Prozess in Berlin

Kannibalismus-Verdacht: Mediziner spricht über Todesursache

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Der Angeklagte (l) sitzt in einem Gerichtssaal und hält sich eine Pappe vor das Gesicht.

Der Angeklagte (l) sitzt in einem Gerichtssaal und hält sich eine Pappe vor das Gesicht.

Foto: Paul Zinken/dpa

Ein 41-Jähriger soll am 6. September 2020 einen Mann in seiner Pankower Wohnung getötet und Teile der Leiche verspeist haben.

Berlin. Im Prozess wegen Mordes mit Kannibalismus-Verdacht ist Rechtsmediziner Michael Tsokos von der Berliner Charité zur möglichen Todesursache des verstorbenen 43-Jährigen befragt worden. Ein massiver Blutverlust habe wahrscheinlich zum Tod geführt, erklärte Tsokos am Dienstag vor dem Berliner Landgericht. Das habe sich vor allem aus der Untersuchung des gefundenen Torsos ergeben.

Angeklagt ist ein Lehrer. Der 42-Jährige soll im September 2020 in seiner Wohnung in Berlin-Pankow einen 43 Jahre alten Mann umgebracht haben, um durch die Tötung sexuelle Befriedigung zu erlangen und Teile der Leiche zu essen. Der Deutsche habe das Opfer laut Ermittlungen nur wenige Stunden zuvor über ein Dating-Portal kennengelernt. Die Leiche habe er zerstückelt und Teile an verschiedenen Orten in der Stadt abgelegt.

Das Opfer, ein deutscher Monteur, galt wochenlang als vermisst. Das mutmaßliche Verbrechen kam ans Licht, nachdem im November 2020 Knochenteile an einem Waldstück entdeckt worden waren.

Kannibalismus-Verdacht: Angeklagter weist Vorwürfe zurück

Nach mehrwöchigem Prozess hatte der Angeklagte sein Schweigen gebrochen und die Vorwürfe zurückgewiesen. Es treffe nicht zu, dass er den 43-Jährigen getötet habe, erklärte er. Nach einem Sex-Treffen habe der Mann allein im Wohnzimmer seiner Wohnung übernachtet, so der Angeklagte. Als er ihn am Morgen gefunden habe, sei der 43-Jährige tot gewesen. In Panik sei er dann zu dem Schluss gekommen: "Die Leiche weg muss."

In einem ersten rechtsmedizinischen Gutachten hieß es, eine Todesursache sei letztlich nicht feststellbar. Dagegen erklärte nun Tsokos, der gefundene Torso des Verstorbenen habe "außergewöhnlich blass und blutarm" ausgesehen. "Er muss ausgeblutet sein aus einem großen Gefäß wie beispielsweise einer Halsschlagader." Am Schädel und am Kehlkopf seien keine Spuren vor Gewalt festgestellt worden. Laut Untersuchungen habe der 43-Jährige kurz vor seinem Tod eine Droge konsumiert. Der Prozess wird am 12. November fortgesetzt.

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( dpa )