Architektur

Ihre Meinung ist gefragt: Wählen Sie Berlins besten Neubau

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Isabell Jürgens
Nimmt am Wettbewerb teil: Die Wohnanlage „Charlie Living“ an der Zimmerstraße in Mitte.

Nimmt am Wettbewerb teil: Die Wohnanlage „Charlie Living“ an der Zimmerstraße in Mitte.

Foto: Graft Charlie Living

Der Bund Deutscher Architekten schreibt den BDA Preis Berlin für besondere baukünstlerische Leistungen“ aus. Wählen Sie Ihren Favoriten

Berlin. Wir wohnen und arbeiten in ihnen, gehen in ihnen einkaufen, genießen in ihnen unsere Freizeit, lassen uns in ihnen gesund pflegen oder ausbilden. Manchmal ärgern wir uns über ihr monotones Äußeres oder bewundern staunend ihren kühnen Schwung: Die Rede ist von den rund 482.300 Gebäuden, die nach Angaben des Liegenschaftskatasters Alkis in Berlin stehen und in ihrer Gesamtheit erst das bilden, was wir Großstadt nennen. Die wenigsten von uns bekommen allerdings die Gelegenheit, als Bauherren, Architekten oder Stadtplaner selbst Einfluss auf das zu nehmen, was uns tagtäglich umgibt. Doch jetzt ist wieder Ihre Meinung gefragt.

112 Bauten stehen zur Wahl

Alle drei Jahre schreibt der Bund Deutscher Architekten (BDA) den BDA Preis Berlin für „besondere baukünstlerische Leistungen“ aus. Dabei durften Arbeiten eingereicht werden, die in Berlin errichtet und nach dem 1. Januar 2016 fertiggestellt wurden oder nun unmittelbar vor der Vollendung stehen. Und wie zuletzt 2018 ist jetzt nicht nur die international besetzte Fachjury aus Architektinnen und Architekten, Theoretikerinnen und Theoretikern sowie Bauherrinnen und Bauherren gefragt, ihren Favoriten zu wählen. Alle Architekturinteressierten sind aufgerufen, unter den abgegebenen 112 Projekten dasjenige auszuwählen, das sich „unter anderem durch die städtebauliche Interpretation, den architektonischen Gesamtausdruck, die besondere Raumwirkung, das soziale Engagement oder die ökologische Konzeption“ auszeichnet, wie es im Auslobungstext heißt.

Bis zum 5. Januar 2022 ist die Publikums-Abstimmung möglich. Die zu bewertenden Arbeiten reichen von der sogenannten „Zauberbude“, einem Holzpavillon auf zehn Quadratmetern Grundfläche für eine Grundschule, über die Generalinstandsetzung der Neuen Nationalgalerie bis hin zu neuen Großsiedlungen.

Auswahl der Favoriten per Mausklick

Die Abstimmung erfolgt online über das Portal www.bda-preis-berlin.de, auf dem alle für den BDA Preis Berlin 2021 zugelassenen Projekte in Bild und Text vorgestellt werden. Für den Publikumspreis können pro Person jeweils bis zu drei Bauten vorgeschlagen werden. Das Projekt, das bis zum 5. Januar 2022 die meisten Stimmen erhält, wird ausgezeichnet.

Abstimmen und gewinnen

Der BDA Berlin verlost unter allen Teilnehmenden der Abstimmung drei Gutscheine im Wert von je 150 Euro für Aufführungen der Deutschen Oper Berlin verbunden mit einer Einladung zur Preisverleihung am 20. Januar 2022 zum BDA Preis Berlin 2021. Die Berliner Morgenpost wird in den kommenden Tagen in loser Folge eine Auswahl der zu bewertenden 112 Gebäude vorstellen. Zur besseren Orientierung haben wir die Beiträge in die vier Kategorien „Wohnen“, „Bauen im Bestand“, „Arbeiten“ sowie „Kultur, Bildung, Infrastruktur“ unterteilt.

Übrigens: Der BDA Publikumspreis 2018 wurde den Architekten vom Grazer Büro „Love architecture and urbanism“ für die Planung der Unternehmenszentrale von 50Hertz an der Heidestraße 2 nahe dem Hauptbahnhof verliehen. Heute stellen wir Ihnen eine Auswahl der Beiträge in der Kategorie „Wohnen“ vor, über die im Internet abgestimmt werden kann.

Wohngebäude „Gleis Park“ am Gleisdreieckpark in Kreuzberg

Allein schon die Idee, ein seit Jahren überwiegend leerstehendes Parkhaus in der Nähe des Potsdamer Platzes zur Hälfte zurückzubauen und bewohnbar zu machen, ist preisverdächtig gut. Genau das hat das Architekturbüro KSP Engel für den Bauherren Bauwens Development am Gleisdreieckpark in Kreuzberg gemacht. Das Parkhaus am Schöneberger Ufer, entlang der Gleise der U-Bahnlinie 2 mit seinen charakteristischen Kopfbauten mit den spiralförmigen Auf- und Abfahrtsrampen an den Stirnseiten wurde zum Teil abgerissen.

