Kriminalität

Verkehrsunfall in Innenstadt mit vier Toten: Prozess

| Lesedauer: 2 Minuten
dpa
Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen.

Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen.

Foto: dpa

Der Unfall mit vier Toten hat vor zwei Jahren für großes Aufsehen gesorgt - und für eine Veränderung der Verkehrssituation im Kiez. Nun sollen die Hintergründe vor Gericht geklärt werden.

Berlin. Gut zwei Jahre nach einem Verkehrsunfall in Berlin-Mitte mit vier Toten beginnt heute (9.30 Uhr) der Prozess gegen den Fahrer. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-jährigen Mann fahrlässige Tötung und fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs vor. Aus ihrer Sicht hätte er aus gesundheitlichen Gründen nicht am Steuer des schweren Wagens sitzen dürfen. Das Landgericht Berlin plant zunächst 20 Prozesstage bis Anfang Februar 2022, um das Geschehen aufzuklären.

Der SUV des Angeklagten hatte am 6. September 2019 auf der Invalidenstraße eine Ampel gerammt, sich mehrfach überschlagen und dabei wartende Menschen auf dem Gehweg erfasst. Vier Menschen starben, darunter ein dreijähriger Junge.

Mehr über den Prozess, die Opfer und Hintergründe lesen Sie in unserem Vorbericht.

Nach Gerichtsangaben war der Fahrer zuvor vor einer roten Ampel, vor der mehrere Fahrzeuge warteten, ausgeschert und hatte seinen Wagen stark beschleunigt. Infolge eines epileptischen Anfalls sei es zum Krampf gekommen, so dass er mit durchgedrücktem Gaspedal "konstant voll beschleunigend gradlinig" etwa 80 Meter weitergefahren sei.

Neun Hinterbliebene sind nach Angaben von Gerichtssprecherin Lisa Jani als Nebenkläger zu dem Prozess zugelassen. Etwa 70 Zeuginnen und Zeugen hat die Staatsanwaltschaft demnach benannt. Ob diese alle vor Gericht erscheinen müssen, bleibt abzuwarten. Allein wegen der medizinischen Fragen ist jedoch von einer umfangreichen Beweisaufnahme auszugehen.

Der Fall hatte bundesweit für Empörung gesorgt - und eine Diskussion um die Gefahren im Straßenverkehr ausgelöst. Anfangs stand dabei die Frage im Fokus, ob SUV-Fahrzeuge (Sport Utility Vehicle) besonders gefährlich sind. Schnell konzentrierte sich die Debatte jedoch auf die insgesamt angespannte Verkehrssituation im Umfeld des Unfallortes. Ein wesentlicher Grund dafür war eine Internet-Petition. Es wurde in dem Bereich Tempo 30 eingeführt, sogenannte geschützte Fahrradwege entstanden. Im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts wird untersucht, welche weiteren Veränderungen sinnvoll sind für ein lebenswertes und sicheres Quartier.

( dpa )