Adventskalender 2021

Chili in allen Sorten für scharfe Soßen

| Lesedauer: 9 Minuten
Dennis Meischen
Jonathan O´Reilly von Crazy Bastard Sauce

Jonathan O´Reilly von Crazy Bastard Sauce

Foto: Reto Klar

Kulinarischer Adventskalender 2021, Teil 6: Jonathan O’Reilly nutzt für seine Soßen Chilis aus aller Welt.

Sein ganzes Leben lang hat sich Jonathan O’Reilly immer denselben Spruch anhören müssen. „Du Crazy Bastard, haben sie jedes Mal gesagt“, berichtet der 37-Jährige schmunzelnd, „warum machst du eigentlich ständig so viel scharfe Soße auf das gute Essen?“. Aus Trotz, Spaß und Leidenschaft hat O’Reilly sein Hobby darauf zum Beruf gemacht: „Ich habe immer schon gerne privat für mich gekocht und dabei mit verschiedenen Chilis in den Soßen experimentiert“, sagt er, der lange Zeit hauptberuflich als Barkeeper, Illustrator und Grafikdesigner gearbeitet hat.

Und das mit Erfolg: Seit 2013 schon führt der gebürtige Ire, der 2006 mit Freunden nach Berlin gezogen ist, sein passenderweise Crazy Bastard Sauce (zu Deutsch etwa: Verrückter Mistkerl-Soßen) getauftes Unternehmen mit 16 Mitarbeitern in Neukölln. Anfangs noch als reinen Online-Handel, seit 2016 dann in eigenen Räumlichkeiten mit angeschlossenem Restaurant in der Weserstraße. Und bald zusätzlich aus einer neuen und großen Produktionsküche in der Elbestraße – mit genügend Platz für die Tiefkühltruhen, in denen die aus aller Welt von Farmern eingekauften Chilis gelagert werden müssen. „Die Chilis wachsen als schärfste Früchte der Paprikapflanze nur im Sommer“, sagt O’Reilly, „und wir wollen das ganze Jahr über produzieren.“

Sieben Soßen sind das Herzstück von O’Reillys Betrieb, jede einzelne mit einer anderen Chilisorte und zu ihr passenden, regionalen Zutaten hergestellt. Beispiel: Die für das Morgenpost-Adventsmenü genutzte Soße aus indischem Ghost Pepper (Bhut-Jolokia-Chili) wird für einen speziell orientalischen Geschmack mit Mangos und Kreuzkümmel verfeinert. Grad auf der offiziellen Scoville-Schärfeskala für die Früchte der Paprikapflanze: 8/10. „Das kann gerade so noch jeder essen“, behauptet O’Reilly.

„Bei uns kommen nur die Harten in den Garten“

Überhaupt gehe es bei seinen Soßen darum, dass alle seine Zutaten vom ganzen Globus einen Eigengeschmack hätten, den man durch die Schärfe hindurch auch im Einzelnen wahrnehmen könne und die jede Soße einzigartig mache. Zutaten, wie zum Beispiel Knoblauch, Ingwer, Meersalz oder Limetten. Die verschiedenfarbig designten Flaschen werden durch das von O’Reilly entworfene, schnauzbärtige Maskottchen zusammengehalten – eigenen Angaben zufolge eine Mischung aus dem brutalen britischen Strafgefangenen Charles Bronson und einem wahnsinnigen Pringles-Mann.

„Mittlerweile produzieren wir 5000 dieser Flaschen in der Woche“, sagt O’Reilly stolz, „sie sind deutlich heller und freundlicher gestaltet als die meisten anderen Chili-Soßen auf dem Markt, was denke ich durchaus zum Erfolg mit beiträgt.“ 60 Prozent der Produkte blieben in Deutschland, der Rest werde in die ganze Welt exportiert – vor allem nach Großbritannien, Osteuropa und in das Baltikum. „Lange waren scharfe Soßen in Deutschland verpönt“, erinnert sich der Ire, der für seine Soßen schon zahlreiche internationale Preise auf Messen und Festivals gewonnen hat, „es hat ein wenig gedauert, bis der Trend aus den USA nach Europa und dann weiter hierher zu uns geschwappt ist.“

Dabei ginge es ihm nicht darum, mit den Soßen als Zutaten tatsächlich auch Gerichte zu kochen. Nein, die Crazy Bastard-Soßen sollen vielmehr Schärfe-Liebhabern die Möglichkeit geben, ihr fertiges Essen ganz nach ihrem eigenen Geschmack nachzuwürzen und aufzupeppen. Genauso, wie er es immer schon getan hat. „Unser bekanntester Klassiker ist das gelbe Label, hergestellt aus der mexikanischen Habanero-Chili und der mittelamerikanischen Tomatillo“, erklärt O’Reilly, „sehr Salsa-ähnlich, passt sie fast zu jedem Gericht.“ Schärfegrad auf der Scoville-Skala: 7/10.

