Heizkosten

Gaspreise in Berlin steigen um 16 Prozent

| Lesedauer: 4 Minuten
Isabell Jürgens
Gas und Strom sind in Europa so teuer wie lange nicht.

Gas und Strom sind in Europa so teuer wie lange nicht.

Foto: Marijan Murat / dpa

Ab Januar 2022 zahlen Berliner bis zu 260 Euro im Jahr mehr. Die Gasag begründet den Schritt mit gestiegenen Energiekosten.

  • Die Gasag erhöht die Preise für Erdgas um 16 Prozent.
  • Kunden zahlen ab 2022 1,31 Cent pro Kilowattstunde Erdgas mehr.
  • Der Grund: Stark gestiegene Preise am Weltmarkt und die CO2-Steuer.
  • Durch den Preisanstieg entsteht eine durchschnittliche Mehrbelastung von 156 Euro im Jahr.

Berlin. Die Kunden des Berliner Gaslieferanten Gasag müssen sich im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen: Ab Januar 2022 zahlen Kundinnen und Kunden durchschnittlich 1,31 Cent pro Kilowattstunde Erdgas mehr. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Begründet wird der enorme Preissprung um rund 16 Prozent mit den ungewöhnlich stark gestiegenen Großhandelspreisen am weltweiten Energiemarkt sowie der Einführung der CO2-Abgabe ab 2021. Zum Vergleich: Zuletzt waren die Gaspreise im Januar dieses Jahres um durchschnittlich 0,54 Cent pro Kilowattstunde Erdgas angehoben worden.

400.000 Kunden in Berlin von der Erhöhung betroffen

Für eine durchschnittliche Berliner Wohnungsgröße mit einem Jahresverbrauch von 12.000 Kilowattstunden bedeutet die Preiserhöhung laut Gasag insgesamt rund 13 Euro mehr pro Monat, beziehungsweise eine jährliche Mehrbelastung von rund 156 Euro.

Für ein Einfamilienhaus mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden ergebe sich demnach ein Mehrpreis von rund 22 Euro im Monat beziehungsweise rund 264 Euro im Jahr.

Betroffen von dem Anstieg sind rund 400.000 Kunden in Berlin. Wie das Vergleichsportal Check24 am Dienstag berichtete, haben seit August bereits 98 Unternehmen ihre Preise erhöht oder Erhöhungen angekündigt. Im Durchschnitt lag der Anstieg bei 17,3 Prozent.

Steigende Gaspreise: Hauptgrund ist die CO2-Abgabe

Als ein Hauptgrund für die steigenden Gaspreise gilt neben der weltweit gestiegene Energienachfrage auch die seit 1. Januar bundesweit geltende CO2-Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid, die ab dem neuen Jahr auf 30 Euro pro Tonne CO2 angehoben wird. Um die Mieter mit den gestiegenen Heizkosten nicht zu überlasten, fordern die von SPD und Grünen geführten Länder Niedersachsen und Baden-Württemberg deshalb, auch Vermieter an den Zusatzkosten durch den CO2-Preis auf Öl und Gas zu beteiligen.

Der Berliner Senat stimmt aktuell die Mitantragstellung zur Sicherstellung der Energieversorgung für einkommensarme Haushalte unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung der Energiepreise ab. Eine entsprechende Regelung war in der vergangenen Legislaturperiode am Veto der CDU gescheitert.

Mikrozensus: 492.000 vermietete Wohnungen werden mit Gas beheizt

Laut Mikrozensus 2018 werden in Berlin 203.200 vermietete Wohnungen mit Öl beheizt, 492.000 vermietete Wohnungen mit Gas. Die Beheizung mit erneuerbaren Energien ist bislang noch die große Ausnahme. „Für die soziale Wohnungswirtschaft ist klar: Die CO2-Kosten müssen gerecht zwischen Mieter- und Vermieterseite aufgeteilt werden“, sagt David Eberhart, Sprecher des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Deshalb sei es gut, wenn sich eine neue Bundesregierung dieser für viele Mieter drängenden Frage jetzt schnell annehme.

Heftig umstritten ist dabei jedoch, wie die Kosten dabei zwischen Mietern und Vermietern aufgeteilt werden könnten. Der BBU schlägt dazu einen Verteilungsschlüssel vor, sich nach dem energetischen Zustand des Gebäudes richten soll: Je besser dessen energetische Zustand, desto geringer der CO2-Kostenanteil des Vermieters. Auf diese Weise hätten Vermieter einen Anreiz für energetische Modernisierungen und Mieter für sparsames Verbrauchsverhalten.

Mieterverein will, dass allein Vermieter CO2-Abgabe zahlen

Der Berliner Mieterverein (BMV) fordert, dass allein die Vermieter die CO2-Abgabe leisten sollen. „In der zweiten Stufe der CO2-Abgabe wird der Aufschlag um 20 Prozent steigen – um etwa 9,5 Cent je Liter Heizöl und 0,72 Cent je Kilowattstunde Gas“, sagt BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. Dies werde zu deutlichen Heizkosten-Nachzahlungen führen und Mieter mit niedrigem Einkommen stark belasten. Zudem helfe die bisherige Regelung dem Klima nicht: „Die CO2-Bepreisung für fossile Energieträger taugt in vermieteten Wohngebäuden nichts für den Klimaschutz, denn die erwünschte Anreizwirkung für Vermieter in Investitionen zur Energie-Einsparung verpufft“, sagt Wild weiter.