Corona-Maßnahmen

Berliner Clubs wollen testen statt schließen

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Alexander Rothe
Scholz: Allgemeine Impfpflicht soll per Gesetz kommen

Scholz: Allgemeine Impfpflicht soll per Gesetz kommen

Eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland rückt näher: Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte dazu in einem Interview mit Bild TV ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren an. Außerdem deutet sich eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen in Deutschland an.

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Erneut wird eine Zwangspause für die Clubs in Berlin in Erwägung gezogen, obwohl es nach Angaben der Betreiber Alternativen gibt.

Berlin. Nächstes Wochenende sollte es soweit sein: Wiedereröffnung des Innenbereichs im Pankower Club „Mensch Meier“. Genesene und geimpfte Personen sollten dann auf allen Floors wieder ohne Maske und ohne Abstandsregelung tanzen dürfen. Darauf hatten sich die Betreiber lange vorbereitet und bauliche Maßnahmen vorgenommen, wie der Einbau einer Lüftungsanlage.

Corona in Berlin: Genügend Hygienekonzepte in der Clubszene

Nun aber droht der Berliner Clubszene aufgrund der hohen Corona-Fallzahlen die erneute Schließung. Diese müsse laut Senat rechtlich noch abgesichert werden. „Das ist ein Schock, zumal noch im Sommer gesagt wurde, dass die Clubs nicht mehr geschlossen werden sollen“, sagt Max Meier, Mitglied des Clubkollektivs „Mensch Meier“.

Während der früheren Lockdowns sei bereits Kreativität gefragt gewesen, um an Geld zu kommen – neben Unterstützungshilfen durch Bund und Land, war der Club auch auf Spenden angewiesen. „Jetzt werden wir aber größere finanzielle Probleme bekommen als letztes Mal, da wir nicht wissen, wie lange der Lockdown dauern wird“, so Meier. „Wir müssen mit verschiedenen Geldquellen jonglieren.“

Ansätze, mit denen coronakonformes Feiern ermöglicht wird, seien ausreichend vorhanden: „In der Berliner Clubszene gibt es genug Know-how für Hygienekonzepte, an denen mit viel Energie und wissenschaftlichen Erkenntnissen gearbeitet wurde.“ Zudem gebe es keine Beweise, dass Clubs Infektionsherde seien.

PCR-Test-Modell als Alternative zum Shutdown

Ähnlich sieht es Lutz Leichsenring, Vorstandsmitglied und Sprecher der Vereinigung Clubcommission: „Wir haben in den letzten Wochen rege Veranstaltung gehabt und nicht das Gefühl, dass wir in Deutschland die Pandemietreiber sind.“ Er plädiert für ein PCR-Modell, das bereits im Rahmen des Pilotprojektes „Clubculture Reboot“ ausprobiert wurde und eine flächendeckende Schließung verhindern könne.

Zusammen mit der Charité und der Senatskulturverwaltung wurden im vergangenen Sommer 2000 Personen in sechs Clubs gelassen, die vor und nach den Veranstaltungen mit einem PCR-Test überprüft wurden. „Wir konnten im Vorfeld sieben Personen identifizieren, die infiziert waren. Beim Nachtesten haben wir keinen einzigen Fall festgestellt.“ Diese Tests könnten von den Gästen selbst bezahlt werden.

Dass nun trotz dieser Möglichkeit die Schließung in Betracht gezogen wird, führt Leichsenring darauf zurück, dass die Politik Handlungsstärke in einer Branche zeigen wolle, die ohnehin nicht als systemrelevant eingestuft werde. „Clubs aufzuhalten und PCR-Tests durchzuführen, ist immer noch eine günstigere und sichere Variante als sie zu schließen.“ Letztlich würden sich die Menschenansammlungen in die Privatwohnungen verlagern, wodurch das Infektionsgeschehen nicht mehr zu kontrollieren sei.

„Es kommt darauf an, Kontakte massiv zu reduzieren“

Dem Vorschlag, Clubs mit PCR-Testungen weiterhin offen zu halten, hält die Kulturverwaltung entgegen, dass das Pilotprojekt nur auf niedrige bis mittlere Inzidenzen ausgelegt gewesen sei. „In Phasen von Hoch- und Höchstinzidenzen, die wir gegenwärtig erleben, werden die PCR-Test-Kapazitäten dringend woanders benötigt“, erklärt Pressesprecher Daniel Bartsch. „Zudem wären bei so hohen Inzidenzen PCR-Pooltestungen auch keine Lösung wegen dann wahrscheinlich notwendig werdender Nachtestungen.“ Derzeit komme es darauf an, Kontakte massiv in allen Bereichen zu reduzieren.

Club Gretchen schließt freiwillig

Dass nicht alle Akteure in der Clubszene Hygienekonzepte und Test-Modelle als probates Mittel sehen, um sichere Partys zu veranstalten, zeigt die Entscheidung des Nachtclubs Gretchen, den Betrieb einzustellen. Geschäftsführerin Pamela Phobess sagte am Mittwoch dem rbb, dass es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zuletzt zu Ansteckungen gekommen sei und die Betreiber nicht zum Infektionsgeschehen beitragen wollen würden.

Sollten die Clubs tatsächlich schließen, bleibt Lutz Leichsenring von der Clubcommission dennoch optimistisch: „Wir haben es die letzten 20 Monate geschafft und werden es auch die nächsten drei im Lockdown schaffen.“

Berliner Senat plant schärfere Corona-Maßnahmen - ein Überblick

Die geschäftsführende Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) stellte einen Senatsbeschluss noch im Verlauf dieser Woche in Aussicht. Folgendes soll dann kommen.

  • Kontaktbeschränkungen: Ein Haushalt dürfte sich nur noch mit maximal zwei ungeimpften Personen aus einem weiteren Haushalt treffen. Kinder bis 14 Jahren werden nicht mitgezählt. Für private Treffen zwischen geimpften und genesenen Menschen sind keine Beschränkungen geplant.
  • Weihnachtsmärkte: sollen nur noch öffnen dürfen, wenn sie sicherstellen und kontrollieren, dass nur Geimpfte und Genesene (2G) zutritt haben. Praktisch heißt das, dass sie umzäunt sind und an den Zugängen den Impfstatus der Besucher kontrollieren. Einige Märkte verfahren bereits so, andere wie der Markt am Breitscheidplatz haben keine Umzäunung, dort hat bisher jeder Zutritt. „Wer keinen Zaun drumherum machen kann, kann auch keinen Weihnachtsmarkt mehr betreiben“, sagte Kalayci.
  • Veranstaltungen: An Veranstaltungendürften nicht mehr so viele Menschen teilnehmen wie bisher. Draußen soll künftig eine Obergrenze von 1000 Teilnehmern gelten, in geschlossenen Räumen von 200 Teilnehmern. Unter strikter Einhaltung bestimmter Hygienekonzepte sind Ausnahmen möglich mit bis zu 2500 Teilnehmern drinnen und bis zu 5000 draußen. „Mit diesem Beschluss würde es volle Stadien und dergleichen nicht mehr geben“, sagte Kalayci.
  • Öffentliche Gebäude dürften nur noch unter 3G-Regeln betreten werden, also von Geimpften, Genesenen und Getesteten. Dies gilt schon jetzt für die Mitarbeiter und würde dann auch für Kunden beziehungsweise Besucher gelten.