Raserei

Senator: Keine PS-starken Autos an Fahranfänger vermieten

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Der Fahrer des 610 PS-starken Audis, der am Freitag in Neukölln einen schweren Unfall verursachte, war erst 19 Jahre alt.

Der Fahrer des 610 PS-starken Audis, der am Freitag in Neukölln einen schweren Unfall verursachte, war erst 19 Jahre alt.

Foto: Morris Pudwell

Nach einem Raserunfall fordert Justizsenator Dirk Behrendt, dass PS-starke Autos nicht mehr an Fahranfänger vermietet werden dürfen.

Berlin. Nachdem ein 19 Jahre alter Raser am Wochenende in Neukölln in einen schweren Unfall mit drei Verletzten verwickelt war, fordert Berlins Justizsenator Dirk Behrendt dass hochmotorisierte Autos nicht mehr Fahranfängern gegeben werden dürfen. „Es ist irrsinnig, dass ein 19-Jähriger mit 610-PS durch die Stadt rasen kann“, sagte der Grünen-Politiker am Montag. „Die individuelle Freiheit endet da, wo eine Gefahr für die Allgemeinheit entsteht.“ Es brauche dringend ein entsprechendes Überlassungsverbot.

Der Fahrer des Audi R8 Spyder soll am Freitagabend nach Zeugenaussagen bereits den ganzen Abend durch Nord-Neukölln gerast sein, als er gegen 20.45 Uhr auf der Karl-Marx-Straße in westliche Richtung raste. Auf Höhe der Reutestraße verlor er offensichtlich beim Versuch, einen Kleinwagen zu überholen, die Kontrolle über den Sportwagen. Er fuhr erst nach links auf den Bordstein der Mittelinsel auf, dann nach rechts auf den Kleinwagen und schließlich auf einen Postverteilerkasten.

Der 19-Jährige, die 35 Jahre alte Fahrerin des Kleinwagens und eine gleichaltrige Fußgängerin, die von Trümmerteilen an der Hand getroffen wurde, kamen zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus. An dem Audi entstand ein Totalschaden, fünf weitere Fahrzeuge wurden beschädigt. Laut eines Polizeisprechers würde ein Fachkommissariat für Verkehrsdelikte zunächst nur wegen eines Unfalls ermitteln.

Audi A8 Spyder hat eine Spitzengeschwindigkeit von 329 km/h

Der Audi A8 Spyder hat eine Motorleistung von 610 bis 620 PS, beschleunigt von 0 auf 100 Stundenkilometer in 3,2 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 329 km/h. Neu kostet er zwischen 150.000 und 220.000 Euro. Ob der Wagen dem 19-jährigen Unfallfahrer oder jemand anderem gehörte, war am Montag laut Polizeisprecher noch unklar. Um einen Mietwagen habe es sich allerdings nicht gehandelt.

Laut der Berliner Justizverwaltung stieg die Zahl der Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Verdacht eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens zuletzt deutlich an. So waren es 2018 noch weniger als 400, im Jahr 2019 dann fast 600 und im vergangenen Jahr nahezu 700.

2021 bereits 662 Raser-Verfahren

Im laufenden Jahr sind bis zum 3. Oktober bereits 662 Verfahren eingegangen, womit bei anhaltendem Trend der Vorjahreswert bis zum Ende des Jahres überstiegen werden könnte. In jedem zweiten Fall war der Fahrer oder die Fahrerin zwischen 18 und 25 Jahren alt.

Die Personen hinter dem Steuer seien in den wenigsten Fällen Eigentümer der Wagen gewesen. Diese würden häufig Dritten gehören oder bei einem gewerblichen Anbieter gemietet werden, „was für die Justiz die Beschlagnahme und Einziehung erschwert“, sagt Senator Behrend. „Deshalb wollen wir den Hebel bei den Vermietern ansetzen.“

Berliner Bundesratsinitiative wurde kürzlich abgelehnt

Das Land Berlin hatte im Sommer über den Bundesrat eine entsprechende Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs angestrebt. Demnach sollte Autovermietern verboten werden, hochmotorisierte Fahrzeuge an Fahranfänger abzugeben. Bei Zuwiderhandlung hätte der Verlust der gewerberechtlichen Zulassung gedroht. Die Länderkammer lehnte den Berliner Vorstoß jedoch am 17. September ab. „Die Koalitionsverhandlungen im Bund sind nun gefragt, dass unsere Straßen nicht weiter zu Rennstrecken verkommen“, so Behrendt weiter.