Sondervorgang Metoo

Film über Entlassung von Hubertus Knabe wird nun gezeigt

| Lesedauer: 4 Minuten
Christine Richter
Der ehemalige Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, am 14. August 2020 vor der Gedenkstätte in Berlin.

Der ehemalige Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, am 14. August 2020 vor der Gedenkstätte in Berlin.

Foto: Foto: Reto Klar / FFS

Vor der Wahl stoppte der Rundfunk Berlin-Brandenburg die Ausstrahlung der Dokumentation über Hubertus Knabe. Nun wird der Film gezeigt.

Berlin. Kurz vor der Abgeordnetenhauswahl stoppte der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die Ausstrahlung des Dokumentarfilms „Sondervorgang Metoo“ über die Entlassung des langjährigen Leiters der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen. Weil der Autor des Films, Maurice Philip Remy, im Jahr 2018 sich in privaten Facebook-Posts für Knabe stark gemacht und dies dem RBB nicht mitgeteilt hatte. Am Mittwoch, Ende Oktober, wird der Film ausgestrahlt – unverändert, vorangestellt wurde nur eine kurze persönliche Erklärung von Remy zu seinen Facebook-Posts am Anfang des eineinhalbstündigen Dokumentarfilms.

Tausende Akten zur Entlassung Knabes ausgewertet

Tausende Akten habe er gelesen, mehr als 50 Interviews geführt, erzählt Remy am Anfang – und diese akribische Arbeit merkt man dem sehenswerten Film auch an. Chronologisch wird die Geschichte von Hubertus Knabe, der zunächst bei der Gauck-Behörde, dann von 2000 bis 2018 als Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen arbeitete, und von seiner Entlassung erzählt. Es gibt – für politisch und auch historisch interessierte Menschen – tolle Filmausschnitte zu sehen, aus der Gedenkstätte, von den Besuchen von Angela Merkel (die zwei Mal vor Ort war), den Bundespräsidenten oder Kulturstaatsministerin Monika Grütters, vom Aufeinandertreffen Knabes in Talkshows mit der Linken-Bundestagsabgeordneten Gesine Lötzsch oder Kultursenator Klaus Lederer.

Wegbegleiter wie der Bürgerrechtler Ralf Hirsch oder Journalisten wie Sven Felix Kellerhoff und Uwe Müller kommen zu Wort. Hirsch zeichnet ein differenziertes Bild von Knabe, der immer Anwalt der Opfer des DDR-Unrechtsstaates gewesen sei, aber sich auch „als alleiniger Sprecher der Opfer der DDR“ aufgeführt habe. „Das wollten viele nicht“, so Hirsch.

Knabes Stellvertreter kommt ausführlich zu Wort

Akribisch erzählt Remy auch die Jahre 2014 bis 2018 nach, als zum ersten Mal von einer Volontärin Vorwürfe gegen Knabes Stellvertreter, der sie sexuell belästigt haben soll, laut wurden. Helmut Frauendorfer kommt auch selbst und ausführlich zu Wort – aber nicht unwidersprochen. Zwar war keine der insgesamt acht Frauen, die sich im Laufe der Jahre an die Senatskulturverwaltung gewandt hatten, persönlich bereit, vor der Kamera etwas zu sagen, aber ihre Fälle, auch WhatsApp-Nachrichten werden detailliert und fair darlegt. Auch Kultursenator Lederer (Linke) war zu einem Interview bereit und kommt ausführlich zu Wort. Ebenso Knabe selbst, dem man seine große persönliche Enttäuschung und Trauer über das Ende seines Lebenswerks bis heute anmerkt.

Ein Fall spielt im weiteren Verfahren keine Rolle mehr

Remy kommentiert die Vorgänge nicht, sondern stellt sie über lange, an manchen Stellen zu lange eineinhalb Stunden dar. Wann meldeten sich die Frauen, was tat die Kulturverwaltung im Jahr 2016, unter dem damaligen Kultur-Staatssekretär Tim Renner, was unter Senator Lederer, wann handelte der Stiftungsrat, wann war auf einmal in den Unterlagen von „sexueller Belästigung“, gar von „einem strukturellen Sexismus“ in der Gedenkstätte die Rede? Interessant und bislang wenig bekannt, dass eine Volontärin sich im Jahr 2017 massiv über einen Mitarbeiter der Gedenkstätte beklagte, der übergriffig geworden sei und sie gestalkt habe, doch dieser Fall spielte im weiteren Verfahren überhaupt „keine Rolle mehr“, so Remy. Warum, bleibt unklar.

Ebenso die Frage, warum die Senatskulturverwaltung unter Lederer erst Mitte Juni tätig wurde, als das Schreiben von mehreren Frauen in der Verwaltung eintraf. Lederer und seine Mitarbeiter taten dann noch „überrascht“, obwohl doch in der Verwaltung einzelne Fälle bekannt waren, und, wie aus Unterlagen der Kulturverwaltung hervorgeht, die Frauenvertreterin einen „strategischen Zeitpunkt“ für das Absenden dieses Schreibens empfohlen hatte.

Monika Grütters ist nicht zum Interview bereit

Kultursenator Lederer stellte sich den Fragen von Remy, ebenso Dieter Dombrowski (CDU), Mitglied im Stiftungsrat. Kulturstaatsministerin Grütters verweigerte ebenso wie Maria Bering, Grütters Vertreterin im Stiftungsrat, ein Interview. Schade, denn man hätte gerne erfahren, warum Grütters sich so radikal von Knabe und seiner Arbeit in der Gedenkstätte abgewandt hatte.

Beim 20-jährigen Jubiläum der Gedenkstätte Hohenschönhausen wurde Knabes Name, der 18 Jahre lang so sehr dafür gearbeitet hatte, dass die Opfer des DDR-Regimes und die Gräueltaten, die in diesem Stasi-Gefängnis geschehen waren, nicht vergessen werden, nicht erwähnt. Schon allein für diese Beobachtung ist der Film wichtig.

„Sondervorgang Metoo“, Mittwoch, 27. Oktober, RBB, 22.15-23.50 Uhr