Bahnverkehr

Baustart: In 90 Minuten mit der Bahn von Berlin nach Stettin

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In Angemünde beginnen die Arbeiten der Deutschen Bahn für den Ausbau der Strecke nach Stettin.

In Angemünde beginnen die Arbeiten der Deutschen Bahn für den Ausbau der Strecke nach Stettin.

Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben

Die Deutsche Bahn baut die Bahn-Strecke zwischen Angermünde und Stettin aus und elektrifiziert sie. Davon profitieren auch Berliner.

Angermünde. Für Berlinerinnen und Berliner soll es künftig in nur 90 Minuten mit der Bahn ins polnische Stettin gehen. Dafür hat die Deutsche Bahn am Dienstag mit dem Ausbau der Strecke zwischen Angermünde (Uckermark) und der polnischen Grenze begonnen. Der Abschnitt wird dabei für Tempo 160 fit gemacht und elektrifiziert, außerdem soll er künftig durchgehend über zwei Gleise verfügen. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach beim Baustart von einem Tag, an dem „wir wirklich einen großen Schritt nach vorne gehen für die Verbindung zwischen zwei Metropolregionen“, sowie für klimaneutrale Mobilität.

Der Bund, der mit 380 Millionen Euro den Hauptteil der Kosten trägt, sowie die beiden Länder Berlin und Brandenburg investieren insgesamt knapp eine halbe Milliarde Euro in das Projekt. Der Ausbau soll dabei nicht nur die Verkehrsbeziehung zwischen Deutschland und Polen, sondern auch zwischen Skandinavien, Zentral- und Westeuropa verbessern. Denn der zweigleisige Lückenschluss soll verschiedene Kernnetzkorridore des transeuropäischen Verkehrsnetzes besser miteinander verknüpfen. Dabei geht es etwa um Strecken, die von der Ostsee bis zur Adria oder von Nordeuropa bis zum Mittelmeer führen.

Bahnstrecke nach Stettin: Fünf Bahnhöfe werden modernisiert

Auf deutscher Seite wird bei dem Vorhaben eine 49 Kilometer lange Strecke angegangen, die in zwei Abschnitten ausgebaut wird. Begonnen wird mit dem Teil zwischen Angermünde und Passow, wo unter anderem 740 Meter Überholgleise und neue Oberleitungen entstehen sollen und die Bahnanlagen für die höhere Geschwindigkeit erneuert werden. Bislang kann auf der Strecke nur mit Tempo 120 gefahren werden.

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Der zweite Abschnitt zwischen Passow und der Grenze, auf dem ab 2024 gebaut werden soll, erhält ein zweites Gleis und wird erstmals mit Oberleitungen ausgerüstet, sodass der Bahnverkehr künftig nicht mehr auf Dieselloks beruhen muss. Während der Bauarbeiten wird dieser Abschnitt komplett gesperrt, so will die Bahn schneller fertig werden. Bei dem Gesamtprojekt werden zudem fünf Bahnhöfe modernisiert. Auf polnischer Seite wird parallel zu den Arbeiten in Brandenburg der verbliebene Streckenteil bis nach Stettin ausgebaut.

Deutsche Bahn will Ausbau 2025 abschließen

Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) betonte, es gehe bei dem Projekt nicht nur um touristische Verkehre, sondern der Ausbau sei für die gesamte Entwicklung der Region wichtig. Auch Pendlerinnen und Pendler sollen profitieren, von der Uckermark wird die Anbindung nach Berlin ebenfalls schneller. „Mit dem zweigleisigen Ausbau und der Elektrifizierung schließen wir endlich eine Lücke im transeuropäischen Verkehrsnetz, werten die Grenzregionen an der Oder auf und machen die Direktverbindung zur polnischen Ostseeküste deutlich attraktiver“, so Günther. Auch die Fähren nach Schweden seien in Zukunft schneller erreichbar.

Die Bahn will das Projekt 2025 abschließen – ein Jahr eher als ursprünglich geplant. „„Das ist eine gute Botschaft, dass wir sehr, sehr schnell bauen“, sagte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär des geschäftsführenden Bundesverkehrsministers. Neben dem Personenverkehr soll auch der Güterverkehr von dem Ausbau profitieren und aus der Region schneller zum Hafen in Stettin gelangen.

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