Geschichte

Stadtweites Gedenken an den 9. November

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Monika Grütters und Michael Müller beim Mauergedenken.

Monika Grütters und Michael Müller beim Mauergedenken.

Foto: Fabian Sommer / dpa

In Berlin ist am Dienstag an den Mauerfall und die Pogromnacht erinnert worden. In den Bezirken gab es eine Reihe von Veranstaltungen.

Berlin. Es war ein Tag des Gedenkens. An zahlreichen Orten Berlins fanden am Dienstag Veranstaltungen anlässlich der historisch und emotional ganz unterschiedlich besetzten Jahrestage deutscher Geschichte statt. Für die zentrale Veranstaltung zur Friedlichen Revolution und zum Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 kam man an der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße in Mitte zusammen.

Politiker wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sowie Senatoren und Abgeordnete legten Rosen an der ehemaligen Mauer nieder, entzündeten Kerzen und nahmen an einer Andacht vor der Kapelle der Versöhnung teil. Unter den Gästen waren 70 Schüler aus Deutschland und Frankreich. Der einstige mosambikanische DDR-Vertragsarbeiter Ibraimo Alberto berichtete von Rassismuserfahrungen vor und nach dem Mauerfall.

Viele Veranstaltungen auch in den Berliner Bezirken

In den Bezirken gab es daneben eine Reihe von Veranstaltungen, bei denen der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 gedacht wurde. Von der NS-Führung gesteuert, traten damals SA und SS gewalttätige Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung und jüdische Einrichtungen los. 83 Jahre später gab es am Dienstag etwa eine Gedenkfeier an der Synagoge Fraenkelufer in Friedrichshain-Kreuzberg.

Zudem hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg in die Kieze zu sogenannten Putzaktionen der Stolpersteine geladen. Dabei handelt es sich um Messingtafeln, die an Nachbarn erinnern, die von den Nazis ermordet wurden. In Charlottenburg-Wilmersdorf wurden darüber hinaus neue Stolpersteine verlegt.

Gedenkveranstaltung im Jüdischen Gemeindehaus

Am Abend stand eine Gedenkveranstaltung im Jüdischen Gemeindehaus Fasanenstraße auf dem Programm. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier legte einen Kranz für die in der NS-Zeit ermordeten Juden nieder. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sagte, die November-Pogrome gehörten zu den schrecklichsten und beschämendsten Momenten deutscher Geschichte. Sie sprach von einer „Orgie barbarischer Gewalt“.

Die Rückkehr jüdischen Lebens nach Deutschland sei schön, sagte die SPD-Politikerin. Doch sei es unerträglich, dass Jüdinnen und Juden heute wieder Hass erlebten. „Wir müssen das jüdische Leben mit aller Macht verteidigen“, sagte Lambrecht. Antijüdische und antiisraelische Demonstrationen und brennende Israel-Flaggen verurteilte sie scharf und forderte: „Stellt euch dem Antisemitismus mit aller Kraft entgegen.“ Berlins Regierender Bürgermeister Müller sagte, die Stadt werde Antisemitismus niemals akzeptieren.