Tarifstreit

Edeka, Rewe, Primark - In Berlin streikte der Einzelhandel

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Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Mitglieder für Donnerstag zum Streik im Berliner Einzelhandel aufgerufen.

Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Mitglieder für Donnerstag zum Streik im Berliner Einzelhandel aufgerufen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Gewerkschaft Verdi erhöht im Tarifstreit den Druck. Diese Supermärkte und Ketten sind in Berlin vom Streik betroffen.

Berlin. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat Verkäuferinnen und Verkäufer im Einzelhandel in Berlin und Brandenburg am Donnerstag aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. An diesem Donnerstag waren unter anderem Mitarbeiter einzelner Filialen der Supermarktketten Edeka, Rewe und Kaufland, der Händler Thalia, Primark, Galeria Karstadt Kaufhof und Ikea sowie im Rewe-Lager in Mariendorf und im Kaufland-Lager Lübbenau aufgerufen, ihre Arbeit ruhen zu lassen.

Anlass für den Streik waren laut Verdi die immer noch ergebnislosen Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft und dem Handelsverband für die rund 141.000 Berliner und 78.000 Brandenburger Einzelhandelsbeschäftigten. Auf dem Breitscheidplatz in der City West ist für den Vormittag eine zentrale Kundgebung geplant.

Am Ausstand beteiligten sich 500 Mitarbeiter. Ein Großteil der Teilnehmer fand sich auf dem Berliner Breitscheidplatz zu einer zentralen Versammlung ein. Bei der letzten Arbeitsniederlegung im Handel hatten sich Mitte September gut 700 Beschäftigte dem Aufruf Verdis angeschlossen. Einschränkungen auf Öffnungszeiten der Geschäfte oder die Versorgung hatten die Streiks nicht.

Kaufland betonte in einer Mitteilung, dass die Filialen in Tempelhof und Gropiusstadt trotz des Streiks geöffnet waren, Kunden könnten wie gewohnt ihre Einkäufe tätigen.

Verdi: Beschäftigte im Berliner Handel sind enttäuscht

Verdi will mit dem Warnstreik den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen erhöhen. Bei dem letzten Zusammentreffen von Handelsverband und Verdi hatte die Arbeitgeberseite laut Gewerkschaft kein neues Angebot vorgelegt.

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Conny Weißbach hält das für unzureichend. „In der Corona-Krise galten die Beschäftigten im Handel erst als systemrelevant. Jetzt haben sie damit gerechnet, mehr Wertschätzung zu erfahren. Doch stattdessen ziehen sich die Tarifgespräche schon Monate hin“, kritisierte Weißbach, die bei Verdi Landesfachbereichsleiterin Handel ist. Auch mit Blick auf die steigende Inflationsrate sei mehr Gehalt für die Beschäftigten angebracht. „Die Unternehmen halten sie hin, während Lebensmittelpreise, Benzinkosten und Kleidung zwischen 3,5 und 10,5 Prozent steigen“, erklärte Weißbach weiter.

Die Gewerkschaft will in der laufenden Tarifrunde 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr Lohn pro Monat durchsetzen und außerdem ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde. Die Arbeitgeberseite will die Löhne gestaffelt erhöhen, bei einer längeren Laufzeit.

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„Trotz der hohen Inflationsrate von aktuell 3,9 Prozent legten die Arbeitgeber kein verbessertes Angebot vor“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Conny Weissbach. Zudem wirft sie der Arbeitgeberseite vor, die mit der Corona-Krise verbundene Verunsicherung zu nutzen, um „Dumpingtariferhöhungen“ durchzusetzen.

Der jüngste Tarifvorschlag vom 30. Juli würde es nach Angaben von Verdi den von Corona-Schließungen betroffenen Unternehmen erlauben, Lohnerhöhungen ins jeweilige Folgejahr zu verschieben. Demnach gäbe es in diesem Jahr gar keine Erhöhung.

„Es muss aber bedacht werden, dass nicht alle von Schließungen betroffene Unternehmen Lohnerhöhungen wie andere mitmachen können“, entgegnete Günter Päts, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes. Für diese Unternehmen brauche es mehr Nullmonate, bis schrittweise im nächsten und übernächsten Jahr wieder Tarifgleichheit hergestellt werden könne. „Unser letztes Angebot war eng koordiniert mit Angeboten aus anderen Bundesländern, jedoch mit Differenzierungen für die unterschiedlich von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen in Berlin und Brandenburg“, sagte Päts. Er sei jedoch optimistisch, zum nächsten Verhandlungstermin am 19. Oktober eine Lösung zu finden.

Linke bringt politische Intervention ins Spiel

Susanne Ferschl, stellvertretende Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, brachte eine politische Intervention ins Spiel. „Spätestens seit der Pandemie ist klar, auf welche Berufe wir als Gesellschaft im Ernstfall nicht verzichten können. Weigern sich die Arbeitgeber, muss die Bundesregierung eingreifen und über die Allgemeinverbindlichkeitserklärung sicherstellen, dass in einer systemrelevanten Branche gleiche Lohn- und Arbeitsbedingungen garantiert werden.“

In Hessen war zuletzt ein Tarifabschluss im Handel erzielt worden. Dort sollen die Entgelte der Beschäftigten rückwirkend zum 1. August dieses Jahres um 3,0 Prozent und zum 1. April 2022 um weitere 1,7 Prozent angehoben werden. Günter Päts vom Handelsverband vom Handelsverband Berlin-Brandenburg bezeichnete die Einigung in Hessen als „Pilotabschluss“.