Antisemitismus

Beisetzung von Neonazi in jüdischem Grab: Anzeige erstattet

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Charlotte Bauer
Blick auf Grabsteine und eine Gruft auf dem Friedhof Stahnsdorf.

Blick auf Grabsteine und eine Gruft auf dem Friedhof Stahnsdorf.

Foto: dpa Picture-Alliance / Hans Joachim

Kirche räumt Fehler bei der Bestattung des Holocaustleugners und Neonazis Hafenmayer auf der Grabstätte von Max Friedlaender ein.

Potsdam. Die Beisetzung eines Neonazis im Grab eines jüdischen Musikwissenschaftlers auf dem evangelischen Südwestkirchhof in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) sorgt für Empörung. „Die Bestattung eines Holocaust-Leugners auf der Grabstätte von Max Friedlaender ist ein schrecklicher Fehler“, erklärte Bischof Christian Stäblein am Dienstagmorgen bei einem Besuch der Grabstätte auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf. Es sei „ein erschütternder Vorgang angesichts unserer Geschichte“.

Der 1909 eröffnete Südwestkirchhof gehört zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), deren Bischof Stäblein seit rund zwei Jahren ist. Dort wurde am vergangenen Freitag der Neonazi Henry Hafenmayer aus Nordrhein-Westfalen beigesetzt. An der Trauerfeier nahmen zahlreiche Rechtsextremisten teil, darunter der wegen Volksverhetzung lange inhaftierte Antisemit Horst Mahler. Die Polizei war bei der Beerdigung am Freitag im Einsatz. Zunächst hatten das Recherchenetzwerk Berlin und das Portal „Blick nach rechts“ über die Bestattung berichtet.

Ehrendes Gedenken für Max Friedlaender soll bewahrt werden

Die EKBO habe die Entscheidung getroffen, die Anfrage nach einer Grabstätte nicht abzulehnen. Der erste Grabstättenwunsch sei von der Friedhofsleitung abgelehnt worden, die Auswahl der ehemaligen Grabstätte Friedlaenders sei aber auch ein Fehler gewesen.

„Ich möchte alles daran setzen, diese Schändung des Grabes von Max Friedlaender aufzuarbeiten“, sagte Stäblein. So wolle er alle rechtlichen Schritte prüfen, die den Vorgang rückgängig machen könnten. In jedem Fall wolle er dafür Sorge tragen, ein ehrendes Gedenken für Max Friedlaender auf dem Friedhof zu bewahren.

Berliner Antisemitismusbeauftragte hat Strafanzeige erstattet

Der Berliner Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn hat Strafanzeige wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe, der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und der Volksverhetzung erstattet, teilte die Senatsverwaltung für Justiz am Dienstag mit. „Die Absicht liegt hier auf der Hand, dass Rechtsextremisten bewusst ein jüdisches Grab gewählt haben, um durch die Beisetzung eines Holocaustleugners die Totenruhe zu stören“, erklärte Salzborn. Das „gesamte Friedhofsetting mit verurteilten Holocaustleugnern bei der Beisetzung“ verlange nach einer strafrechtlichen Überprüfung.

Mit der evangelischen Landeskirche sei er zudem „im konstruktiven Austausch“, welche Konsequenzen der Vorfall haben soll, betonte Salzborn. Es müsse geprüft werden, ob und gegebenenfalls wie schnell der Holocaustleugner umgebettet werden kann, um das würdige Andenken an den Musikwissenschaftler Max Friedlaender nicht länger zu stören.

( mit epd )