Hells Angels

Bundesgerichtshof verhandelt über Berliner Wettbüro-Mord

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Polizeibeamte untersuchen den Tatort, ein Wettbüro in Reinickendorf, nach dem Mord an Tahir Ö.

Polizeibeamte untersuchen den Tatort, ein Wettbüro in Reinickendorf, nach dem Mord an Tahir Ö.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Zwei Jahre nach dem Urteil befasst sich der BGH mit dem Wettbüro-Mord. Hells-Angels-Boss Kadir P. erhielt damals lebenslange Haft.

Berlin/Leipzig. Es war einer der spektakulärsten und vor allem langwierigsten Strafprozesse der jüngeren Berliner Kriminalgeschichte. Nach mehreren Jahren und 300 Verhandlungstagen sprach das Landgericht im Oktober und Dezember 2019 die Urteile im sogenannten „Wettbüro-Mordfall“.

Nun befasst sich der Bundesgerichtshof (BGH) noch einmal mit dem Fall. Am Dienstag und Mittwoch wird der 5. Strafsenat in Leipzig über die Revisionen der Angeklagten und der Staatsanwaltschaft gegen die mehr als zwei Jahre alten Urteile verhandeln. Wegen der Größe des Verfahrens und der hohen Zahl an Beteiligten findet die Verhandlung im großen Sitzungssaal des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig statt.

BGH entscheidet über Sachrügen und Verfahrensbeanstandungen

Die Angeklagten hätten Sachrügen und Verfahrensbeanstandungen vorgebracht, über die nun entschieden werde, hieß es vom BGH. Die Staatsanwaltschaft wiederum wandte sich gegen den Vollstreckungsabschlag in Höhe von zwei Jahren, dem das Landgericht jedem der Verurteilten gewährte. Im Fall der lebenslangen Freiheitsstrafe würde das bedeuten, dass sie nicht nach 15 sondern schon nach 13 Jahren Anrecht auf eine Bewährungsanhörung hätten.

Neun der Angeklagten hatten eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten. Rechtskräftig geworden ist davon bislang nur ein Urteil. Ein damals 32-Jähriger war zwar auch wegen Mordes verurteilt worden, kam aber mit zwölf Jahren Haft davon, weil er nach Überzeugung des Gerichts bei der Aufklärung des Falls half. Er ist unterdessen nach sechs Jahren und sieben Monaten Haft wieder auf freiem Fuß, wie sein damaliger Verteidiger Steffen Tzschoppe berichtete. Er kam in ein Zeugenschutzprogramm, weil er als Verräter gilt. Neben den neun Urteilen zu lebenslanger Haft erhielt einer der Angeklagten wegen Waffenbesitzes eine Bewährungsstrafe.

Wettbüro-Mord in Berlin: Tahir Ö. vor laufenden Überwachungskameras erschossen

Der Mord, um den es geht, liegt bereits acht Jahre zurück. Am Abend des 10. Januar 2014 wurde der 26-jährige Tahir Ö. vor laufenden Überwachungskameras erschossen. 13 Männer drangen dazu in ein Reinickendorfer Wettbüro ein, einer feuerte sechs Kugeln auf das Opfer. Alle Verurteilten waren Mitglieder des Rockerclubs „Hells Angels“ – unter ihnen auch Clubboss Kadir P., der wegen Anstiftung zum Mord zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde.

Motiv war laut Urteil die „Wiederherstellung der Ehre“ des Clubs. Tahir Ö. soll den verfeindeten „Bandidos“ nahe gestanden haben. Der Anschlag soll die Rache für eine Schlägerei vor einer Diskothek 2013 mit einem verletzten Hells-Angels-Rocker gewesen sein.

Berliner LKA könnte von Mordauftrag gewusst haben

Damals stand im Raum, dass Mitarbeitende des Berliner Landeskriminalamts bereits seit Oktober 2013 von Kadir P.’s Mordauftrag wussten, jedoch die Tat nicht verhinderten. Da dies nicht auszuschließen sei, sah das Landgericht in der Europäischen Menschenrechtskonvention verbürgte Recht auf ein faires Verfahren verletzt und gewährte den Abschlag.

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( dpa )