Corona Berlin

Zu wenig Impfstoff für die Hausärzte in Berlin

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Charlotte Bauer und Joachim Fahrun
Friseur, Sport und Co.: Wo welche Coronaregeln gelten

Friseur, Sport und Co.: Wo welche Coronaregeln gelten

Wer zum Friseur, zum Einkaufen oder zum Sport gehen möchte, muss sich vorher informieren, welche Coronaregeln dort gelten - 2G, 3G oder doch 2G Plus. Auch von Bundesland zu Bundesland sind die Zutrittsbeschränkungen verschieden. Ein Überblick.

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Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci bestätigt Probleme bei der Verteilung. Die Impfkampagne gerate ins Stocken.

Berlins Hausärzten fehlt es an Vakzinen gegen Corona. „Bestellte Impfstoffe werden nicht geliefert“, beklagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Mittwoch. Die Impfkampagne gerate ins Stocken. Es sei „unklar, wer welchen bekommt“, so die Senatorin weiter, die Lage sei intransparent: „Impfstoff, der bestellt ist, muss auch in den Praxen und Impfzentren ankommen“, sagte sie. Dafür müsse Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sorgen.

Doris Höpner bestätigt die Probleme. Von 48 bestellten Impfstoffdosen Biontech seien vergangene Woche in ihrer Weddinger Praxis nur 18 angekommen, sagte die Allgemeinmedizinerin. Für die kommende Woche durfte sie zwar 30 Dosen bestellen, doch die Ärztin bezweifelt, ob die alle ankommen. „Für uns gibt es keine Transparenz, warum plötzlich der Impfstoff gekürzt wurde“, sagte sie.

Aus den Impfzentren hieß es am Mittwoch, die erwarteten Impfstoff-Mengen seien geliefert worden. „Wir können impfen“, sagte ein Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes, das die Zentren koordiniert. Allerdings gehe es vorrangig um Moderna. Das Vakzin gebe es für alle, während Biontech nur für Jüngere unter 30 und Schwangere eingesetzt wird, weil für diese beiden Gruppen Moderna nicht empfohlen wird.

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Berliner Forscher warnen vor Ungeimpften

Zuletzt hatte das Impftempo in Berlin deutlich zugelegt. Das Robert-Koch-Institut meldet fast 40.000 Impfungen am Tag in der Hauptstadt, darunter 5800 Erstimpfungen. Diese Zahl kann steigen, wenn die Zentren an der Trabrennbahn Karlshorst (ab Freitag) und im ICC (ab Mitte Dezember) an den Start gehen.

Forscher der Humboldt-Universität Berlin haben derweil in einer Studie zu den Ansteckungen mit dem Coronavirus die Notwendigkeit weiterer und schnellerer Impfungen bestätigt. Demnach sind an acht bis neun von zehn neuen Infektionsfällen ungeimpfte Personen beteiligt, haben die Wissenschaftler um Physikprofessor Dirk Brockmann in Modellrechnungen ermittelt. Liege die Effektivität der Impfung bei 72 Prozent unter Erwachsenen und 92 Prozent unter Kindern würden sich 76 von 100 Infizierten bei einer ungeimpften Person anstecken, heißt es in der Studie. 51 davon wären selbst ungeimpft, 25 geimpft. „Der Anteil der Leute, der durch Geimpfte angesteckt wird, ist erheblich kleiner“, schreiben die Wissenschaftler.

Berliner Senat will keine Restaurants schließen

Um weitere Schritte im Kampf gegen die Pandemie zu vereinbaren, treffen sich an diesem Donnerstag wieder die Ministerpräsidenten der Länder mit Vertretern der alten und künftigen Bundesregierung zur Ministerpräsidentenkonferenz (MPK).

Der Senat wird sich frühestens Freitag zusammenschalten, um auf Grundlage der MPK-Beschlüsse neue Maßnahmen für Berlin festzulegen. Dabei sei nicht geplant, Restaurants zu schließen oder eine Sperrstunde einzuführen, sagte ein Sprecher der Senatsgesundheitsverwaltung. „Wir konzentrieren uns auf Clubs und Tanzlustbarkeiten.“ Unklar ist, wie mit Bars und Lokalen umgegangen wird, die nur Getränke ausschenken. Die Gastro-Branche beklagte, dass sie nicht in die Überlegungen einbezogen werde. „Mit uns redet niemand“, so Dehoga-Geschäftsführer Thomas Lengfelder.

Berliner Senat plant schärfere Corona-Maßnahmen - ein Überblick

Die geschäftsführende Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) stellte einen Senatsbeschluss noch im Verlauf dieser Woche in Aussicht. Folgendes soll dann kommen.

  • Kontaktbeschränkungen: Ein Haushalt dürfte sich nur noch mit maximal zwei ungeimpften Personen aus einem weiteren Haushalt treffen. Kinder bis 14 Jahren werden nicht mitgezählt. Für private Treffen zwischen geimpften und genesenen Menschen sind keine Beschränkungen geplant.
  • Weihnachtsmärkte: sollen nur noch öffnen dürfen, wenn sie sicherstellen und kontrollieren, dass nur Geimpfte und Genesene (2G) zutritt haben. Praktisch heißt das, dass sie umzäunt sind und an den Zugängen den Impfstatus der Besucher kontrollieren. Einige Märkte verfahren bereits so, andere wie der Markt am Breitscheidplatz haben keine Umzäunung, dort hat bisher jeder Zutritt. „Wer keinen Zaun drumherum machen kann, kann auch keinen Weihnachtsmarkt mehr betreiben“, sagte Kalayci.
  • Veranstaltungen: An Veranstaltungendürften nicht mehr so viele Menschen teilnehmen wie bisher. Draußen soll künftig eine Obergrenze von 1000 Teilnehmern gelten, in geschlossenen Räumen von 200 Teilnehmern. Unter strikter Einhaltung bestimmter Hygienekonzepte sind Ausnahmen möglich mit bis zu 2500 Teilnehmern drinnen und bis zu 5000 draußen. „Mit diesem Beschluss würde es volle Stadien und dergleichen nicht mehr geben“, sagte Kalayci.
  • Öffentliche Gebäude dürften nur noch unter 3G-Regeln betreten werden, also von Geimpften, Genesenen und Getesteten. Dies gilt schon jetzt für die Mitarbeiter und würde dann auch für Kunden beziehungsweise Besucher gelten.