Union

Mario Czaja soll CDU-Generalsekretär werden

| Lesedauer: 5 Minuten
Joachim Fahrun
Friedrich Merz, Christina Stumpp und Mario Czaja.

Friedrich Merz, Christina Stumpp und Mario Czaja.

Foto: AFP

Der ehemalige Senator aus Ost-Berlin wird als CDU-Generalsekretär vorgeschlagen. Warum Friedrich Merz auf Mario Czaja setzt.

Berlin. Dass Friedrich Merz auf Mario Czaja als Generalsekretär kommt, ist absolut nachvollziehbar. Der Sauerländer schließt mit der Berufung des Ost-Berliners eine offene Flanke Richtung Osten. Im Rennen der drei westdeutschen Männer um den CDU-Vorsitz kann niemand mehr Merz vorwerfen, die Interessen der Ostdeutschen nicht hinreichend zu berücksichtigen. Im Osten, so erwarten es viele Beobachter, könnte die Unterstützung in der Mitgliedschaft für Merz besonders groß sein. Zudem ist Czaja mit 46 im Vergleich zum 66 Jahre alten Merz ein ziemlich junges Gesicht.

Czaja beabsichtigt schon länger, diese Leerstelle in der Bundes-CDU zu füllen. Fast im Alleingang und ohne große Unterstützung durch die Landespartei holte der frühere Berliner Sozialsenator mit seinem Team vor wenigen Wochen das Direktmandat im Bundestagswahlkreis Marzahn-Hellersdorf. Erstmals punktete der im Ortsteil Mahlsdorf aufgewachsene Politiker bei der Bundestagswahl nicht nur in seinen Hochburgen in den Siedlungsgebieten von Kaulsdorf, Mahlsdorf und Biesdorf. Er holte auch nennenswerte Stimmenanteile in den Plattenbau-Zonen des Bezirks, überzeugte viele Russland-Deutsche für sich und konnte so der Linken ihre traditionelle Hochburg abnehmen.

Mario Czaja vermarktete sich als der Kümmerer und Interessenvertreter

Das gelang mit einem Wahlkampf, der sich auch für den Bundestag sehr stark um die Belange und Wünsche der Menschen vor Ort drehte. Durch diesen Erfolg ist er Merz aufgefallen. Czaja vermarktete sich als der Kümmerer und Interessenvertreter der Anwohner im Parlament. Dass er es nun voraussichtlich mit einer Ampel-Regierung zu tun bekommt und seine Zugänge zur Macht ohne eine Beteiligung seiner CDU nicht mehr ganz so gut sein werden, ändert nichts am Erfolg seiner Wahlkampfstrategie. Die CDU als pragmatische Kümmerer-Partei zu positionieren, könnte auch für Friedrich Merz ein Ziel nicht nur für Ostdeutschland sein.

Merz lobte denn auch die Kampagnenfähigkeit seines engsten Wunsch-Mitarbeiters, der von der Baden-Württembergischen Bundestagsabgeordneten Christina Stumpp als Stellvertreterin unterstützt werden soll. Für den Vize-Posten will Merz die Satzung der CDU ändern lassen. Czaja könne man das Konrad-Adenauer-Haus anvertrauen, sagte Merz. Der vielleicht neue CDU-Chef muss aber damit rechnen, dass mit einem Generalsekretär Mario Czaja die bisher von den Konservativen in der Union aufgerichtete Brandmauer zu den Linken bröckelt. Czaja pflegt gute Kontakte zu Vertretern der Linkspartei, in seinem Wahlkampfspot tauchte sogar deren Parteiikone Gregor Gysi auf.

Mario Czaja: CDU muss größeres Augenmerk auf die „soziale Frage“ legen

Die Auswahl Czajas als möglicher Generalsekretär ist auch durch die politische Expertise des früheren Senators begründet. Der Wirtschaftsexperte Merz machte klar, dass er die CDU derzeit im Themenfeld „soziale Gerechtigkeit“ als nicht gut aufgestellt erachtet. Da kann der als Sozial- und Gesundheitsexperte engagierte ehrenamtliche Präsident des Deutschen Roten Kreuzes Berlin sicherlich helfen. Czaja sagte bei der Vorstellung im von Merz fälschlicherweise in Ost-Berlin verorteten Neuköllner Estrel-Hotel, die Partei müsse ein größeres Augenmerk auf die „soziale Frage“ legen. „Dass die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland auseinander geht, kann uns nicht kalt lassen“, sagte Czaja, in dessen Wahlkreis jedes zweite Kind in einer Hartz-IV-Familie aufwächst. Er sagte, die Partei werde ein „intelligentes Modell der Kindergrundsicherung“ erarbeiten.

Der Marzahn-Hellersdorfer hatte sich vor den Wahlen mit dem Berliner CDU-Landeschef Kai Wegner überworfen und ihm vorgeworfen, in der CDU einen „Rechtsruck“ zu betreiben. Insofern ist offen, inwieweit das bislang nicht eben große Gewicht der Berliner CDU in der Gesamtpartei durch die Personalie nun wächst. Aber Czaja stellt sich nun ausgerechnet hinter Merz, für den sich auch Wegner und der Berliner Landesverband bei früheren Vorsitzenden-Wahlen ausgesprochen hatten. Merz versicherte aber, mit ihm werde es keinen Rechtsruck geben.

Mario Czaja betont den Charakter der CDU als Volkspartei

Czaja betonte ebenfalls den Charakter der CDU als Volkspartei. Die Partei müsse „das Gesicht der bürgerlichen Mitte“ sein, sagte der mögliche Generalsekretär. Er versicherte, die CDU breit aufstellen und alle Mitglieder einbinden zu wollen. Der Schatz der vielen dort vorhandenen Kompetenzen müsse gehoben werden, so sein Plan. Um es Familien-Müttern und -Vätern zu erleichtern, sich in der CDU zu engagieren, denkt Czaja über ein paar Neuerungen nach. So sollten Gremiensitzungen vielleicht zu einer bestimmten Uhrzeit beendet werden. Es sei auch zu überlegen, ob Mandatsträger wie etwa Kreis- oder Ortsvorsitzende ihre Aufgaben in der Elternzeit temporär ruhen lassen könnten.

CDU-Landeschef Wegner begrüßte die Nominierung Czajas: Als Vorsitzender der CDU Berlin freue er sich darüber. „Nach Norbert Röttgen setzt auch Friedrich Merz auf Sachverstand aus großen Städten. Als Volkspartei braucht die CDU profilierte Köpfe, die Großstadtthemen mit vorantreiben. Jetzt sind die Mitglieder der CDU Deutschlands gefragt“, so Wegner.

Die drei Bewerber für den CDU-Vorsitz, neben Merz noch Helge Braun und Norbert Röttgen, haben nun bis zum 2. Dezember Zeit, sich den Mitgliedern vorzustellen und für sich und ihre Teams zu werben. Vom 4. bis 16. Dezember können die Christdemokraten nach vorheriger Anmeldung online oder per Briefwahl für ihren Kandidaten votieren.