Delikte auffällig. Sie sollen den Kokainlieferservice gemeinsam betrieben haben. Ein 21-jähriger Koordinator organisierte die Rauschgiftlieferungen, andere versteckten die Koks-Vorräte oder waren Fahrer. Die Bande soll "telefonische Kokainbestellungen konspirativ abgewickelt haben", so die Polizei.

Seit den frühen Morgenstunden durchsuchten ein Großaufgebot der Polizei, Drogenfahnder aus dem Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft 14 Räume und 12 Autos. Darunter waren auch eine Shisha-Bar und die beiden Zellen. Die Insassen der Zellen waren bereits wegen früheren Drogenhandels verurteilt worden. Die Polizei fand Drogen, Bargeld und gefälschte Impfausweise.

Unter den durchsuchten Räumen war eine Wohnung im Erdgeschoss eines Mietshauses in der Katzlerstraße im Stadtteil Schöneberg. Kriminalpolizisten in Zivil standen am Morgen im Hinterhof des Hauses und in der Wohnung und trugen beschlagnahmte Beweismittel zu ihrem Fahrzeug. Später wurde ein Mann herausgeführt.

Gerade im Bereich des Drogenhandels hatte die Zahl der Polizeirazzien in diesem Jahr deutlich zugenommen - vor allem wegen der im Jahr 2020 entschlüsselten Daten aus dem Messengerdienst Encrochat, den viele Kriminelle in Europa nutzten. In Berlin liefen bis Mitte November 728 Ermittlungsverfahren. Bis dahin gab es 55 Durchsuchungen und 31 Verhaftungen, wie der Senat kürzlich mitteilte. Die Berliner Polizei wertet insgesamt mehr als 1,6 Millionen Datensätze aus SMS, Sprachnachrichten, Fotos und Videos von den abgehörten und entschlüsselten Handys aus. Im LKA seien damit knapp 40 Menschen beschäftigt, sagte LKA-Chef Christian Steiof. Zahlreiche zusätzliche Leute würden benötigt.

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( dpa )