Corona in Berlin

Charité und Vivantes sagen geplante Operationen ab

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Joachim Fahrun und Julian Würzer
Charite Campus Mitte mit neuem BHH- saniert

Charite Campus Mitte mit neuem BHH- saniert

Foto: Wiebke Peitz / BM

Die Infektionszahlen in Berlin stiegen sprunghaft. Besonders stark nahm das Infektionsgeschehen unter Kindern und Jugendlichen zu.

Berlin . Die sich verschärfende Corona-Lage zwingt Berlins Krankenhäuser der Universitätsklinik Charité und von Vivantes erneut, planbare Operationen abzusagen und zu verschieben, um, Kapazitäten für Covid-19 Patienten frei zu halten. Notfälle würden noch behandelt, auch dringliche Eingriffe würden vorgenommen, sagte ein Charité-Sprecher. Auch die Vivantes-Häuser, die Corona-Patienten versorgen, würden nicht notwendige Operationen verschieben, sagte eine Vivantes-Sprecherin.

Um die zuletzt stark steigenden Infektionszahlen einzudämmen, wird der Berliner Senat womöglich schon ab kommendem Wochenende die 2G-Regel als Vorschrift in Kraft setzen. Dann dürfen nur noch Geimpfte und Genesene Restaurants und Kneipen, aber auch Theater, Kino, Konzert oder Sportveranstaltungen besuchen. Bisher war es Veranstaltern und Gastronomen freigestellt, ob sie nur Geimpfte oder Genesene, oder auch negativ getestete Gäste zulassen. Nur in Tanzclubs ist 2G bereits verpflichtende Vorgabe für eine Öffnung.

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Infektionszahlen in Berlin sind sprunghaft gestiegen

Die Infektionszahlen in Berlin waren am Dienstag sprunghaft gestiegen, von 194 auf 220. Besonders stark nahm das Infektionsgeschehen unter Kindern und Jugendlichen zu. Bei den 10- bis 14-Jährigen lag die Inzidenz am Dienstag bei 644. Den Spitzenwert erreichte Reinickendorf, wo die Zahl der Neuinfizierten der aktuellen Meldewoche in der Altersgruppe der 5- bis 9-Jährigen bei 745 und bei den 10-15-Jährigen bei 768 lag.

Den formalen Beschluss für die verschärften Corona-Regeln will der Senat in einer Schaltkonferenz am Mittwoch oder am Donnerstag treffen, „Das ist schneller als viele andere Bundesländer, die immer noch zugucken, ob irgendwas von der Bundesebene kommt“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) im RBB-Inforadio. Er sagte zudem, er rechne mit einer Konferenz der Länderchefs in der kommenden Woche, um über die Corona-regeln zu beraten.

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Bis zum Abend waren Beamte der Senatsgesundheitsverwaltung und der Senatskanzlei damit beschäftigt, den konkreten Text für die neuen Regeln auszuformulieren. Unklar war noch, wo es Ausnahmen vom Prinzip 2G geben sollte. Dazu sollten unter anderem solche Orte gehören, die stark von Kindern besucht würden und große Außenbereiche hätten, wie etwa Zoo und Tierpark, hieß es aus Senatskreisen. Auch Museen und Gedenkstätten, wo Besucher Anstand halten können, sollen weiterhin auch negativ getestete Besucher einlassen dürfen.

Nächste Eskalationsstufe wäre die Einführung der 2Gplus-Regel

Als nächste Eskalationsstufe im Kampf gegen die Pandemie ohne einen Lockdown behält sich der Senat nach Müllers Worten vor, eine 2Gplus-Regel einzuführen. Auch Geimpfte und Getestete müssten sich dann zusätzlich testen lassen und gegebenenfalls Masken tragen und Abstände einhalten. Im Senat wird 2Gplus aber erst für möglich erachtet, wenn der Bund die kostenfreien Corona-Bürgertest wieder einführt. Darüber ist aber noch nicht entschieden.

Berlins Gastronomie befürchtet, die zusätzliche Testpflicht für Geimpfte könnte weitere Gäste abschrecken. „Das wäre fast wie ein neuer Lockdown“, sagte der Geschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga Berlin, Thomas Lengfelder. Er forderte die Wirte auf, die Impfnachweise strenger zu überprüfen und wünschte sich auch mehr Kontrollen von Ordnungsämtern und Polizei. Aber auch die Gäste müssten mitspielen: „Man kann auch einen Laden verlassen, wenn nicht kontrolliert wird.“

Um dem Impfen neuen Schwung zu verleihen, will Berlin eine zusätzliche Impfstelle im Ostteil der Stadt aufbauen. Sie soll voraussichtlich in Lichtenberg ihren Platz haben, wie ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung mitteilte. Wo genau, stehe noch nicht fest.