Corona-Pandemie

Charité warnt vor Überlastung der Intensivstationen

| Lesedauer: 4 Minuten
Charlotte Bauer und Nicole Dolif
Ein Intensivbett mit Beatmungseinheit steht auf einer Corona-Station.

Ein Intensivbett mit Beatmungseinheit steht auf einer Corona-Station.

Foto: dpa

Die Corona-Zahlen in Berlin steigen wieder. Doch es gibt in diesem Jahr weniger Intensivbetten, weil das Pflegepersonal fehlt.

Berlin. In Berlin drohen die Intensivbetten knapp zu werden: Die Zahl der Patienten sei in den vergangenen Tagen merklich gestiegen, warnte Martin Kreis, Vorstand für die Krankenversorgung in der Charité. Insbesondere unter Ungeimpften sei von einem deutlichen Anstieg an Neuinfektionen auszugehen. „Aktuell sind etwa 90 Prozent der Covid-19-Patientinnen und -Patienten in der Charité nicht geimpft“, sagte Kreis. Wenn es nicht gelinge, die Impfquote deutlich zu steigern und immer mehr Infizierte stationär behandelt werden müssten, werde das zu massiven Einschränkungen in den Kliniken führen.

Vor diesem Hintergrund machen die Bilder vom Impfzentrum an der Messe Berlin Hoffnung: Hier bildeten sich am gestrigen Montag lange Schlangen. Rund 600 Termine wurden an diesem Tag gebucht, teilte Karsten Hintzmann, Pressesprecher vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), auf Nachfrage mit. Hinzu kämen noch die Menschen, die sich spontan impfen lassen. „Wir stellen fest, dass der Zulauf heute besonders stark ist“, sagte Hintzmann weiter. Einen gesonderten Aufruf oder Ähnliches habe es nicht gegeben. „Wir gehen davon aus, dass der Grund die Debatte um die vierte Welle ist“, erklärt er.

Wieder stärkere Nachfrasge nach Impfterminen

Schon in den letzten Wochen sei das Thema Impfen auch in den Medien wieder stärker präsent gewesen, was zu einer besseren Sensibilisierung geführt habe. Seitdem haben sie auch eine stärkere Nachfrage an Impfterminen vermerken können. Ein weiterer Grund könne auch das anstehende Weihnachtsfest sein. Einige Menschen könnten das schon jetzt im Hinterkopf haben, um dieses Jahr doch wieder mit der Familie feiern zu können und sich somit aus taktischen Gründen impfen lassen.

Auch im Impfzentrum Tegel habe es einen Anstieg der Impftermine gegeben, so Hintzmann. Zu langen Warteschlangen wie bei der Messe sei es hier jedoch nicht gekommen. Wie viele von den mehr als 600 Impfungen in der Messe Erstimpfungen beziehungsweise Drittimpfungen sind, könne er nicht genau sagen. Ganz grundsätzlich würden die Auffrischimpfungen aber sehr gut angenommen. Allein in den Impfzentren und den mobilen Angeboten vom DRK wurden in den letzten Wochen insgesamt rund 70.000 Drittimpfungen verabreicht.

Corona in Berlin, Deutschland und der Welt - mehr zum Thema

Berlin schreibt über 70-Jährige in Kürze für Drittimpfung an

„Ich gehe davon aus, dass auch in den kommenden Tagen zu einem Zuwachs der Impfungen kommen wird“, sagte Hintzmann. Wie viele Termine bereits gemacht wurden, dazu könne er allerdings noch nichts sagen, da die Übersicht dafür kurzfristig erst am Abend vorher vorliege.

Wer für die dritte Impfung gern den Moderna-Impfstoff bekommen möchte, sollte sich laut Kassenärztlicher Vereinigung Berlin am besten an ein Impfzentrum wenden. „Moderna wird von den Hausärzten nur sehr selten angeboten“, so eine Sprecherin. „Das habe auch mit der Lagerung und der Handhabung des Impfstoffs in den Praxen zu tun.“ Es sei allerdings auch vollkommen in Ordnung, als dritte Impfung Biontech zu bekommen – egal mit welchem Impfstoff man vorher geimpft worden sei.

Interaktive Übersicht: Corona-Krise - So ist die Lage auf Deutschlands Intensivstationen

Beim Thema Auffrischungsimpfungen sieht Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) Berlin auf dem richtigen Weg. „Wir sind bei den Auffrischimpfungen in Berlin sehr weit, weil wir jeden, der Anspruch hat, anschreiben“, sagte sie bei RTL. Beim Impfen sei das von Anfang an Praxis gewesen. „Das haben wir konsequent durchgezogen. Und deswegen haben wir in Berlin zum Beispiel bei den Auffrischimpfungen über 70 Prozent mehr als Bundesdurchschnitt.“

Nach Angaben der Gesundheitsverwaltung sind die Berliner über 80 Jahre wegen der Auffrischungsimpfung bereits angeschrieben worden. Die Einladungen an die über 70-Jährigen sollen in Kürze rausgehen. Insgesamt sind rund 600.000 Benachrichtigungen geplant.

Kalayci verteidigte in dem Interview auch die Entscheidung, die Impfzentren in Berlin nicht komplett zu schließen. „Wir haben noch zwei Impfzentren in Betrieb. Und wir haben auch mobile Impfteams, die in den Pflegeheimen die Auffrischimpfungen machen.“ Es sei genau richtig gewesen, diese Impfzentren aufrecht zu erhalten. „Denn von den Impfungen, die jetzt stattfinden in Berlin, finden über 40 Prozent in den Impfzentren und in dem landesbetriebenen mobilen Impfdienst statt“, sagte die Gesundheitssenatorin.