Impfungen in Berlin

Verlängerte Öffnungszeiten im Impfzentrum Tegel

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Charlotte Bauer, Nicole Dolif, Julian Würzer, Alexander Rothe
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Impfwillige in Berlin haben es nicht einfach, erhalten teilweise erst im Januar einen Termin. Wo hakt es und welche Lösungsansätze gibt es?

Berlin. Jetzt soll es schnell gehen mit den Impfungen: Vor dem Hintergrund rasant steigender Fallzahlen hat die Nachfrage nach Immunisierungen stark zugenommen – in den vergangenen zwei Wochen gab es allein in Berlin 50.000 Erstimpfungen. Doch der begehrte Stich ist nicht einfach zu erhalten.

Da Termine in den Impfzentren zeitnah nicht verfügbar sind, Impfbusse nicht wie geplant erscheinen oder sich Impfwillige vor den Impfstationen stundenlang anstellen müssen, ohne Gewissheit, dass sie überhaupt an die Reihe kommen.

Schon vor dem Start des Impfbusses um neun Uhr bildete sich vor dem Rathaus in Charlottenburg an der Otto-Suhr-Allee am Dienstagmorgen eine lange Schlange. Trotz des Regens waren Hunderte Menschen gekommen, um sich ihren Impfschutz abzuholen. Seit mehr als einer halben Stunde steht Marina Berg schon in der Schlange, sagt sie. „Ich hoffe, dass ich überhaupt noch dran komme“, so die 38-Jährige. Ihre zweite Impfung ist jetzt seit genau sechs Monaten her. Eigentlich wollte sie sich ihre Auffrischimpfung wieder im Impfzentrum an der Messe holen, doch da hätte sie erst für Februar einen Termin bekommen. „Solange wollte ich nicht warten, vor allem weil der Impfschutz ja nachlässt“, sagte Berg.

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Corona Berlin: Längere Öffnungszeiten im Impfzentrum Tegel

Termine in den beiden Berliner Impfzentren Tegel und Messe sind für dieses Jahr ausgebucht und teilweise erst Ende Januar verfügbar. Bis Anfang November seien die Kapazitäten nicht ausgeschöpft worden und plötzlich, als das Bewusstsein für Corona wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein drang, sei die Nachfrage explodiert, erklärt Karsten Hintzmann, Sprecher vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), das das Impfzentrum Tegel betreibt. Seit dem 18. November habe sich die Zahl der Impfungen verdoppelt.

Aktuell arbeite man daran, die Kapazitäten weiter hochzufahren. Mittlerweile sind es laut Hintzmann deutlich mehr als 1000 Mitarbeitende, die in beiden Impfzentren aushelfen. Die Kapazitäten beziehen sich aber nicht nur auf das Personal: „Wir steigern die Verfügbarkeiten von 3800 auf 4600 Impfungen, indem wir ab morgen längere Öffnungszeiten haben“, verrät Hintzmann. So werde der Feierabend von 17.15 Uhr auf 19.15 Uhr verschoben. Das sind 14 Stunden mehr in der Woche.

Impfstation im Alexa: Ticketsystem gegen Warteschlangen

Neben den Impfzentren gibt es mehrere Impfstationen, die sich in stark frequentiert besuchten Orten befinden. So befindet sich eine im Kaufhaus Alexa, wo teilweise zwischen 600 und 800 Menschen im ersten Obergeschoss auf eine Impfung warten. Mittes stellvertretender Bezirksbürgermeister Ephraim Gothe (SPD) berichtet von Menschen, die bereits um 7 Uhr anstünden, obwohl die Impfstation erst um 10 Uhr öffne. An vielen Tagen in den vergangenen Wochen habe man bis nach 20 Uhr geimpft.

Angesichts der langen Warteschlangen – zwischen vier und fünf Stunden Wartezeit – plane man die Einführung eines Ticketsystems. „Wir wollen auf ein Nummernsystem ähnlich wie im Bürgeramt umstellen“, sagte Gothe der Berliner Morgenpost. Er erhofft sich davon eine Verbesserung der bisherigen Situation. Mit dem Nummernsystem könnten die Impfwilligen besser abschätzen, wann sie mit der Impfung dran seien und müssten nicht Stunden in der Warteschlange verweilen. Laut Alexa-Chef Oliver Hanna sollen die ausgegebenen Tickets fälschungssicher sein und die Nummern über einige Anzeigen im Kaufhaus angezeigt werden. Vergeben sollen laut Gothe bis zu 500 Nummern täglich. Das sei ein Pensum, das man mit den drei Impfkabinen im Alexa abarbeiten könne. Ab wann das Ticketsystem eingeführt werden soll, ist noch unklar.

Ab dem 1. Dezember wird nach Angaben des Bezirksamts außerdem nur noch der Impfstoff Moderna verimpft. Für die kommenden Tage und Wochen will Gothe zunächst erst einmal abwarten, wie der Moderna-Impfstoff angenommen wird. Sollte die Nachfrage weiterhin hoch bleiben, überlege man eine Vergrößerung der Impfstation von drei auf sechs Kabinen, so Gothe.

GEW fordert Priorisierung von Lehrkräften

Angesichts der geringen Kapazitäten in den Impfstellen wird auch diskutiert, wem der Impfstoff zuerst verabreicht werden sollte. Bisher gibt es keine Priorisierungen. „Wir fordern ein extra Angebot für die Lehrer und Erzieher, damit sie jetzt schnell geimpft werden können“, sagt Tom Erdmann, Berliner Vorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW. Die Inzidenzen unter den Schülern sind weiterhin dramatisch hoch – und gleichzeitig sinkt bei den Lehrkräften und Erziehern der Impfschutz. Denn die meisten von ihnen sind im Mai und Juni geimpft worden und bräuchten nun dringend eine Booster-Impfung.

Doch auch für diese Gruppe sind Termine nur schwer zu bekommen. „Es kann ja nicht sein, dass die Lehrkräfte stundenlang in einer Schlange stehen und auf eine Impfung warten“, so Erdmann. Das sei ein unhaltbarer Zustand. Laut GEW gebe es in anderen Bundesländern mobile Impfteams, die extra in die Schulen kommen oder auch das Angebot einer „Fast Lane“ in den Impfzentren. Tatsächlich arbeite man auch in der Bildungsverwaltung an einem Angebot. „Bei uns laufen gerade Abstimmungen mit dem arbeitsmedizinischen Dienst der Charité“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), „unser Ziel ist es, dem Schulpersonal ab Januar sukzessive Impfmöglichkeiten anzubieten.“