Gesundheit

Berlin plant Impfungen an Schulen

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Nicole Dolif und Julian Würzer
Kinder-Impfstoff: EU-weite Auslieferung ab 13. Dezember

Kinder-Impfstoff: EU-weite Auslieferung ab 13. Dezember

Der Corona-Impfstoff für fünf- bis elfjährige Kinder wird EU-weit am 13. Dezember ausgeliefert - eine Woche früher als bisher geplant. Das bestätigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel.

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Franziska Giffey schlägt vor, die Corona-Impfungen für Kinder in Schulen anzubieten. Mobile Impfteams sollen diese durchführen.

Berlins designierte Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hat vorgeschlagen, die bald geplanten Corona-Impfungen für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren direkt in Schulen anzubieten - mit Hilfe mobiler Teams. "Wir müssen Kindern zügig und unkompliziert ein Impfangebot machen, am besten dort, wo sie sowieso täglich sind - in der Schule und auch für die fünfjährigen Kitakinder", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. "In Berlin bereiten wir genau das gerade vor."

Eingesetzt werden sollen dafür die mobilen Impfteams, wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) ankündigte. „Wir werden mit dem Impfen bald in den Schulen beginnen“, sagte Kalayci am Freitag. Dies solle nach Möglichkeit noch vor Weihnachten erfolgen.

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Niedrigschwellige Angebote an anderen Orten nötig

Giffey betonte, dass auch niedrigschwellige Impfangebote an anderen Orten nötig seien – gerade im Hinblick auf die Weihnachtsferien, in denen Schulen geschlossen seien: „In den Impfzentren, mit besonderen Impfstraßen für die Kinder, an Orten, an denen Kinder vielleicht noch etwas erleben können.“ Denkbar sei eine Impfung beim Zoobesuch. „Ich glaube, dass Kinderimpfungen ein echter Wendepunkt sein können, was die Frage der höheren Impfquote betrifft“, sagte sie. Denn gerade in dieser Altersgruppe sei die Inzidenz sehr hoch in Berlin. Am Donnerstag gab die Gesundheitsverwaltung die Inzidenz in der Altersgruppe der fünf- bis neunjährigen Kinder mit rund 730 an. In der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen betrug sie rund 830. Laut dem Robert-Koch-Institut liegt die Impfquote in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen bei 46,8 Prozent.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch warnte vor zu großen Erwartungen mit Blick auf die Impfung kleinerer Kinder. Auch kleineren Kindern sollten Impfangebote zügig ermöglicht werden, sagte Jarasch. „Klar ist aber auch: Die flächendeckende Impfung von kleineren Kindern wird nicht der Hebel sein, um die Pandemie zu überwinden“, so die Grünen-Politikerin.

Der Kinder- und Jugendarzt Jakob Maske, Sprecher vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht Giffeys Vorstoß kritisch. „Wir haben Kinder- und Jugendärzte, wir haben Hausärzte und Impfzentren, wir müssen nicht in die Schulen gehen zum Impfen. Das ist völliger Aktionismus“, sagte er der Berliner Morgenpost. „Es ist einfach nicht notwendig, wir sollten uns darauf konzentrieren, die Erwachsenen zu impfen. Denn hier haben wir die gefährdeten Menschen. Sie sind es, die die Intensivstationen belegen und das Medizinsystem überlasten.“

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Impfung an Schule in Lichterfelde

Wie Corona-Impfungen an Schulen aussehen könnten, war am Freitagvormittag an der Max-von-Laue-Oberschule in Lichterfelde zu beobachten. Dort konnten sich – allerdings nicht öffentlich – Schüler ab zwölf Jahren sowie Eltern, Angehörige und das Schulpersonal impfen lassen. Anders als bekannte Impfaktionen in dieser Stadt, war das Impfen aber nicht von der Senatsgesundheitsverwaltung oder Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz Berlin organisiert, sondern von dem Facharzt Fabian Herbst. „Wir haben die Zeit und die Expertise“, sagte er.

Er berichtete aber auch von vielen Widrigkeiten. Ende August habe er Schulen in Berlin kontaktiert, um eine entsprechende Aktion durchzuführen. „Ich habe da aber sehr viel Verunsicherung erfahren“, so Herbst. Keiner habe sich zuständig gefühlt, Anfragen an die Gesundheitsverwaltung blieben teils unbeantwortet. Erst Anfang November habe er eine erste Information vonseiten der Landesregierung bekommen, dass es nicht möglich sei, da Impfaktionen in den Händen der Hilfsorganisationen bleiben sollen. Am Ende des Tages hätte die Politik ihn nicht „sonderlich“ unterstützt, so Herbst.

( mit dpa )