Prozessbeginn

70 Zeugen im Prozess um tödlichen SUV-Unfall geladen

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Der Porsche raste über den Bürgersteig, flog durch die Luft und kam schließlich auf einem Brachgrundstück auf (Archivbild).

Der Porsche raste über den Bürgersteig, flog durch die Luft und kam schließlich auf einem Brachgrundstück auf (Archivbild).

Foto: Morris Pudwell

Michael M. soll mit seinem SUV auf der Invalidenstraße vor zwei Jahren vier Menschen totgefahren haben. Heute beginnt der Prozess.

Berlin. Im Prozess um den tödlichen SUV-Unfall vor zwei Jahren auf der Invalidenstraße sind neun Hinterbliebene als Nebenkläger zugelassen. Das sagte Gerichtssprecherin Lisa Jani. Die Verhandlung gegen Michael M. beginnt am Mittwoch vor der 42. Strafkammer des Berliner Landgerichts. Laut Jani hat die Staatsanwaltschaft 70 Zeuginnen und Zeugen benannt. Ob diese alle vor Gericht erscheinen müssen, bleibe abzuwarten.

Michael M. ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Der heute 44-Jährige soll am Abend des 6. September 2022 infolge eines epileptischen Anfalls auf der Invalidenstraße in Mitte die Kontrolle über seinen SUV verloren haben. Dadurch starben vier Menschen.

Michael M. wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten fahrlässige Tötung vor. Vorsätzlich handelte er demnach nicht. M. wusste laut Anklage jedoch von seiner strukturellen Epilepsie und unterzog sich wenige Wochen vor dem Unfall einer Operation am Gehirn. Er habe erkennen können, dass er gesundheitlich nicht in der Lage gewesen sei, das Fahrzeug sicher zu führen, so der Vorwurf.

Der Unfall vor etwas mehr als zwei Jahren sorgte in ganz Berlin und weit darüber hinaus für Bestürzung und warf die Frage auf, ob SUV überhaupt in deutschen Innenstädten fahren dürfen. M. steuerte seinen Porsche Macan Turbo mit seiner Mutter auf dem Beifahrer- und seiner damals sechsjährigen Tochter auf dem Rücksitz in östlicher Richtung über die Invalidenstraße, als er zum Überholmanöver auf die Gegenfahrbahn ausscherte.

Tödlicher SUV-Unfall: Unter den Toten auch ein Kleinkind

In diesem Moment erlitt M. laut Anklage den epileptischen Anfall, in dessen Folge er bewusstlos wurde und sein Körper verkrampfte. Der Wagen beschleunigte auf bis zu 104 Stundenkilometer, fuhr an der Ackerstraße auf den Bürgersteig, rammte dort einen Ampelmast und wurde zwei Meter hoch in die Luft geschleudert. Auf seinem Weg erfasste der SUV vier Menschen.

Die beiden Männer im Alter von 28 und 29 Jahren sowie eine 64-Jährige und ihr dreijähriger Enkel starben noch am Unfallort. Die drei Insassen des Porsche wurden nur leicht verletzt. Allein wegen der medizinischen Fragen ist laut Gerichtssprecherin Jani von einer umfangreichen Beweisaufnahme auszugehen. Bislang sind 20 Prozesstage bis Anfang Februar 2022 geplant.

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( mit dpa )