Gesundheit

Brandenburg hat dritthöchste Inzidenz: Scharfe Regeln drohen

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dpa
Ein medizinischer Mitarbeiter entnimmt einem Mann einen Nasenabstrich.

Ein medizinischer Mitarbeiter entnimmt einem Mann einen Nasenabstrich.

Foto: dpa

In Brandenburg klettert die Zahl der Corona-Fälle auf einen Höchststand. In einigen Regionen mit sehr hohen Inzidenzen drohen deshalb Ausgangsbeschränkungen. Krankenhäuser kommen bei der Versorgung von Covid-Patienten kaum noch hinterher.

Potsdam. In Brandenburg schnellen die Corona-Ansteckungen weiter in die Höhe. Das Land hat mit seiner Sieben-Tage-Inzidenz den dritthöchsten Wert im Ländervergleich. Die Zahl neuer Corona-Ansteckungen je 100.000 Einwohner in einer Woche stieg landesweit auf 655,7 nach 465,9 vor einer Woche, wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte. Damit liegt Brandenburg inzwischen vor Bayern. Das geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts hervor. Nur Sachsen (1074,6) und Thüringen (773,2) haben einen höheren Wert. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Brandenburg 3813 neue Infektionen - das ist ein Höchstwert seit Beginn der Pandemie. Nach Einschätzung der Landeskrankenhausgesellschaft hat sich die Lage in den Kliniken bei der Versorgung von Covid-Patienten deutlich verschlechtert.

Die Zahl der Hotspot-Regionen mit drohenden Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte wächst. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Donnerstag nicht nur in den Kreisen Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und Dahme-Spreewald über dem Wert 750, sondern laut Ministerium auch in Frankfurt (Oder) und dem Kreis Teltow-Fläming. Nach fünf Tagen über diesem Wert gibt die jeweilige Kommune Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr bekannt. Die Zahl neuer Corona-Ansteckungen je 100.000 Einwohner in einer Woche ist in Elbe-Elster weiter mit 1474 am höchsten.

Die Situation in den Brandenburger Krankenhäusern wird wegen der Zunahme an Covid-Patienten immer angespannter. "Die Lage hat sich deutlich verschlechtert, es wird langsam dramatisch", sagte der Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft, Michael Jacob am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. In mehreren Kreisen sind nur noch wenige Intensivbetten frei, laut Divi-Intensivregister in Elbe-Elster und Märkisch-Oderland nur jeweils ein Bett.

Vor allem im Süden sei die Lage sehr ernst, dort kämen die Kliniken an die kritische Grenze bei der Patientenversorgung, so Jacob. Er rechnet damit, dass wie in der dritten Corona-Welle der Katastrophenfall ausgerufen werden könnte. "Ich sehe, dass wir darauf zulaufen." In diesem Fall könnte der Katastrophenschutz zur Unterstützung mit eingesetzt werden.

Durch Verlegungen von Covid-Patienten in andere Krankenhäuser innerhalb Brandenburgs ist seinen Angaben zufolge der Rettungsdienst stark belastet. Die Zusammenarbeit zwischen den Kliniken, den Leitstellen und dem Rettungsdienst laufe aber sehr gut.

Dass Brandenburg durch das sogenannte Kleeblatt-Konzept Patienten aus anderen Ostbundesländern aufnehmen wird, hält der Geschäftsführer eher für unwahrscheinlich. Um Engpässe in der intensivmedizinischen Behandlung zu vermeiden, sollen bis zum Wochenende mehrere Dutzend Patienten aus den stark von Corona betroffenen Regionen im Osten und Süden in andere Teile Deutschlands verlegt werden. Zum Kleeblatt Ost gehören Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin. Die Ostländer seien selber massiv belastet - untereinander werde es deshalb schwierig mit der Verlegung, sagte Jacob.

Von der Politik forderte der Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft Entlastungen. Dabei gehe es etwa um einen finanziellen Ausgleich für Kliniken beim Freihalten der Betten für Covid-Patienten. Auch die Belastung mit Bürokratie wie etwa Strukturprüfungen bei Krankenhäusern müssten abgebaut oder ausgesetzt werden. Zudem seien geforderte Testungen für alle Mitarbeitenden der Branche nicht umzusetzen. Das sei "organisatorisch ein Wahnwitz".

In Brandenburg sind 61,8 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Landesweit steigt laut Gesundheitsministerium derzeit die Nachfrage nach Corona-Schutzimpfungen - besonders nach Auffrischungsimpfungen. Insgesamt wurden 3.268.670 Covid-19-Impfungen verabreicht. Das sind 24.818 Impfungen mehr als am Vortag gemeldet und 94.328 mehr im Vergleich zur Vorwoche. Insgesamt 187.356 Menschen haben mit Stand Mittwoch nach Daten des RKI eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Mit einer Impftour durch Kulturstätten unterstützt das Kulturministerium Möglichkeiten zu Corona-Schutzimpfungen. Schon vor dem Start am Samstag sind nach Ministeriumsangaben die Termine für die erste Station in der Waschhaus-Arena in Potsdam ausgebucht. Die Impftour macht am 4.12 in Cottbus und am 11.12 in Perleberg Station.

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( dpa )