Studie

Berliner verlieren in der Corona-Pandemie ihren Optimismus

| Lesedauer: 2 Minuten
Marie Markhoff
Menschen warten an einem Testzentrum am Alexanderplatz.

Menschen warten an einem Testzentrum am Alexanderplatz.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Forscher haben die psychischen Folgen der Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie untersucht. Das sind die Ergebnisse.

Berlin. Dass die Corona-Pandemie gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft hat, ist in vielen Branchen deutlich zu spüren. Wie aber ist es um die Psyche der Menschen bestellt, die sich seit nunmehr anderthalb Jahren mit coronabedingten Einschränkungen in ihrem täglichen Leben konfrontiert sehen? Das hat nun eine Forschungsverbund bestehend aus Freier Universität Berlin, Humboldt-Universität, Technischer Universität, Universitätsmedizin der Charité sowie der Max-Planck-Gesellschaft untersucht. Im Rahmen ihres Cov-Social-Projekts befragten sie rund 1300 Berlinerinnen und Berliner zu ihren Erfahrungen zwischen März 2020 und Sommer 2021.

Die jetzt vorliegenden Ergebnisse sind alarmierend, denn vor allem die Lebenszufriedenheit der Hauptstädter hat in dieser Zeit rapide abgenommen, so die Wissenschaftler. Das bestätigten auch die kürzlich jüngste veröffentlichten Ergebnisse des aktuellen „Glücksatlas“, wonach die Berliner derzeit die unglücklichsten Deutschen sind.

„Während der beiden Lockdowns nahmen die Lebenszufriedenheit, der Optimismus und die positiven Gefühle der an der Umfrage teilnehmenden Berlinerinnen und Berliner drastisch ab“, erklärt Prof. Dr. Tania Singer, wissenschaftliche Leiterin der Forschungsgruppe Soziale Neurowissenschaften der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. „Insbesondere während des ersten Lockdowns gaben die Befragten an, als Reaktion auf den Stress weniger ihre Lage als solche verändern zu wollen als vielmehr die Situation zu akzeptierten“, beschreibt Tania Singer den „ersten Lockdown-Schock-Effekt“. Besonders jüngere Menschen und Frauen hätten hier gelitten.

Corona in Berlin, Deutschland und der Welt - mehr zum Thema

„Ermüdungseffekt“ beim zweiten Lockdown

Beim zweiten Lockdown im Herbst 2020 erkennen die Forschenden einen „Ermüdungseffekt“: „Während des längeren Lockdowns von Oktober 2020 bis in das Frühjahr 2021 sank die psychische Gesundheit erneut und erreichte am Ende den bisherigen Tiefpunkt im Verlauf der Pandemie“, erklärt CovSocial-Forscherin Malvika Godara die ersten Erkenntnisse des Forschungsprojektes.

Das CovSocial-Projekt soll fortgesetzt werden. In der zweiten Phase des Projekts geht es um die individuellen Persönlichkeitsmerkmale der Teilnehmenden. Alter, Geschlecht, Lebenssituation und Bildung der Befragten und möglichen Verbindungen zu psychischen Folgen werden hier genau analysiert. Im weiteren Verlauf wird geprüft, inwiefern Techniken zur Reduktion von Stress helfen könnten, langfristige psychische Folgen zu vermeiden.