Dadurch ist auf der Parkseite über eine Länge von 185 Metern Platz für vier Häuser mit insgesamt 178 Wohnungen geschaffen worden. Parkplatznot wird hier dennoch auch künftig nicht herrschen: Im weiterhin genutzten Parkhaus, dass die Wohnungen zur Bahnseite hin abschirmt, stehen immer noch 800 Plätze zur Verfügung. Überdies mussten für die Wohnungen keine Flächen neu versiegelt werden.

„Charlie Living“ in Mitte

Graft Architekten haben für den Bauherren Trockland ein Ensemble aus vier Gebäuden auf dem ehemaligen Mauerstreifen zwischen Kreuzberg und Mitte am nahe gelegenen einstigen Alliierten-Übergang „Checkpoint Charlie“ geschaffen. Anders als in der sonst üblichen, geschlossenen Blockbauweise in der Innenstadt öffnet sich dieser Block auf seiner westlichen Seite mit einem canyonartigen Einschnitt und gewährt Einblick in die außergewöhnliche Hofgestaltung. In Stufen angelegte Pflanzbeete und die geneigten, graphitfarbenen Fassaden mit ihren großzügigen Balkonen verstärken noch den Eindruck einer grünen Oase inmitten einer urbanen Schlucht. 243 Mietwohnungen zwischen 40 und 300 Quadratmetern sowie 48 „Serviced Apartments“ haben in dem neuen Quartier entlang der Zimmerstraße Platz gefunden.

Townhouse Oberwallstraße in Mitte

Auch so etwas gibt es mitten in Berlin: Die Patzschke Planungsgesellschaft hat zu einem aus elf Häusern bestehenden Gebäudeensemble ein schmales Townhouse mit sieben oberirdischen Etagen beigesteuert. Das 7,5 Meter breite und 14 Meter tiefe Townhouse wurde für nur einen Nutzer geplant. Das Büro Patzschke, das auch das Hotel Adlon am Pariser Platz Ende der 1990er Jahre im Stil des ursprünglichen Hotels Adlon (Baujahr 1907) errichtet hat, ist bekannt für den Rückgriff auf traditionelle bauliche Gestaltungsmerkmale. Davon zeugt auch das Stadthaus an der Oberwallstraße 27 mit seinem mit Travertin verkleideten Sockelgeschoss, dessen obere Putzfassade durch ausgeprägte Gesimse, Rundbogenfenster und eine Balustrade im Staffelgeschoss gegliedert ist.

„The Garden“ in Mitte

Fans des meistverkauften Computerspiels aller Zeiten werden sich in der bereits 2016 fertiggestellten Wohnanlage „The Garden“ an der Chausseestraße 57-60 in Mitte schnell heimisch fühlen. Die auf 16 Häuser verteilten 281 Miet- und Eigentumswohnungen erinnern jedenfalls stark an die aus würfelförmigen Konstruktionen zusammengesetzten Gebäude im virtuellen Minecraft-Universum. Das Büro Eike Becker Architekten hat die bis zu 8-geschossigen Häuser, die sich um einen gemeinsamen Garten gruppieren, durch Fassadenvor- und -rücksprünge und die Farbwechsel der Fassade noch um den Eindruck gestapelter Würfel verstärkt. Passend dazu wurden auch die in den Rasen verlegten Platten der Fußwege durch die Innenhöfe im Minecraft-Stil gestaltet.

„Lovo“ am Ostkreuz

Ganz so bunt wie der Kiez am Ostkreuz ist die in zarten Rosa- und Hellblautönen gehaltene Fassade des „Lovo“ genannten Integrativen Wohnprojektes zwar nicht. Dennoch sticht das Haus mit seinen durchgängigen Balkonbändern aus den umgebenden Gründerzeitbauten heraus. Die wahre Besonderheit verbirgt sich jedoch im Inneren des Gebäudes, das Christoph Wagner Architekten in Zusammenarbeit mit Wenke Schladitz mit vergleichsweise sehr günstigen 2100 Euro pro Quadratmeter inklusive Baunebenkosten geschaffen haben.

Lovo bietet Lebensraum für für homo-, bi-, trans- und intersexuelle Menschen, die Betreuungsbedarf und teilweise einen Fluchthintergrund haben. Vier betreute Wohngemeinschaften mit insgesamt 31 Plätzen, davon sechs bis acht für Geflüchtete, verteilen sich auf den ersten vier Etagen. in den beiden obersten Geschossen befinden sich auch drei 120 Quadratmeter große Maisonettewohnungen, die auf dem freien Wohnungsmarkt angeboten werden. Im Erdgeschoss befinden sich das Café Transfair sowie zwei weitere Ladeneinheiten als Bindeglied und Angebot für die Nachbarschaft.