Corona in Berlin

Viele Lokführer krank: S-Bahn Berlin kürzt Fahrplan

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Die S-Bahn Berlin muss den Fahrplan kürzen. Betroffen sind unter anderem Verstärkerfahrten auf der S5.

Die S-Bahn Berlin muss den Fahrplan kürzen. Betroffen sind unter anderem Verstärkerfahrten auf der S5.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Bei der S-Bahn Berlin ist die Zahl erkrankter Fahrer zuletzt stark gestiegen. Nun fallen auf mehreren Linien Verstärkerfahrten aus.

Berlin. 
  • Die Taktverstärker der Linien S1, S3 und S5 fallen in der Hauptverkehrszeit ab Donnerstag (ca. 6 Uhr bis 9 Uhr und ca. 14 Uhr bis 19 Uhr) aus
  • Grund ist ein erhöhter Krankenstand bei der S-Bahn Berlin

Hohe Krankenzahlen machen sich auch bei der S-Bahn Berlin bemerkbar – und haben nun Folgen: Auf mehreren Linien müssen Verstärkerfahrten im Berufsverkehr gestrichen werden, am Wochenende fallen manche Linien komplett aus. Betroffen sind ab diesem Donnerstag die Linien S1, S3 und S5, wo die Taktverstärker zu den Hauptverkehrszeiten unter der Woche entfallen. Ein Zehn-Minuten-Takt bleibe aber bestehen, betonte die S-Bahn.

S-Bahn Berlin - Die Streichung betrifft folgende Fahrten:

  • S1: die zusätzlichen Fahrten zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz
  • S3: die Fahrten der S3-Express zwischen Friedrichshagen und Ostbahnhof/ Charlottenburg
  • S5: die zusätzlichen Fahrten zwischen Mahlsdorf und Lichtenberg.

Am kommenden Wochenende fahren die Linien S26 und S45 gar nicht. Mit der gestrichenen S45 gibt es damit auch eine Anbindung zum Flughafen BER weniger, der Airport ist mit der S-Bahn nun nur noch alle 20 Minuten erreichbar. Die S85 fährt zwar am Sonnabend noch, am Sonntag aber ebenfalls nicht mehr. An den folgenden Wochenenden werden dann voraussichtlich alle drei Linien komplett entfallen.

S-Bahn Berlin kürzt ihr Angebot um drei Prozent

Dass die Einschränkungen am Wochenende etwas umfassender ausfallen, hängt damit zusammen, dass das Personal an diesen Tagen ohnehin knapper ist als unter der Woche. „Wir wollten ein stabiles Angebot im gesamten Stadtgebiet aufrecht erhalten“, sagte eine S-Bahn-Sprecherin. Zum Flughafen gebe es mit der S9 und den Regionalbahnen ausreichend Alternativen.

Die Änderungen sollen voraussichtlich bis Ende des Jahres gelten, bei einer Besserung der Lage aber schon vorher aufgehoben werden. Laut S-Bahn Berlin wird das Angebot durch die Streichungen um etwa drei Prozent gekürzt. Genauere Hintergründe zu den zahlreichen Krankmeldungen konnte die S-Bahn-Sprecherin auf Nachfrage nicht benennen. Auch ob es einen Zusammenhang zur eingeführten 3G-Regel am Arbeitsplatz oder den insgesamt steigenden Corona-Erkrankungen gibt, konnte nicht bestätigt werden.

Fahrgastverband lobt „offene Kommunikation der S-Bahn Berlin“

Dass das Fahrtenangebot eingeschränkt werden müsse, sei grundsätzlich natürlich nicht schön, sagte Jens Wieseke, Sprecher des Fahrgastverbands Igeb. Zugleich lobte er aber „die offene Kommunikation der S-Bahn zu den Problemen mit dem Krankenstand“.

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) gibt es derzeit noch keine Probleme durch viele Krankmeldungen. Zwar berichtet Sprecherin Petra Nelken ebenfalls von einem erhöhten Krankenstand, der sei aber typischerweise durch die Jahreszeit bedingt. Hinzukomme, dass bei vielen Eltern Kinder krank seien. Aber: „Wir haben keinen Krankenstand, bei dem wir sagen müssten, wir stellen eine Linie ein“, so Nelken. Das gelte für alle Bereiche, also Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen. Dem Vernehmen nach soll die Impfquote bei Mitarbeitenden der BVG hoch sein.

Straßenbahn in Potsdam fährt nur nach Ferienfahrplan

Die S-Bahn Berlin ist dennoch nicht das einzige betroffene Verkehrsunternehmen. Am Dienstag hatte bereits die ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH mitgeteilt, dass ab der kommenden Woche das Angebot bei Straßenbahnen reduziert werden muss, dort soll fürs Erste der Ferienfahrplan gelten.

Grund sind auch hier fehlende Mitarbeiter. So werde die grundsätzlich angespannte Personalsituation aktuell durch zunehmende coronabedingte Abwesenheiten von Fahrerinnen und Fahrern, beispielsweise durch Quarantäneregelungen in deren Umfeld, verschärft, teilte das Unternehmen mit. Trotz des Einsatzes aller verfügbaren Mitarbeitenden „kann die Besetzung aller Fahrdienste nicht mehr vollständig abgesichert werden“.

„Pandemiebedingte Sonderfahrpläne“ gibt es auch in Cottbus

Ähnlich ist die Situation in Cottbus. Es gebe Krankheits- aber auch Quarantänefalle, dazu kommen gewöhnliche Urlaube, sagt ein Sprecher der Cottbusverkehr GmbH. „Dementsprechend ist unsere Personaldecke extrem dünn geworden.“ Für drei Linien gelten deshalb seit dieser Woche „pandemiebedingte Sonderfahrpläne“ mit dünneren Takten.

Für die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (Odeg) spricht Geschäftsführer Roland Pauli ebenfalls von angestiegenen Krankmeldungen, vor allem seit das neue Infektionsschutzgesetz – also auch die 3G-Regel am Arbeitsplatz – in Kraft getreten ist. „Bis jetzt können wir das Angebot nach Regelfahrplan aber noch erbringen“, sagt er. Durch technische Probleme bei Fahrzeugen hatte es allerdings seit Anfang November Einschnitte auf den Regionalexpress-Linien RE4 und RE2 gegeben. Bei vier Doppelstockzügen hatten sich während der Fahrt die Motoren abgeschaltet, sie mussten deshalb aus dem Betrieb genommen werden. „Grundsätzlich haben wir die Ursache der Störung noch nicht abschließend gefunden“, sagt Pauli. Die positive Nachricht: „Wir wissen aber, wie wir sie erstmal beseitigen können.“

Die Behebung der Störung dauere pro Fahrzeug jedoch recht lange, erklärt Pauli. Bei drei Zügen ist sie inzwischen erfolgt, der vierte Zug soll am Wochenende fertig werden. Geplant ist, dass die Bahnen dann ab kommenden Montag wieder regulär fahren. Auf der Linie RE2 fallen noch bis Ende der Woche zwei Verstärkerfahrten im Berufsverkehr aus, der RE4 konnte mehrere Wochen nur verkürzt fahren. Pendlerinnen und Pendler – die Linien verbinden das Brandenburger Umland mit Berlin – mussten darüber hinaus häufige Verspätungen oder weitere Zugausfälle hinnehmen.