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Von ihr aus geht es drei Soßen hinauf auf der Skala bis hin zur Carolina Reaper & Blueberry, dem so genannten Black Label und einer glatten 10/10. „Die Carolina Reaper ist eine US-amerikanische Zuchtsorte und gilt als die schärfste Chili der Welt“, sagt O’Reilly. Drei Stufen von der Habanero & Tomatillo hinab kommt man in etwas mildere Gefilde. Die Betonung liegt hier allerdings auf etwas milder. Wirklich milde Soßen gibt es bei ihm nämlich eigentlich gar nicht, die niedrigschwelligste aus süßen Jalapeño & Datteln liegt immerhin noch bei 3/10.

„Bei uns kommen nur die Harten in den Garten“, so O’Reilly. Die Ausnahme bildet einzig die limitierte Sonder-Edition Easy Bastard Sauce, auf der sogar das bärtige Maskottchen ein bisschen netter dreinschaut – und auch die sei nur ein Unfall gewesen, wie O’Reilly betont. „Wir haben eine Charge Chilis erhalten, die einfach nicht scharf genug war für unseren Anspruch“, erklärt er, „da wir nichts verschwenden wollten, haben wir diese leichte Soße gemacht, fast schon zum Spaß.“ Und trotzdem würde es jetzt Kunden geben, die gerade nach dieser Easy Bastard Sauce verlangten, sagt O’Reilly kopfschüttend.

Das komplette Gegenteil davon wiederum sind die drei Superhot-Soßen, die in einem eigenen Set zu kaufen sind und zu jeweils 50 Prozent aus ihren jeweiligen Chilis mit den ominösen Namen Naga, Scorpion und Reaper bestehen. Zum Vergleich: In den normalen Crazy Bastard-Saucen sind Chili-Anteile von 1,7 bis 20 Prozent. „Sie sind noch auszuhalten, aber teilweise auch für mich schon zu scharf“, gibt O’Reilly zu. Das mag man wirklich kaum glauben.

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Es gibt derweil eine weitere Besonderheit seines Unternehmens, auf die O‘Reilly besonders stolz ist. Einmal im Jahr bringt es nämlich in einer Auflage von circa 1000 Flaschen eine limitierte Berlin Sonder-Edition auf den Markt. „Hierzu sammeln wir selbst gezüchtete Chilis von Berliner Balkonzüchtern, Kleingärtnern und Hobby-Pflanzern und mixen sie anschließend in eine echte Community-Sauce“, sagt O’Reilly.

Berliner Gemeinschaft kann man indes auch im Crazy Bastard-Sauce-Restaurant in der Weserstraße erleben. Auf einer wöchentlichen wechselnden Karte werden nur Gerichte gekocht und serviert, die gut zu scharfen Soßen passen. „Natürlich viel mexikanische Küche wie Tacos“, sagt O’Reilly, „aber auch Burger, Fish and Chips, Currys sowie verschiedene südamerikanische, karibische und japanische Spezialitäten.“ Zudem gebe es immer auch vegane Alternativen im Angebot. Das Besondere: Alle zehn Crazy Bastard-Saucen (also auch die drei Superhot-Exemplare) stehen im Restaurant zum Ausprobieren und Nachwürzen für die Gäste auf den Tischen bereit. „Es kommen wirklich viele hierher, um dann einen echten Contest daraus zu machen und alle Soßen einmal zu probieren – zum Abkühlen gibt es im Anschluss fast immer Bier“, scherzt O’Reilly. Für seine Online-Kunden hat der Ire jedoch noch ein weiteres Geschenk parat: Verschiedene Rezepte, die gut zu den einzelnen Soßen passen würden, finden sich mittlerweile als kleine Aufmerksamkeit in den Versand-Boxen von Crazy Bastard Sauce. Auf dass seine Kunden dort mit Chili-Soßen experimentieren können, wo auch O’Reilly selbst einmal angefangen hat: In der heimischen Küche.

Rezept: Blumenkohl mit feuriger Würze

Zutaten

  • 1 kleiner Blumenkohlkopf
  • 1 Tasse Weizenmehl
  • 1 Tasse Wasser
  • ½ TL Meersalz
  • 1 TL Paprika
  • 1 TL feiner weißer Pfeffer
  • 1 TL grober schwarzer Pfeffer
  • 1 TL fein gehackter Knoblauch
  • 1 Tasse Semmelbrösel
  • 50 ml Crazy Bastard Ghost Pepper and Mango

Zubereitung

  1. Den Blumenkohlkopf in flügelgroße Teile zerbrechen.
  2. Die trockenen Zutaten bis auf die Semmelbrösel mischen und das Wasser hinzufügen. Gut mischen, bis die Mischung glatt wird.
  3. Zuerst den Blumenkohl in die Mehlmischung tauchen und dann in die Semmelbrösel, bis die Teile überall schön bedeckt sind.
  4. Im Ofen bei 200 Grad etwa 20 Minuten backen
  5. Blumenkohl-Teile herausnehmen und mit der Sauce in eine Schüssel tun, bis sie überall bedeckt sind
  6. Zurück in den Ofen und weitere 10 Minuten backen - bis die mit Soße bedeckten Teile etwas gebräunt sind.

Alternativ zum Backen: in 5 cm tiefem Rapsöl in einer Pfanne braten.

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