Gesundheit

Große Nachfrage: Berlin weitet seine Impfangebote aus

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dpa
Eine Frau geht im Corona-Impfzentrum zu einer Impfkabine.

Eine Frau geht im Corona-Impfzentrum zu einer Impfkabine.

Foto: dpa

In den Arztpraxen stehen die Telefone nicht mehr still. Wieder deutlich mehr Menschen wollen sich impfen lassen. Aber Termine sind kurzfristig kaum zu bekommen.

Berlin. Arztpraxen und Impfzentren kommen nicht hinterher: Corona-Impfungen sind derzeit in Berlin so gefragt, dass bei vielen Ärzten das Telefon nicht mehr still steht. Kurzfristig einen Impftermin zu bekommen, ist schwierig. Die Senatsverwaltung für Gesundheit stellt jedoch Besserung in Aussicht: Die Kapazitäten sollen schon bald deutlich ausgeweitet werden. Geplant sind mehrere neue Impfstellen, nicht zuletzt im Ostteil Berlins, wo es kein Impfzentrum mehr gibt.

Berlinweit bekommen nicht zuletzt niedergelassene Ärzte zu spüren, dass die Zahl derjenigen, die sich impfen lassen wollen, hochgeschnellt ist. "Die Nachfrage ist sehr groß. Wir wissen von Praxen, die ihren Terminkalender bereits bis in den Januar füllen", sagte die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin, Dörthe Arnold, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Vor vielen Praxen sei es in den vergangenen Tagen bereits zu Warteschlangen gekommen.

"Das Hauptproblem ist, dass sich sehr viele Patienten jetzt sehr schnell impfen lassen wollen, aus den verschiedensten und auch nachvollziehbaren Gründen", sagte Arnold. "Die Telefone stehen nicht still." Kurzfristige Terminvereinbarungen für die kommenden Tage seien aber nicht realistisch.

Dabei habe die Zahl der Impfungen in den Arztpraxen zuletzt wieder erheblich angezogen. "Wir haben bisher 173.000 Auffrischimpfungen in den Berliner Praxen im November, im Oktober waren es knapp 57.000", sagte Arnold. "Man kann davon ausgehen, dass wir alleine bei den Auffrischimpfungen Ende des Monats die Summe aus dem Oktober rund vervierfacht haben."

Auch bei den Erstimpfungen gebe es eine klare Tendenz nach oben: "Im Oktober waren es 33.627 Erstimpfungen und im November bereits 47.623." Bis Ende des Monats hält die KV berlinweit 50.000 bis 55.000 Erstimpfungen für denkbar.

Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz (SPD) hatte am Mittwoch im Interview mit dem RBB-Inforadio eingeräumt, dass Angebot und Nachfrage bei den Impfungen in Berlin auseinander klafften: "Ich weiß, dass die Nachfrage im Moment noch schneller steigt als das Angebot." Von den ehemals sechs Berliner Impfzentren sind allerdings nur noch zwei geöffnet: auf dem Messegelände in Berlin-Charlottenburg und auf dem Areal des ehemaligen Flughafens Tegel ganz im Nordwesten der Stadt.

Deshalb sind nun weitere Impfstellen geplant. Im Einkaufszentrum Ring-Center an der Frankfurter Allee soll am Freitagmorgen eine neue Impfstelle den Betrieb aufnehmen, in der bis zu 1000 tägliche Impfungen möglich sein sollen. Sie ersetzt eine frühere, deutliche kleinere Stelle, in der es rund 400 Impfungen pro Tag gegeben hatte, wie ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit am Donnerstag sagte. Die neue Impfstelle im dritten Stock des Einkaufszentrums soll montags bis samtags und auch an den verkaufsoffenen Sonntagen (5. und 19. Dezember) geöffnet sein, wie die Gesundheitsverwaltung am Donnerstag mitteilte.

Am Montag soll dann eine weitere Impfstelle im Freizeitforum Marzahn mit einer Kapazität von 600 täglichen Impfungen starten und am Freitag außerdem eine Impfstelle an der Trabrennbahn in Berlin-Karlshorst, in der 1000 Immunisierungen pro Tag möglich sind. Alle drei Impfstellen liegen im Ostteil Berlins. Die beiden Impfzentren, die es dort gegeben hatte, waren bereits im Sommer geschlossen worden.

In den beiden Corona-Impfzentren und den Impfstellen kommt laut Gesundheitsverwaltung der Impfstoff Spikevax von Moderna zum Einsatz, auch bei bereits gebuchten Terminen für eine Impfung mit Cominaty von Biontech. Dagegen können sich Berlinerinnen und Berliner unter 30 und Schwangere den Angaben zufolge mit Biontech impfen lassen wie von der Ständigen Impfkommission empfohlen.

Laut dem täglichen Lagebericht des Senats gab es in Berlin bisher insgesamt 5.414.567 Impfungen. 68,8 Prozent der Menschen in Berlin gelten als vollständig geimpft, 71,2 Prozent haben eine erste Impfung erhalten. Die Corona-Inzidenz in Berlin ist nach wie vor auf hohem Niveau. Nach den Daten des Robert Koch-Instituts lag der Wert am Donnerstag bei 344,8, am Tag davor bei 348,6. Die Zahl gibt an, wie viele Menschen sich pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen nachweislich mit dem Virus infiziert haben.

Die Hospitalisierungsinzidenz, die angibt, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner nach einer Corona-Infektion innerhalb von einer Woche ins Krankenhaus eingewiesen wurden, ist nach dem Lagebericht von 3,4 auf 3,8 gestiegen.

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( dpa )