Starkoch

Wie Johann Lafer beinahe Zahnpasta-Modell geworden wäre

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Annika Schönstädt
Johann Lafer hat zusammen mit der Neuköllner Manufaktur Ohde drei Marzipanpralinen kreiert.

Johann Lafer hat zusammen mit der Neuköllner Manufaktur Ohde drei Marzipanpralinen kreiert.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Im KaDeWe verrät Starkoch Johann Lafer das Geheimnis seines Schnäuzers und erzählt von einer vereitelten Karriere als Zahnpasta-Modell.

Berlin. „Stets ehrlich und den Vorgesetzten gegenüber mit sehr gutem Verhalten ausgestattet“: So bescheinigt es das Arbeitszeugnis von 1983 dem heutigen Starkoch Johann Lafer. Als zusätzlichen Beweis hat der 64-Jährige seinen damaligen Mitarbeiter- und Personalausweis mitgebracht, als er am Donnerstagmorgen in der sechsten Etage des KaDeWe das Ergebnis seiner Kooperation mit der Neuköllner Pralinenmanufaktur Ohde präsentiert.

Bevor der gebürtige Österreicher in Rheinland-Pfalz mit dem „Le Val d’Or“ zum Sterne- und Fernsehkoch wurde, sah es kurzzeitig so aus, als würde West-Berlin zum Ausgangspunkt einer vielversprechenden Karriere werden. Für das Luxuskaufhaus an der Tauentzienstraße sollte die damalige Nachwuchshoffnung das Gourmet-Restaurant „Silberterrasse“ eröffnen.

Lafer arbeitete bereits ein Jahr vor Ort, als der Plan aus organisatorischen Gründen vom Haus verworfen wurde. Lafer ging nach Guldental – der Rest ist Kochgeschichte.

Johann Lafer: Er war Stammgast bei Burger King am Kudamm

„Jetzt wieder hier zu sein, berührt mich sehr“, sagt Lafer bei seiner Rückkehr und ist sichtlich angefasst. Nicht nur, weil das KaDeWe für einen Lebensmittel-Nerd wie ihn quasi ein Tempel sei, sondern auch, weil er mit Berlin so schöne Erinnerungen verbinde.

Nach seiner Ausbildung im Restaurant „Gösser-Bräu“ in Graz kam Lafer 1977 in die Stadt, um im Hotel „Schweizer Hof“ zu arbeiten. „Ich stammte vom Dorf, war auf dem Bauernhof aufgewachsen“, sagt er. „Für mich war das eine komplett andere Welt.“

Ausgestattet mit 500 Schilling Startkapital von seiner Mutter habe er damals finanziell keine großen Sprünge machen können. Statt bei den Kollegen in gehobenen Restaurants wurde der 16-Jährige also erst einmal Stammgast bei Burger King am am Kudamm. Der Doppel Whopper sei für 80 Pfennig zu haben gewesen.

Johann Lafer hat mit Berliner Manufaktur Ohde eine Praline kreiert

Eines Tages sei er dort von einer Frau angesprochen worden, ob er nicht Zahnpastawerbung machen wolle. Lafer ging zum Casting und schaffte es tatsächlich eine Runde weiter. Bedingung für den Job: Er müsse sich einen Schnurrbart wachsen lassen, um den Kontrast zu den weißen Zähnen zu verstärken. Lafer gab sich alle Mühe. Weil es jedoch auf der jugendlichen Oberlippe nicht schnell genug sprießen wollte, wurde aus der Modelkarriere nichts. „Als der Schnurrbart endlich da war, war es zu spät. Ich habe ihn dann trotzdem behalten.“

Vielleicht auch Schicksal: Mit der Liebe klappte es für Lafer in Berlin nicht – trotz Kontaktanzeige in einem Stadtmagazin. Am Kudamm Karree wartete er vergeblich mit einer Rose auf eine Verabredung. Im „Le Val d’Or“ lernte er kurze Zeit später seine Ehefrau Silvia Buchholz kennen, mit der er bis heute verheiratet ist und zwei Kinder hat.

„Selbst wenn wir nichts davon verkaufen, war es toll“, so Lafer angesichts der vielen wiederentdeckten Berlin-Erinnerungen. „Zur Not essen wir alle Pralinen alleine auf.“