Bauwirtschaft

Auftragslage im Bau in Berlin und Brandenburg erholt sich

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Isabell Jürgens
In der Neuköllner Gropiusstadt drehen sich die Kräne.

In der Neuköllner Gropiusstadt drehen sich die Kräne.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Herbstkonjunkturumfrage der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg: Preise, Materialengpässe und Fachkräftemangel bereiten Sorgen.

Berlin. Die Corona-Krise ist auch für die Bauunternehmen in Berlin und Brandenburg noch längst nicht vorbei. Zwar hat sich die Auftragslage im Vergleich zum Herbst 2020 verbessert, wie aus der diesjährigen Herbstkonjunkturbefragung der Fachgemeinschaft Bau (FG Bau) hervorgeht. Demnach hat in der aktuellen Konjunkturumfrage der Fachgemeinschaft jedes fünfte Mitgliedsunternehmen angegeben, wieder mehr Aufträge zu erhalten als noch vor einem Jahr. Allerdings machen der Baubranche in der Region neben den hohen Materialpreisen zunehmend auch der Fachkräftemangel zu schaffen. Dauerproblem bleibt auch die mangelnde Leistungsfähigkeit der Berliner Verwaltung.

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Dämmstoffe, Holz und Baustahl besonders verteuert

In der Umfrage, die Ende Oktober/Anfang November durchgeführt wurde, gaben 42 Prozent der Befragten an, steigende Materialpreise seien ihr größtes Problem. Auf die Frage, welche Baumaterialien sich besonders verteuert hätten, nannten die meisten Dämmstoffe (55 Prozent), Holz (51 Prozent) und Baustahl (44 Prozent).

Auf Rang zwei der größten Probleme in der Corona-Pandemie folgen Materialengpässe (33 Prozent). „Die Materialpreise sind im Jahr 2021 in rasantem Tempo gestiegen, und wir haben auch mit Materialengpässen zu kämpfen gehabt“, sagte Klaus-Dieter Müller, Präsident der Fachgemeinschaft Bau und Geschäftsführer der K. Rogge Spezialbau GmbH bei der Vorstellung der Zahlen am Donnerstag.

FG Bau: „Knappheit teils künstlich herbeigeführt“

„Die Ursachen sind vielfältig“, so Müller weiter. Zum einen habe es Lieferschwierigkeiten etwa beim Holz oder Metall durch eine Verknappung auf dem Weltmarkt gegeben. In anderen Bereichen hätten Unternehmen viel Material auf Vorrat gekauft und so Baustoffe etwa im Elektro- und Sanitärbereich zum Teil künstlich verknappt. „Selbst wenn ein Gewerk die Materialknappheit nicht direkt betroffen hat, konnte es trotzdem zu Verzögerungen auf der Baustelle kommen. Die Gewerke sind miteinander verzahnt – wenn zum Beispiel Elektrokabel fehlen, kann auch der Trockenbau nicht weitergehen, da diese in die Trockenbauwände integriert werden müssen“, erläuterte Müller das Problem.

Große Sorgen bereiten den Unternehmen auch die mangelnden Mitarbeiterkapazitäten (13 Prozent) und fehlende Genehmigungen seitens der Behörden (neun Prozent). Im Vergleich zur Frühjahrsbefragung hat sich die Lage bei den behördlichen Genehmigungen damit aber immerhin deutlich verbessert: Anfang des Jahres hatten noch 19 Prozent der Unternehmen unter der mangelnden Leistungsfähigkeit der Verwaltung zu leiden.

Angst vor der vierten Welle

Offenbar, so Klaus-Dieter Müller, Präsident der Fachgemeinschaft Bau, seien in den Sommermonaten angesichts der deutlich entspannteren Corona-Lage viele Behördenmitarbeiter aus dem Homeoffice zurück geholt worden, wo diese häufig ohne digitale Endgeräte arbeiten mussten. „Wir hoffen, dass die Behörden inzwischen besser gerüstet sind und die vierte Welle nun nicht wieder zu einem Leistungsabfall führt“, sagte Müller.

„Damit die Bauwirtschaft ein Konjunkturmotor bleibt, muss die Verwaltung in beiden Bundesländern, vor allem aber in Berlin, dringend technisch und personell besser ausgestattet werden“, ergänzte Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der FG Bau Berlin und Brandenburg, die nach eigenen Angaben 900 Unternehmen vertritt und damit der größte Bauarbeitgeber- und Bauwirtschaftsverband in der Region ist.

Als Beispiel für das Berliner Missmanagement nannte Schreiner die sogenannte Schulbauoffensive des rot-rot-grünen Berliner Senats. „Vor fünf Jahren wurden 60 Neubauschulen geplant, lediglich sechs davon sind fertig geworden“, sagte Schreiner. Die prognostizierten Baukosten seien in diesem Zeitraum von ursprünglich berechneten 5,5 Milliarden auf 13 Milliarden Euro hochgeschnellt.

68 Milliarden Investitionsrückstau allein bei den Versorgungsunternehmen

Nicht viel besser sehe es im Tiefbau aus. Nach einer Umfrage des Vereins Infrest im Juli dieses Jahres unter deren Mitgliedern haben allein die großen Versorger der Stadt – darunter Berliner Wasserbetriebe, Telekom, Netzgesellschaft, Berliner Verkehrsbetriebe und Stromnetz – einen Investitionsrückstau von 68,3 Millionen Euro durch die mangelnde Leistungsfähigkeit der Berliner Genehmigungsbehörden angegeben.

Es dürfe nicht sein, sagte Manja Schreiner weiter, dass die Genehmigung zur Einrichtung einer Baustelle in Berlin acht Wochen bis anderthalb Jahre dauere: „Alle diese Faktoren tragen dazu bei, dass sich Bauvorhaben immer mehr verzögern und vor allem verteuern.“ Dies werde dann zu Unrecht häufig den Bauunternehmen angelastet.