Kriminalität

Brüder nach Banküberfall in Neukölln vor Gericht

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Der Angeklagte Jihad W. zwischen seinen Anwälten beim Prozessauftakt am Freitag.

Der Angeklagte Jihad W. zwischen seinen Anwälten beim Prozessauftakt am Freitag.

Foto: Carsten Koall / dpa

Mustapha und Jihad W. sollen im Mai eine Bank in Neukölln überfallen haben. Jetzt stehen die 19 und 21 Jahre alten Brüder vor Gericht.

Berlin. Viel deutete darauf hin, dass der Weg von Mustapha W. ihn einmal in die großen Boxkampfarenen diese Landes führen würde. Mit 15 Jahren hielt er seinen ersten Pokal in der Hand und galt als große Nachwuchshoffnung. Vor drei Jahren trat er bei den Junioren-Europameisterschaften in Russland an. Nun scheint der Traum geplatzt, denn seit Freitag findet sich der heute 19-Jährige auf der Anklagebank des Berliner Landgerichts wieder. Dort müssen sich Mustapha und sein zwei Jahre älterer Bruder Jihad für einen schiefgelaufenen Banküberfall vor einem halben Jahr im Süden Neuköllns verantworten.

Der erste Verhandlungstag dauerte nur wenige Minuten und endete nach der Verlesung der Anklageschrift. Demnach haben die beiden Brüder und ein unbekannter dritter am Vormittag des 26. Mai unweit der Filiale der Deutschen Bank an der Johannisthaler Chaussee in Gropiusstadt auf eine Geldlieferung gewartet. Um 10.23 Uhr sollen sie dann zugeschlagen haben.

Sie seien den Boten in die Bank gefolgt, wo Mustapha W. sich „entschlossen“ mit einer Schusswaffe in der Hand auf den Geldboten zubewegt haben soll. Der Versuch, diesem seine Pistole zu entreißen, scheiterte.

Mustapha W. soll auf Boten geschossen haben

Nach einer kurzen Rangelei soll Mustapha W. seine Waffe auf die Brust des Boten gerichtet und abgedrückt haben, um ihn „zu töten, um so an die Geldbehälter zu gelangen“, wie es in der Anklage weiter heißt. Jihad W. soll derweil Reizgas auf den Mann gesprüht haben. Aber auch ihm gelang es nicht, den Geldbehälter an sich zu nehmen, der laut Staatsanwalt Martin Glage 350.000 Euro enthielt.

Der Bote schoss zurück und traf Mustapha W. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot und Spezialeinsatzkräften an und nahm den verletzten damals noch 18-Jährigen vor der Bank fest. Der zweite Täter flüchtete ohne Beute. Jihad W. wurde noch am Abend des Tattages an der Graefestraße in Kreuzberg festgenommen.

Anklage auch wegen versuchten Mordes

Beide sind wegen versuchten schweren Raubes und gefährliche Körperverletzung angeklagt. Mustapha W. muss sich außerdem wegen versuchten Mordes verantworten, weil er versucht haben soll, „einen Menschen aus Habgier zu töten“. Während er seit der Tat in Untersuchungshaft sitzt, ist sein älterer Bruder seit Mitte Juli wieder frei.

Der Prozess soll am kommenden Mittwoch fortgesetzt werden. Es gilt, herauszufinden, wie aus dem einst erfolgreichen Nachwuchsboxer Mustapha W. ein mutmaßlicher Bankräuber wurde. Ob sich die Brüder selbst äußern werden, war am Freitag noch unklar. Da beide Angeklagte zum Tatzeitpunkt 18 und 20 Jahre alt und damit Heranwachsende waren, findet der Prozess vor einer Jugendkammer statt. Insgesamt sind 14 Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil soll am 11. Februar fallen.

Banküberfälle beschäftigen die Justiz immer wieder

Immer wieder werden in Berlin Banken oder Geldboten überfallen. Am 19. Februar 2021 hatten es mehrere als Müllwerker verkleidete Männer auf einen Transporter abgesehen, der eine Bank auf dem Kurfürstendamm belieferte. Sie erbeuteten knapp 650.000 Euro. Mit dem Clan-Mitglied Mohamed Remmo (31) wurde einer der Täter gefasst und Anfang September vom Berliner Landgericht zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Dort läuft außerdem der Prozess gegen Suphi S., der gemeinsam mit mindestens einem Mittäter am 1. Februar eine Commerzbank-Filiale an der Blissestraße in Wilmersdorf überfallen haben soll. Der 40-Jährige muss sich seit Ende August vor der Justiz verantworten. Auch ihm werden Verbindungen zum Clan-Milieu nachgesagt.