200. Geburtstag

Rudolf Virchow - Übervater der Berliner Pathologie

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Sibylle Haberstumpf
Arzt Rudolf Virchow um 1900.

Arzt Rudolf Virchow um 1900.

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Medizinpionier und Ehrenbürger: Rudolf Virchow legte den Grundstein für Berlin als Forschungsmetropole.

Berlin. Er war einer der berühmtesten Ärzte Deutschlands, befasste sich mit Thrombosen und Zellen, engagierte sich aber auch für eine moderne Kanalisation zum Zwecke der Gesundheit: Rudolf Virchow wird bis heute in der Medizin als Pionier geschätzt, aber auch als Reformator des öffentlichen Gesundheitswesens. In Berlin bleibt er unvergessen durch seine Tätigkeit als Professor für Pathologie an der Charité. Seit 1891 ist er Ehrenbürger der Stadt. Vor 200 Jahren, am 13. Oktober 1821, wurde Virchow in Pommern geboren und starb am 5. September 1902 mit 80 Jahren in Berlin.

Ein breites Fernsehpublikum konnte sich zuletzt ein Bild von ihm machen, als 2017 die erste Staffel der Drama-Serie „Charité“ in der ARD ausgestrahlt wurde, in der Virchows Charakter von Ernst Stötzner verkörpert wurde. Seine Ehefrau Rose Mayer nannte er zärtlich „Röschen“. Verschiedene Briefmarken der Deutschen Post, Büsten und ein Denkmal auf dem Karlsplatz in Berlin-Mitte erinnern an den Wissenschaftler mit dem markanten Vollbart. Vom preußischen Kulturminister wurde Virchow 1856 als Professor der Pathologie und Therapie nach Berlin berufen. Für ihn wurde damals ein eigenes Institutsgebäude an der Charité eingerichtet – es war das erste Pathologische Institut Deutschlands. Virchow hatte ab 1839 Medizin an der Berliner Militärärztlichen Akademie studiert, promovierte dort 1843 und begann, als Pathologe zu arbeiten. Nach seiner Habilitation im Jahr 1847 gründete er mit dem Arzt Benno Reinhardt das „Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medicin“, das bis heute, inzwischen als „Virchows Archiv“, in mehr als 450 Bänden erschienen ist. In dieser Zeitschrift veröffentlichte er bedeutende Artikel zur pathologischen Anatomie. In den Annalen der Berliner Humboldt Universität heißt es, die von Virchow Ende der 1850er-Jahre aufgestellte Theorie der Zellularpathologie habe einen Wendepunkt in der Geschichte dieser Disziplin dargestellt. Die Theorie besagt, dass Krankheiten auf Störungen der Körperzellen basieren – eine Erkenntnis, die ihm Weltruhm einbrachte. Ebenfalls 1856 veröffentlichte Virchow seine Erkenntnisse über die Thrombose im Rahmen seiner „Gesammelten Abhandlungen zur Wissenschaftlichen Medicin“.

Die Stadt Berlin erinnert sich gerne an ihren Ehrenbürger. Michael Müller, Regierender Bürgermeister, würdigt ihn als klassischen Universalgelehrten und große Forscherpersönlichkeit. „Virchow verdanken wir bis heute nachwirkende Fortschritte in der Medizin, besonders in der Sozialhygiene“, so Müller. Er habe daran mitgearbeitet, Berlins Fundamente als Wissenschaftsmetropole von internationalem Rang zu legen.

Auch Gründungsmitglied der Deutschen Fortschrittspartei

Im Berlin des 19. Jahrhunderts habe Virchow kommunale Krankenhäuser wie die im Friedrichshain, in Moabit und Kreuzberg etabliert, Einrichtungen für psychisch kranke Menschen und Obdachlosen- und Genesungsheime, sagte Müller weiter. Nicht zuletzt habe er den Bau der städtischen Kanalisation befördert, um die Gesundheit der Berliner Bevölkerung zu gewährleisten. Gründungsmitglied der Deutschen Fortschrittspartei war Virchow außerdem. Und auch an Geschichtlichem war er interessiert: So war er an der Gründung mehrerer Berliner Museen beteiligt, unter anderem des heutigen Märkischen Museums und des Ethnologischen Museum.